Zum Hauptinhalt springen
  • Hallo und herzlich Willkommen im neuen Styria-Mobile-Forum!
    Melde Dich an bzw. registriere Dich um alle Bilder sowie Themen sehen zu können! 

Thema: „Kommod-Haus" (25218-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Benutzer und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Re: „Kommod-Haus"
Antwort #30
Gibt es in Graz nun ein Altstadt-Erhaltungsgesetz - oder nicht?!?

Der einzelne Wohnungsbesitzer wird schikaniert, wenn er nur Dachfenster bzw. Gaupen stilecht einbauen möchte; Andere dagegen, die genug Seilschaften und Netzwerke haben, dürfen ganze Häuser pulverisieren!

Das Mindeste wäre es, der Wegraz vorzuschreiben, zumindest die Straßenfassade originalgetreu wiederzuerrichten, vielleicht mit einem oder zwei Stock mehr. Das wäre ohnehin schon ein Minimalkompromiss, schließlich geht es ja nicht nur um Altstadt-Fassaden, sondern das ganze Innenleben historischer Häuser einer Stadt, die sich immer gebrüstet hat, die "größte zusammenhängende Altstadt des deutschsprachigen Raumes" darzustellen. Im Innenhof sowie mit der Innenraumgestaltung könnte sich die Zaha Hadid dann ja auch austoben und zeigen, was sie bezüglich Funktionalität außer ausgefallener Straßenfassaden-Ornamentik wirklich drauf hat.

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #31

Gibt es in Graz nun ein Altstadt-Erhaltungsgesetz - oder nicht?!?

Der einzelne Wohnungsbesitzer wird schikaniert, wenn er nur Dachfenster bzw. Gaupen stilecht einbauen möchte; Andere dagegen, die genug Seilschaften und Netzwerke haben, dürfen ganze Häuser pulverisieren!

Das Mindeste wäre es, der Wegraz vorzuschreiben, zumindest die Straßenfassade originalgetreu wiederzuerrichten, vielleicht mit einem oder zwei Stock mehr. Das wäre ohnehin schon ein Minimalkompromiss, schließlich geht es ja nicht nur um Altstadt-Fassaden, sondern das ganze Innenleben historischer Häuser einer Stadt, die sich immer gebrüstet hat, die "größte zusammenhängende Altstadt des deutschsprachigen Raumes" darzustellen. Im Innenhof sowie mit der Innenraumgestaltung könnte sich die Zaha Hadid dann ja auch austoben und zeigen, was sie bezüglich Funktionalität außer ausgefallener Straßenfassaden-Ornamentik wirklich drauf hat.


Also bitte, warum sollte man die alte 0815 Fassade nochmal aufbauen? Davon gibts mehr als genug in Graz, das war ja nix besonders schützenswertes. Insbesondere da in der gegend schon genug Bauetn aus den 50ern bis 80ern stehen, da passt auch ein modernes Haus gut rein.

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #32
Ich finde das das wiederaufbauen von Altbauten nicht richtig, ein Altbau sollte "alt" sein - wir sind ja nicht in Las Vegas...
Das wiedererichten von abgeraeumten Fassaden wuerde ich dagegen sehr begruessen da ja die alte Bausubstanz noch da ist.
MMn sind die Strafen fuer den Abriss schuetzenswerter Bausubstanz ein Witz und leider ist das System auch mit dem Virus "Vitamin B" durchsetzt :P
Zitat
Also bitte, warum sollte man die alte 0815 Fassade nochmal aufbauen? Davon gibts mehr als genug in Graz, das war ja nix besonders schützenswertes. Insbesondere da in der gegend schon genug Bauetn aus den 50ern bis 80ern stehen, da passt auch ein modernes Haus gut rein.

Genauso hat man in der Nachkriegszeit auch "argumentiert" als es darum gegangen ist wertvolle Altbauten abzureissen ::)

  • Ch. Wagner
Re: „Kommod-Haus"
Antwort #33

Genauso hat man in der Nachkriegszeit auch "argumentiert" als es darum gegangen ist wertvolle Altbauten abzureissen


In der Nachkriegszeit ist es darum gegangen, neuen Wohnraum nach den Bombenschäden zu bekommen. Und wenn man a bissi durch Graz geht, sieht man, daß genügend Altbauten vorhanden sind, auch aus der Gründerzeit. Aber es möchten halt alle ein Einfamilienhäuserl am Land haben. Und hier hat die Politik versagt, weil in den Aufschwungsjahren jedes Projekt genehmigt wurde, ohne erkennbaren Besiedelungsplan.
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #34

Ich finde das das wiederaufbauen von Altbauten nicht richtig, ein Altbau sollte "alt" sein - wir sind ja nicht in Las Vegas...

Naja wenn nach den beiden Weltkriegen so gedacht hätte, gäbe es in Österreich wohl kaum mehr Altstädte, die ihre Bezeichnung auch verdienen. Auch die Grazer Altstadt wäre wohl kaum UNESCO-Welterbe geworden, wenn man das alles modern wiederaufgebaut hätte...

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #35
Man muss unmittelbare Nachkriegsjahre und spätere Nachkriegsjahre auseinander halten:

Vieles Zerstörte war teilzerstört oder einfach durch Brandbomben ausgeglüht: Dieses wurde durch unendlichen Fleiß geflickt, improvisiert, instandgesetzt. Aus den Schutthäufen wurden brauchbare Ziegel gewonnen, indem der alte Mörtel abgeklopft wurde, diese konnten auf bestehende Restmauern/ Kellermauern aufgemauert werden. Dadurch blieb letztlich sehr viel wertvolle Bausubstanz erhalten. Zum Ärger eines kleinen Teiles der Architekten- und Stadtplanerzunft, die zerstörte Städte sogar gerne planiert hätten und daneben im Bauhaus- oder Le-Corbusier-Stil neu fabriziert hätten. Gott sei Dank war das utopisch.

In den späteren Nachkriegsjahren, als Demontagen, Reparationsleistungen und Beschlagnahmungen zugunsten der Siegerstaaten vom Tisch waren, begann der Wirtschaftsaufschwung: Damit setzte der Autowahn ein. Altes Gemäuer galt spätestens jetzt als rückständig, verwinkelt und natürlich als Verkehrshindernis. Verkehrsschneisen sollten demnach durch die Altstadt geschlagen werden: Parallel zum Abriss der grundsätzlich intakten, schönen alten Erzherzog-Johann-Brücke und deren breitem Neubau wurde die westseitige Häuserreihe der Neutorgasse abgeräumt. Auch die südseitige Häuserzeile der Murgasse sollte noch dran glauben, wurde mir erzählt. "Gibt ja eh viel zu viele Altbauten, es genügt ja, wenn man ein paar Leitbauten stehen lässt"

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #36
Ich habe mich wohl nicht klar genug ausgedrueckt  :)
Ich meine den Wiederaufbau total zerstoerter Haeusser - in Graz ist mein Wissens nach kein einziges total zerstoertes Gebaeude wiederaufgebaut worden...
Vieles haette aber - nicht nur in Graz - gerettet werden koennen z.B die ehemalige malerische "Mehlgrube" ein Haeusserensemble der zwischen Tummelplatz und Bischofsplatz existiert hat. Der verschachtelte Haeuserkomplex wurde - obwohl nur teilzerstoert - sang und klanglos abgerissen um das heutige nuechterne Bankgebaeude zu errichten  :'(

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #37
Der geplante Neubau ist auch gar nix besonderes, oder zumindest nur besonders grauslich!  :frech:
Schade, dass auch dieser Neubau weit weg von "qualitätsvollen Neubauten" sein wird!

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #38
Am liebsten ware es mir es gaebe diesen Thread gar nicht weil das Kommodhaus 2003 behutsam renoviert wurde  ::)
Was die heutige Bauluecke betrifft: Ich finde Zaha Hadid`s original Entwurf von 2004 ist recht gelungen:
http://www.gat.st/sites/default/files/imagecache/Vollbild/public/grabner_kommodhaus_wb_entwurf_stand_20111005.jpg
Der ueberarbeitete Entwurf der jetzt gebaut werden soll schaut so aus und gefaellt mir weniger:
http://www.gat.st/sites/default/files/imagecache/Vollbild/public/grabner_kommodhaus_aktuelles_schaubild_stand_20111005_png.png  
  • Zuletzt geändert: September 09, 2013, 12:40:11 von Martin

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #39
Was für Spottgeburten sich die Leute heute ohne Widerstandsgeist aufs Auge drücken lassen, muss man sich fragen, wenn man die von urbanite dankenswerterweise hereingestellten Entwürfe sieht.


SO dagegen baut man in der Weltstadt BERLIN an sensibler Stelle (in einer Stadt, die im Laufe der jüngeren Geschichte so sehr verletzt wurde wie wahrscheinlich kaum eine andere und in der es kaum etwas gibt, was es nicht gibt):

http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=526551

(=die Kronprinzengärten neben der roten Friedrichswerderschen Kirche)

  • kayjay
Re: „Kommod-Haus"
Antwort #40
Diese Pseudohistorisierung soll besser sein?

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #41
Warum soll man durch das Wort "pseudo" diese Architektur beleidigen oder diskreditieren?

Die neuen Berliner Kronprinzengärten sind wirklich Spitzenklasse neuen urbanen Bauens!


Ganz offensichtlich hat man in der deutschen Hauptstadt genug von sperrigen architektonischen anti-historischen Objekten, mit denen diese Stadt durch Bombenkrieg und anschließenden Mauerbau mehr als "gesegnet", ja von ihnen gezeichnet ist.

Letztlich ist ja die bewusst traditionsverneinende Vermeidung von klassisch schönen Fassaden, Straßenfluchten auch schon langsam historisch, oder?

Ohne Historismen geht's also nicht. Dann ist mir aber der klassische Städtebau als Vorbild zum Weiterentwickeln lieber. Warum sollte man sich von Jahrtausenden der Architektur lossagen und diese Menschheitsentwicklung verneinen bzw. auf den Kopf stellen wollen? Nur weil Loos und andere vor 100 Jahren in einer Zeit überbordender (eklektizistischer) Ornamentik nach einer langen Friedensperiode und damit unzerstörten Städten ebendiese Ornamentik zu "Verbrechen" erklärt haben?
Das ist für mich eben nur eine (Privat-)Meinung eines Teiles der Architektur- und Kunstgestalter. Aber darauf können (oder besser sollten) sich doch keine Architektur-Schulen gründen! Ich kann Loos' (und seiner Schüler im weitesten Sinne) Gedanken im Kontext der damaligen Zeit durchaus nachvollziehen, halte diese Geisteshaltung in der heutigen Zeit aber für überholt.

  • kayjay
Re: „Kommod-Haus"
Antwort #42
Wenn man die Architektur rein als Beschönerung sieht, dann bitte, soll es so sein. Ich hab wohl einen ganz anderen Zugang dazu.

Re: „Kommod-Haus"
Antwort #43
Ich halte einen Mittelweg zwischen Viators und kayjays Ansichten für richtig. Neues sollte schon auf seine Umgebung bezugnehmen und es ist kein Fehler wenn man traditionelle Bauweisen einbindet. Dennoch sollte man nicht vorgaukeln, dass es sich um einen historischen Bau handeln würde. Vorbildlich ist hier etwa die Neue Vorarlberger Bauschule.

  • Ch. Wagner
Re: „Kommod-Haus"
Antwort #44

Die neuen Berliner Kronprinzengärten sind wirklich Spitzenklasse neuen urbanen Bauens.
Ich kann Loos'  Gedanken im Kontext der damaligen Zeit durchaus nachvollziehen, halte diese Geisteshaltung in der heutigen Zeit aber für überholt.


Das ist deine, völlig unmaßgebliche und arrogante Meinung. Du vergleichst hier Bauten für Luxuswohnungen mit Wohnbauten, die für die arbeitende Bevölkerung gebaut wurden. Dazu solltest du dir einmal beispielsweise die Hufeisensiedlung in Berlin anschauen. Oder die Gartenstadt Falkenberg, oder die Schillerparksiedlung oder die Siemensstadt.
Es reichte aber schon, wenn du dich in Graz umsähst: Die Wohnanlage zu Beginn der Neuholdaugasse etwa, die Bachmannkolonie, den Theresienhof. Das bedingt natürlich, daß du versuchst, den Sinn der Bauten zu erfassen.
Ich maße mir keineswegs an, die Gedankenwelt von Loos zu verstehen, seine Bauten haben allerdings Vorbildcharakter, insbesondere die Siedlung Hirschstetten. Anderseits galt damals offensichtlich die bekannte Pädopholie von A. Loos als künstlerische Freiheit, was allerdings auch Ausdruck der Bigotterie der damaligen Gesellschaft ist.
Wenn du also dich vom St. Georg zum Viator gewandelt haben willst, dann solltest du dir auch die gräßliche Einheitsarchitektur der deutschen Innenstädte einmal ansehen. Es wird alles zu einem Einheitsbrei, irgend eine alte Kirche wird stehengelassen und rundherum werden die Einheitspaläste hochgezogen. Allerdings für die Reichen mit unverbaubarer Fernsicht auf die Plattenbausiedlungen. Ein kleiner Aspekt noch: achte einmal darauf, in welchen Vierteln die U-Bahn unterirdisch verläuft und in welchen oben, egal in welcher Stadt. Der einfachen Bevölkerung konnte man die billigere, aber lärmende Hochbauvariante zumuten.

LG! Christian

Was verstehst du übrigens von "Jahrtausenden der Architektur"? Höhlenbauten?
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"