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Thema: Schöner Wohnen im bunten Entenhausen (3068-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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  • Torx
Schöner Wohnen im bunten Entenhausen
Interessanter Artikel aus den Salzburger Nachrichten


Schöner Wohnen im bunten Entenhausen
15.11.2012

Farbrausch. Ein Trend zum schrill bemalten Einfamilienhaus wird insbesondere in der Südoststeiermark sichtbar. Eidottergelb, giftblau oder orange: Alles ist möglich.

MARTIN BEHR Graz (SN). Bei allzu farbigen Einfamilienhäusern bekommen manche hochrote Köpfe. Der Trend zum knallbunten Einfamilienhaus ist vor allem in der Südoststeiermark seit einigen Jahren hochgradig ausgeprägt. Giftgrün, eidottergelb, lila, türkis, orange himmelblau oder scharlachrot: Alles ist möglich.

,,Es ist verblüffend: Zwischen Graz, Bad Radkersburg und Fürstenfeld stößt man bei Gebäuden auf die gesamte Farbkarte", sagt der Kunsthistoriker Günther Holler-Schuster, der die aus der Landschaft stechenden Gebäude fotografisch dokumentiert.

Auch im Vorstand des Grazer ,,Haus der Architektur" ist die Mode, das Eigenheim schrill anzufärbeln, ein Thema. ,,Das Phänomen erinnert an osteuropäische Beispiele, wo eine grelle Farbwahl den eigenen Wohlstand dokumentieren soll", erläutert etwa der Architekt Markus Bogensberger. Die ,,neue Fröhlichkeit" bei der Fassadengestaltung in heimischen Gefilden sei Ausdruck eines ,,erhöhten Individualitätsanspruchs": ,,Sich mit seinem trauten Heim dezent der Umgebung anzupassen, das ist vielen fremd geworden."

Im direkten Gemeindeverband sowie im urbanen Bereich verhindere der Ortsbildschutz ,,noch das Schlimmste", sagt Markus Bogensberger. Im Grünen gebe es aber kein Reglement für die wild wuchernde Farbfülle. Der Architekt verweist auf einen mittlerweile in der Südsteiermark tätigen Gestaltungsbeirat, der den Häuslbauern dazu rät, gedeckte Farben, die mit dem Hintergrund verschmelzen, zu verwenden: ,,Information und Aufklärung sind sehr wichtig, die Farbflut ergießt sich oft unreflektiert über die Hausmauern."

Von einer ,,ästhetischen Hilflosigkeit" und einer ,,Diktatur des Lagerhauses" spricht auch die auf Alltagskultur spezialisierte Kulturwissenschafterin Eva Kreissl. Sie verbindet mit den grellbunten Hausfassaden einen ,,Ich bin auch ein Individuum"-Hilferuf. Im ausgeprägten Drang, sich selbst öffentlich darzustellen, wolle man mit bestehenden Traditionen und Normen brechen. In der breiten Farbpalette spiegelten sich viele ,,Wunschträume und subjektive Sehnsüchte".Kein Verbot für Froschgrün Die erweiterte Produktpalette der Farbindustrie würde, so Kreissl, zudem den Farbenrausch begünstigen: ,,Früher gab es ja nur Weiß, ein dezentes Gelb und Grau." Auch Eva Kreissl betont die Notwendigkeit der Beratung und spricht sich nicht für Vorschriften aus: ,,Froschgrün als Hausfarbe zu verbieten wäre nicht unbedingt sinnvoll." Generell glaubt die Kulturwissenschafterin, dass die Mode in einigen Jahren wieder vorbei sein wird. ,,Nach diesem bunten Manierismus kommt vielleicht wieder ein Trend zu einem ganz eleganten Weiß."

Schöner Wohnen im Regenbogenland? Für Holler-Schuster hat die auffällige Farbwahl nicht nur negative Aspekte: ,,Die Hausbesitzer haben ja auch eine große Freude, dass sie sich etwas getraut haben. Es hebt ihr Selbstvertrauen." Für eine ,,unfreiwillige Komik" sorge allerdings der Spielzeugcharakter der bunten Einfamilienhäuser: ,,Man glaubt bisweilen, in Entenhausen oder im Legoland zu sein." Vor rund vier Jahren sind ihm die ersten giftblauen und hellvioletten Fassaden aufgefallen.

Der Kunsthistoriker vergleicht die Mode bei der Hausgestaltung mit Trends bei den Automobilfarben, wobei auf vier Rädern zurzeit eher der Trend weg von der Buntheit geht. ,,Schwarz, Weiß, Grau, Silber dominieren."

Markus Bogensberger vom ,,Haus der Architektur" wiederum ist der Hang zum Legohäuschen ein Symbol für generelle Fehlentwicklungen in der Baukultur, er verweist auf Tarek Leitners Buch ,,Mut zur Schönheit - Streitschrift gegen die Verschandelung Österreichs". ,,Volk begnadet für das Schöne? Sicher nicht beim Bauen."

  • Zuletzt geändert: November 15, 2012, 13:53:13 von Martin

Re: Schöner Wohnen im bunten Entenhausen
Antwort #1
Oder vielleicht haben die Leute einfach genug vom Betonbunker-Einheitsgrau?

Re: Schöner Wohnen im bunten Entenhausen
Antwort #2
Wahrscheinlich. Nach den letzten Jahren von Grau, Nirosta und böhmisch-rosa Querbalken...

Hoffentlich pendelt sich das bald in einer geschmackvollen Mitte ein: Für mich ist weder die Abwesenheit von Farbe (weiß), noch das "totale Farbenkastl" in Legomanier mit Landschaft und Kultur in Einklang zu bringen.