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4. O-Busse in Graz?


Welche derzeitigen Buslinien kommen in Graz für eine Umstellung auf O-Busse eigentlich in Frage? Aufgrund der höheren Betriebskosten und der teuren Infrastruktur kommt eine Gesamtumstellung aller Buslinien auf O-Bus nicht in Betracht, also nur für jene Buslinien die derzeit schon mit einem 10 Minuten Takt im Betrieb stehen. Dazu kommt, dass bei dem vor rund fünf Jahren erfolgten Systemvergleich die Straßenbahn auf den „ÖV-Hauptachsen“ wesentlich besser abgeschnitten hat, als alternative Bussysteme und damit auch der O-Bus.

Sollten diese „Hauptachsen“ in den Südwesten und Nordwesten des Grazer Stadtgebietes, mit der Anbindung der Universität als Straßenbahnlinien ausgebaut werden, verbleiben jedoch noch immer einige Buslinien die mit dichten Intervallen (zumindest 10-Minuten-Takt) betrieben werden und daher für eine Systemänderung in Betracht kämen.


Von der Abteilung Verkehrsplanung wurde daher für die weitere Betrachtung ein mögliches O-Busnetz aus den Strecken- und Teilstrecken der Linien 31, 32, 33, 34, 39, 58 und 85 berücksichtigt.


(Anklicken um zu vergrößern)


O-Busnetz:

Linien

Länge

Streckenführung

O 1

6,6 km

Wirtschaftskammer – Geidorfplatz – Jakominiplatz – Urnenfriedhof

O 2

8,4 km

Hauptbahnhof – Reinighaus - Don Bosco – Seiersberg

O 3

8,4 km

Jakominiplatz – Citypark – Grottenhofstraße – Wetzelsdorferstraße

O 4

8,0 km

Jakominiplatz – Thondorf

O 5

7,2 km

Eggenberg – Hauptbahnhof – Geidorfplatz – Mariagrün

O 6

3,4 km

Hauptbahnhof – Geidorfplatz – Universität

  • Es werden sechs O-Buslinien mit einer Linienlänge von 42 km vorgeschlagen.

  • Die Streckenlänge beträgt 37,4 km

  • 40 Gelenk-Obusse (34 in Betrieb + 15 % Reserve) wären für diese sechs Linien erforderlich.

  • Eine seriöse Kostenermittlung kann derzeit nicht vorgenommen werden.

Die „Auswirkungen“ der O-Bus Systemumstellung auf diesen Linien wurde in einer ökologischen Bilanz untersucht. Basierend auf den Emissionskataster aus dem Jahr 2003 wurden die Gesamtemissionen von PKW, LKW und öffentlichem Verkehr dargestellt. Die Veränderungen durch den Straßenbahnausbau, die O-Busse und damit die verstärkte Nutzung des öffentlichen Verkehrs wurden berücksichtigt. Um die Daten tatsächlich vergleichen zu können, wurden sie anhand des Emissionskatasters 2003 gegenübergestellt. Dabei wurde eine Steigerung des Verkehrsaufkommens nicht berücksichtigt.

Bei den Fahrgastveränderungen durch die Straßenbahnausbauten (der Südwestlinie, Nordwestlinie, Linie 1 über die Universität und Linie 7 Billrothgasse) wurden in Summe 42.000 zusätzliche Fahrgäste eingerechnet. Bei den O-Buslinien durch den 5 % O-Bus Bonus – zusätzlich 2.600 Fahrgäste.

Istzustand

Straßenbahn

Straßenbahn/Obus

Fahrleistungen PKW

1.187 Mio. km

1.115 Mio. km

1.110 Mio. km

Fahrleistungen GVB-Diesel-Busse

8 Mio. km

6 Mio. km

4 Mio. km

Fahrleistung Schwerverkehr

92 Mio. km

92 Mio. km

92 Mio. km

Emissionen

314.039 t

297.919 t

294.886 t

Veränderung der Emissionen

-

- 5,1 %

- 6,1 %

  • Die größten Veränderungseffekte bei den jährlich Emissionen werden durch den Straßenbahnausbau erzielt. Die zusätzlichen Fahrgäste führen zu einer Reduktion der KFZ – Fahrten. Die neuen Straßenbahnlinien verringern die Anzahl der eingesetzten Autobusse (bisher 135 Busse, danach - 30 Busse, somit 105 Busse). In Summe werden mehr als 16.000 Tonnen bzw. 5,1 % an Emissionen eingespart.

  • Die Einführung der sechs O-Buslinien führt zu einer Emissionsreduktion im Ausmaß von rund 3.000 Tonnen bzw. 1,0 % an Emissionen.




    Vergleich mit anderen Städten

All diese Überlegungen führten auch in anderen Städten zu einem Überdenken des O-Busbetriebes. Eine Momentaufnahme zeigt folgendes Bild:

  • Kapfenberg – 2003, Einstellung des O-Busses aus Kostengründen.

  • Innsbruck – 2007, Einstellung des O-Busses wegen Straßenbahnausbau und aus Kostengründen.

  • Basel – 2007, Abschaffung des O-Busses in Basel erfolgte erst nach Volksabstimmung. Zustimmung zur Einstellung des O-Busses mit gleichzeitiger Umstellung des gesamten Busbetriebes auf Gasbus.

  • Linz – 80 Gasbusse werden derzeit geliefert und ausgiebig getestet. 2010-2011 wird es eine Grundsatzentscheidung geben, ob der O-Bus in Linz Zukunft hat.


5. Resümee

  • Aus verkehrsplanerischen Gesichtspunkten sind durch die Einführung der vorgeschlagenen sechs O-Buslinien nur 2.600 zusätzlich Fahrgäste zu erwarten. Die Verlagerungseffekte durch den Straßenbahnausbau sind ungleich höher.

  • Ökologisch können durch die konzipierten O-Buslinien rund 3.000 Tonnen an Emissionen pro Jahr eingespart werden.

  • Die Betriebskosten sind bei O-Bussen im Durchschnitt um 20 % kostspieliger als bei Dieselbussen. Zusätzliche Investitionskosten vor allem bei den Werkstätten als 3. Betriebssystem sind dabei noch nicht berücksichtigt.

  • Die Neuanschaffung von O-Buslinien sind rund drei bis vier mal höher als bei vergleichbaren Dieselbuslinien.

  • Aufgrund der hohen Investitions- und Betriebskosten läst sich eine „Gesamtumstellung“ des zukünftigen Busnetzes auf einen O-Busbetrieb nicht rechtfertigen. Dies wäre auch nur für rund ein drittel des Busnetzes denkbar.

In Anbetracht und bei Abwägung all dieser Fakten erscheint es für den städtischen Betriebszweig der GVB-Autobusse sinnvoller, beim derzeitigen Dieselbus zu verbleiben. Die zukünftigen EURO Abgasvorschriften werden bei der laufenden Modernisierung der Busflotte zu einer weiteren

Verringerung der Emissionen führen. Alternativ wäre auch die Umstellung auf ökologischere Treibstoffe, dann aber der gesamten Busflotte, etwa auf Erdgasbusse denkbar.


Zum Diskussionsthread im Forum


Einen herzlichen Dank an Martin Bauer / Verkehrsplanung Stadt Graz (Verfasser dieser Untersuchung)