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Thema: Gemeindefusion: Erste Karten sind da (4298-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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  • amadeus
  • Libertin & Hedonist
Gemeindefusion: Erste Karten sind da
Gemeindefusion: Erste Karten sind da

Von Einwohnerprognosen bis zu Zentralräumen: Das Land hat nun im Internet die wichtigsten Kriterien für Gemeindefusionen veröffentlicht. Die Karten dazu bergen einigen Zündstoff.

Wer landet wo? Diese Frage beschäftigt spätestens seit der letzten Reformkonferenz vor rund vier Wochen die steirischen Bürgermeister und Teile der Bevölkerung. Nun hat das Land im Internet (www.gemeindestrukturreform.at) Kriterien und Karten für Gemeindefusionen veröffentlicht. Obgleich offiziell vor 2013 keine Entscheidung über Gemeindefusionen fallen soll, lässt sich aus dem Katalog und jetzt vom Land publizierten Karten ganz gut ablesen, wohin die Reise gehen soll. Fragt man in den Büros von LH Franz Voves (SPÖ) und ÖVP-Vize Hermann Schützenhöfer nach, dann haben sich seit den Reformkonferenzen im September "etliche Bürgermeister gemeldet." Es werden erste Informationsgespräche vereinbart, Fachleute stehen beratend zur Seite

Zusammenlegen, was zusammengehört, könnte einer der Grundsätze der Reformpartner lauten. "Diese Karten sind ein wichtiges Werkzeug für die Strukturreformgruppe", bestätigt ein Eingeweihter. Worauf man achtet: Ein Zentralraum. Wichtiges Kriterium sind ein gemeinsamer Einzugsbereich mit nicht allzu weit voneinander entfernten Einrichtungen: Schulen, Pfarren, Geschäfte und so weiter. Dies als Maßstab würde bedeuten, dass die Gemeinden Gralla, Tillmitsch, Kaindorf, Seggauberg und Wagna mit Leibnitz fusioniert würden. Einige weitere Zentralräume: Wolfsberg, Wildon, Lebring, Ehrenhausen, Deutschlandsberg, Preding, Stainz, Mureck, Deutsch Goritz oder Bad Radkersburg.

Ein Siedlungsgebiet. Gemeinsame Siedlungsgebiete und zusammenhängende Infrastruktur sind ebenso Kriterium der Strukturreformer. Demnach ist Frauental ein klarer Übernahmekandidat für Deutschlandsberg, ebenso wie Stallhof für Stainz. Und natürlich Wagna und Kaindorf für Leibnitz.

Kooperationen. Nicht minder wichtig bei Zusammenlegungen sind Kooperationen, eine bestehende Kleinregion, gemeinsam genutzte Glaubenseinrichtungen und Schulsprengel. In diesen Punkt sind die meisten der 107 Gemeinden der Region bereits eng zusammengerückt. So gibt es zwischen Bad Radkersburg und Deutschlandsberg 19 Kleinregionen. Einzig Lannach, St. Josef und Gamlitz sind noch "Single".

Längst gang und gäbe sind Kooperationen in den Pfarren (Pfarrverbände) und Schulen. Es gibt Abwasser- und Standesamtsverbände, Vereinigungen im Tourismus, in der Verwaltung oder im privatwirtschaftlichen Bereich (Gewerbeparks). Einwohner. Da die Einwohnerzahlen in vielen Gemeinden sinken, ist dies ein Argument für Fusionen. Die Prognose für das Jahr 2030 sieht unter anderen die Berggemeinden von Soboth bis Kloster mit starken Rückgängen konfrontiert (Ausnahmen sind Freiland und Trahütten). Auch in den Grenzgemeinden von Aibl bis Glanz gehen die Einwohner zurück, ebenso wie in sämtlichen Gemeinden des Bezirkes Radkersburg. Trauriger Spitzenreiter: Kloster (-36,1 Prozent). Auch Klöch, Deutsch Goritz, St. Peter/Ottersbach oder Greisdorf sollen bis zu einem Viertel ihrer Einwohner verlieren. Umgekehrt sehen Gemeindeoberhäupter im wachsenden Leibnitzer "Speckgürtel" nicht ein, warum sie trotz steigender Einwohnerzahl Leibnitz einverleibt werden sollen.

Naheliegend: Die natürlichen Grenzen und die Gemeindebudgets (Stichwort Schulden) sind ebenso entscheidende Faktoren für eine Gemeindefusion.

THOMAS WIESER, THOMAS ROSSACHER

Quelle: Kleine Zeitung
Gruß aus Graz-Eggenberg
Wolfgang
      Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die einfach, klar und falsch ist.
Im Übrigen bin ich der Meinung, daß das Fahrtziel eines Fahrzeuges mit dessen Fahrtzielanzeige übereinstimmen soll.


Re: Gemeindefusion: Erste Karten sind da
Antwort #1
Einen Punkt finde ich aber schon mehr als befremdlich und bedenklich, und zwar dass man im Gemeindefusionsprozess tatsächlich auch die Pfarren und Glaubensrichtungsverteilungen berücksichtigen will. Ist ja krank. Wo leben wir denn, im Vatikan, im Iran, oder doch noch in Österreich?

  • Michael
  • Styria Mobile Team
Re: Gemeindefusion: Erste Karten sind da
Antwort #2

und noch ein Bericht für den Grazer Raum:


Worauf man achtet: Ein Zentralraum. Wichtiges Kriterium ist ein gemeinsamer Einzugsbereich mit nicht allzu weit voneinander entfernten Einrichtungen: Schulen, Pfarren, Geschäfte und so weiter. Dies als Maßstab würde bedeuten, dass Seiersberg, Pirka, Feldkirchen, Unterpremstätten, Gössendorf, Kalsdorf, Fernitz, Hausmannstätten, Grambach und Raaba im Wahljahr 2018 zur Landeshauptstadt wandern müssen.

Eine Ebene tiefer werden regionale Zentren definiert: Demnach wären zum Beispiel Grambach zu Raaba und Pirka zu Seiersberg zu geben.

Ein Siedlungsgebiet. Gemeinsame Siedlungsgebiete und zusammenhängende Infrastruktur sind ebenso Kriterium der Strukturreformer. Demnach sind Seiersberg und Raaba klare "Übernahmekandidaten" für Graz. Im Norden wiederum weist diese Karte Gratwein, Judendorf-Straßengel und (teilweise) Gratkorn als eine ideale Gemeinde aus.

Kooperationen. Nicht minder wichtig bei Zusammenlegungen sind vorhandene Kooperationen (im Tourismus etc.), gemeinsam genutzte Glaubenseinrichtungen, ein (Haupt-)Schulsprengel oder eine bestehende Kleinregion. In diesem Punkt sind die "GU8"-Gemeinden (von Seiersberg bis Werndorf) und die Kleinregion "GU-Süd" (Hart bis Mellach) bereits eng zusammengerückt. Nimmt man hingegen die Schulsprengel als Hauptkriterium, dann gehört Seiersberg eigentlich nach Graz.

Einwohnertrends. Da die Einwohnerzahlen in etlichen steirischen Gemeinden sinken, ist dies ein starkes Argument für Fusionen. Die Prognose für das Jahr 2030 sieht unter anderen die Nordgemeinden Frohnleiten, Übelbach und Großstübing mit starken Abgängen konfrontiert. Umgekehrt sehen viele Ortschefs im wachsenden Grazer "Speckgürtel" nicht ein, warum sie trotz Einwohnerplus fusioniert werden oder zu Graz kommen sollen.

Geld und Grenzen. Die natürlichen Grenzen und die Gemeindebudgets (Stichwort Schulden) sind ebenso entscheidende Faktoren für eine Gemeindefusion.

Quelle: http://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/graz/2864300/gemeindefusion-nun-gibt-karten.story


Die Karten sind unter dem Menüpunkt Grundlagen zu finden (www.gemeindestrukturreform.at) und anklickbar, je nachdem von welcher Region man das umfassende Material durchackern möchte.
LG Michael, vormals PM  |  Styria-Mobile

Re: Gemeindefusion: Erste Karten sind da
Antwort #3

Einen Punkt finde ich aber schon mehr als befremdlich und bedenklich, und zwar dass man im Gemeindefusionsprozess tatsächlich auch die Pfarren und Glaubensrichtungsverteilungen berücksichtigen will. Ist ja krank. Wo leben wir denn, im Vatikan, im Iran, oder doch noch in Österreich?

Wenn du deine Scheuklappen abnimmst, wirst du vielleicht sehen, dass die Pfarrstrukturen im ländlichen Raum relativ sinnvolle Größen und Entfernungen haben, und, zumindest aus geschichtlicher Sicht und auch jetzt noch für einen nicht so kleinen Teil der Bevölkerung, ein wichtiges soziales Zentrum sind. Ich traue mich auch zu behaupten, dass mehr Leute in die Kirche als ins Gemeindeamt pilgern ;)

Zu den Karten: Was weltbewegendes ist da ja noch nicht dabei, das ist eher eine Kartensammlung, die zur Entscheidungsfindung beitragen können.

  • Torx
Re: Gemeindefusion: Erste Karten sind da
Antwort #4

Wenn du deine Scheuklappen abnimmst, wirst du vielleicht sehen, dass die Pfarrstrukturen im ländlichen Raum relativ sinnvolle Größen und Entfernungen haben, und, zumindest aus geschichtlicher Sicht und auch jetzt noch für einen nicht so kleinen Teil der Bevölkerung, ein wichtiges soziales Zentrum sind. Ich traue mich auch zu behaupten, dass mehr Leute in die Kirche als ins Gemeindeamt pilgern ;)

Wenns danach geht sollte man eher die McDonalds-Filialen berücksichtigen als die Kirchen. ;) Oder die Tankstellen mit Imbiß. Die Zeiten haben sich geändert, man will's nur nicht wahr haben...

Re: Gemeindefusion: Erste Karten sind da
Antwort #5
Werden Sie ja auch indirekt, die stehen ja nur in zentralen Orten mit Versorgungsfunktion, und das Einzugsgebiet der McD Filialen ist wohl eher unbrauchbar für eine Gemeindereform ;) Aber im Ernst - macht euch mal die Mühe und schaut euch im ländlichen Raum die Pfarrstruktur an - und vergesst kurz, dass das was mit Religion oder Kirche zu tun hat.