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Thema: Ceneri-Basistunnel  (1941-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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  • Hubert Voller
Ceneri-Basistunnel
Der Ceneri-Basistunnel ist nach dem Gotthard- und dem Lötschberg-Basistunnel das drittgrößte Tunnelprojekt in der Schweiz. Als logische Fortsetzung des Gotthard-Basistunnels erlaubt der Ceneri-Basistunnel die Realisierung der Flachbahn für den Güterverkehr durch die Schweiz und die Sicherstellung der Personenverkehrs-Anschlüsse in den Zentren nördlich und südlich der Alpen.

Mit bis zu 26 ‰ haben die Rampen der heutigen Bahnstrecken am Ceneri dieselben Steigungen wie jene am Gotthard. Der Bau des Gotthard-Basistunnels allein hätte also für schwere Güterzüge eine zusätzliche Lokomotive nicht vermeiden können. Im Personenverkehr kann mit dem Ceneri-Basistunnel die nötige Fahrzeitreduktion erreicht werden, um den Reisenden in Zürich im schweizerischen und in Mailand im italienischen Fahrplansystem optimale Anschlüsse zu gewährleisten. Die Reisezeit Zürich - Milano wird von heute 4 Stunden 10 Minuten auf neu 2 Stunden 40 Minuten reduziert.
Zusätzlich zu den zuvor aufgeführten Argumenten gibt es auch Kapazitätsüberlegungen. Diese werden in Zukunft zur Vervollständigung der Strecken (mit den Strecken Biasca-Bellinzona und südlich von Lugano bis zur italienischen Grenze) führen.


Linienführung Ceneri-Basistunnel

Übersicht Projekt Ceneri-Basistunnel
Das Tunnel-System am Ceneri sieht 2 einspurige Eisenbahnröhren von je 15,4 km Länge von Camorino bei Bellinzona bis Vezia in der Nähe von Lugano vor. Der Achsabstand der Einspurtunnel ist ca. 40  m. Alle 325  m werden die Bahnröhren mit Querschlägen verbunden.
Der Tunnel selber wird zum größten Teil ab dem Zwischenangriff in Sigirino ausgebrochen. Hier hat man im Jahr 2008 den Fensterstollen Sigirino erstellt, ein Zugangsstollen mit einer Länge von 2,3  km und einem Durchmesser von 9,70   m. In der Kreuzung Fensterstollen-Tunnelachse ist zurzeit ein Kavernensystem im Bau. 2010 wird ab diesem System der Ausbruch der beiden Tunnelröhren starten. Die Kavernen werden einen Teil der Baustelleninstallationen beherbergen, da der Platz vor dem Portal des Fensterstollens sehr begrenzt ist. Vor allem wird in der größten Kaverne die Betonzentrale Platz finden.
Die 8 km ab Sigirino Richtung Norden werden im Sprengvortrieb ausgebrochen. Richtung Süden wird der Vortrieb für fast 2 km sprengtechnisch erfolgen, für die weiteren 4 km erfolgt der Vortrieb mit Sprengvortrieb oder mit einer Tunnelbohrmaschine:
In Sigirino befinden sich die Hauptbaustelle mit den Anlagen der Materialbewirtschaftung, die Wasserbehand-lungsanlage, ein Werksgleisanschluss, die Enddeponie des Ausbruchmaterials (ca. 7 Mio.   t) und ein optimaler Straßenanschluss (Autobahn und Kantonsstraße). Dazu gehören natürlich auch ein Baustellendorf mit Unterkünften für 450 Personen, eine Kantine, die Büros der Bauleitung und der Unternehmung sowie ein Infopoint, der den Besuch der Außenbaustelle und der Tunnelbaustelle ermöglicht.


Luftaufnahme der Baustelle Sigirino

Die 2 Portalbaustellen in Camorino und Vezia sind zwar kleiner als der Hauptangriff Sigirino, technisch gesehen aber sehr anspruchsvoll.
Das Nordportal in Camorino befindet sich unter der Autobahn A2, deren Unterquerung in einer Lockermaterialstrecke (Dammschüttung der Autobahn) mit einer Überdeckung von lediglich ca. 10   m erfolgen wird. Der Vortrieb wird hier mittels eines Doppelbogens von horizontalen Jettingsäulen erfolgen. Unmittelbar nach der Lockermaterialstrecke beginnt eine Felsstrecke von etwa 700 m Länge. Um die Termine des Gesamtterminprogramms einzuhalten und um Verspätungen vom aus dem Süden kommenden Hauptlos abzufedern ist im Werkvertrag eine Option von max. 2 km vorgesehen.
Im Portalbereich Camorino entsteht auch die anspruchsvolle 2,7 km lange offene Strecke vom Bahnhof Giubiasco bis zum Nordportal des Ceneri-Basistunnels. Zu diesem Abschnitt gehören unter anderem 2 lange Viadukte, eine 4-gleisige Brücke über die Autobahn und der Ausbau von 2 auf 4 Gleise der bestehenden Bahnlinie auf einem Damm.


Bauarbeiten in Camorino

Beim Südportal in Vezia mündet die neue Strecke direkt beim Portal in die bestehende Bahnlinie der SBB. Die Baustelle befindet sich direkt unterhalb der Villa Negroni, einem geschützten historischen Gebäude. Entsprechend heikel sind die Vortriebsarbeiten in diesem Gebiet. Gebaut wird ein Tagbautunnel von etwa 170 m, zusätzlich wird ein Gegenvortrieb von etwa 300 m mit geringer Überdeckung ausgebrochen. In dieser Strecke kreuzt der Bahntunnel den sich ebenfalls im Bau befindenden Straßentunnel Vedeggio-Cassarate.

Die hauptsächlich amKnoten Camorino  ausgeführten Kunstbauten sind:

2 eingleisige Viadukte (Bild, Nr.2, 4) mit einer Länge von ca. 1.000m bzw. 440m (Ausführung zwischen 2011 und 2014).Wegen der setzungsempfindlichen Böden ist ein spezielles Fundationskonzept vorgesehen (Vorbelastungen und kombinierte  Pfahl-Platten Fundamente).
Eine viergleisige Brücke über die A2 mit einer Länge von ca. 100m (Ausführung zwischen 2009 und 2014). Der Bauvorgang für die
neue Brücke ist anspruchsvoll, da er direkt neben einer bestehenden Bahnlinie und über eine Autobahn, die nicht unterbrochen werden können, erfolgt.
Eine viergleisige Brücke über den Fluss Morobbia mit einer Länge von ca. 30m (Ausführung  zwischen  2009 und 2012).
Die Verdoppelung der Anzahl Geleise (von 2 auf 4) von der Autobahn A2 bis zum  
Bahnhof Giubiasco(Bild, Nr. 9) auf einer Länge von ca. 1,3  km mit entsprechender Anpassung der Kunstbauten, Straßen  und  Infrastrukturen (Ausführung zwischen 2009 und 2014).
Ein ca. 100m langes Bahntechnikgebäude (Bild, Nr. 4) (Ausführung in 2012).
Eine 400m lange Unterführung der Kantonsstraße (Bild ,Nr. 6) unter dem Grundwasserspiegel (Ausführung zwischen 2009 und 2012).
2 Portalbauwerke (Bild, Nr. 1).
Verbindungsschlaufe  Lugano-Locarno auf Dammschüttung (Bild, Nr. 5).


Knoten Camorino, offene Strecken am Nordportal des Ceneri-Basistunnels; ©AlpTransit Gotthard AG
1) Nordportal Ceneri-Basistunnel; 2) Bahnlinie Bellinzona-Locarno/Luino; 3) viergleisige Brücke über die Autobahn A2; 4 + 5) eingleisige Bahnviadukte; 6) vierspurige Kantonsstraßenunterführung; 7) Bahnlinie in Richtung Locarno


Längenprofil Ceneri-Basistunnel; ©AlpTransit Gotthard AG

Stand der Arbeiten
Camorino
Für die vorgezogenen Endgestaltungsarbeiten ist die Realisierung der Infiltrationsbecken ,,Bulzen" und ,,Cattori" im Gang. Die Arbeiten für die Übergabe des Installationsplatzes und der offene Strecke an die Bahntechnik am 21. Juni 2016 sind am Laufen.

Beim Bahntechnikgebäude Vigana sind die Aushubarbeiten abgeschlossen. Die Realisierung der Bodenplatte ist im Gang.

Sigirino
Vom Zwischenangriff Sigirino aus verlaufen die Rohbau- und Innenausbauarbeiten in Richtung Norden und Süden plangemäss.
Die Sohlarbeiten sind vollständig abgeschlossen, die Gewölbearbeiten inkl. Kickerarbeiten schreiten gut voran.
Die Verkleidungsarbeiten für das Tunnelgewölbe Sarè der Kaverne West werden fertiggestellt.
Im Südwesten wird die Bankettausführung fortgesetzt, während im Nordwesten bereits der erste Abschnitt mit vorfabrizierten Banketträndern realisiert wurde.
Zeitgleich wird die Rohbauausrüstung in den Querschlägen fortgeführt. Eingebaut werden Lüftungssysteme, Türen und Doppelböden.

Vezia
Die Hinterfüllung des Tagbautunnels ist in der Abschlussphase.
An der nördlichen Strecke der Gemeindestrasse über dem Portal, sind die Vorbereitungsarbeiten für die Asphaltdecke in Gang.
Die Fertigstellungsarbeiten der Rettungspiste oberhalb des Bahntechnikgebäudes sind abgeschlossen.
Im Bahntechnikgebäude laufen die Fertigstellungsarbeiten.
Die Arbeiten für die neue Zugangsstrasse zum Unterwerk SBB sind abgeschlossen.
Talseits des Bahntechnikgebäudes laufen plangemäss die Arbeiten für den definitiven Damm (,,Panettone").



Quelle:AlpTransit Gotthard AG ;tunnel-online.

l.g. rellov
Es ist besser, ein Licht zu entzünden, als über die Dunkelheit zu fluchen.

Re: Ceneri-Basistunnel
Antwort #1
Gestern wurde der Ceneri-Basistunnel feierlich eröffnet: https://www.dw.com/de/schweiz-er%C3%B6ffnet-ceneri-basistunnel/a-54821838
  • Zuletzt geändert: September 05, 2020, 20:39:59 von Ragnitztal