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Thema: Der FEINSTAUB - Thread (92679-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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  • FlipsP
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #255
Grundsätzlich kann man aber schon davon ausgehen, dass neuere Fahrzeuge auch weniger der Umwelt schaden (eben durch immer strengere Abgasnormen).

Wie gesagt, geht es um eine ganzheitliche Betrachung.
Eine verkürzter Lebenszyklus von Autos schadet der Umwelt auch (zwar weniger in den Innenstädten, dafür anderswo), und ist halt ein weiterer Schritt Richtung Wegwerfgesellschaft.
Und wenn man der Bevölkerung suggeriert, dass mit einem Neukauf alles in Ordnung ist, dann geht das auch in die falsche Richtung, vor allem wenn der Trend zu größeren und schwereren Autos mit mehr PS geht.

Im Großen und Ganzen hast du ja recht. Darum habe ich ja auch vorher 4020er zugestimmt bzgl Congestion Charge. Trotzdem kann man aber nicht davon ausgehen, dass alle augemusterten Fahrzeuge verschrottet werden, sondern ein Teil (nicht alle, aber trotzdem) dieser zB in Afrika noch schlimmere Ölkocher ersetzt.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!  ;)

Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #256
Lies noch einmal meinen Beitrag bezüglich Push- und Pullfaktoren oder informiere dich andernorts darüber. Es geht nicht um Schikane, es geht um die Ausführung des Verursacherprinzips. Warum sollen wir Steuergelder in die Hand nehmen, nur weil weniger als die Hälfte(!) der Grazer ein Auto besitzt und damit auf Kosten der anderen die Stadt mit Schadstoffen vollpulvert?
Autoindustrie, Kostenfrage, politische Ansichten hin oder her: Woher kommt dieses Recht und wieso wird es so wehement verteidigt?
Und jetzt denk nochmal in Ruhe über die Zahl nach, rechne alle Kinder raus, dann noch einen gewissen Anteil für die Studenten die kein Auto haben, dann auch noch einen Faktor für Familien die nur ein Auto für zwei Erwachsene verfügen und nicht zwei, etc., dann bleiben nicht viele berufstätige Leute ohne Auto übrig. Bei 472PKW/1000EW hat quasi jeder Grazer im Führerscheinalter ein Auto zur Verfügung.

Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #257
Lies noch einmal meinen Beitrag bezüglich Push- und Pullfaktoren oder informiere dich andernorts darüber. Es geht nicht um Schikane, es geht um die Ausführung des Verursacherprinzips. Warum sollen wir Steuergelder in die Hand nehmen, nur weil weniger als die Hälfte(!) der Grazer ein Auto besitzt und damit auf Kosten der anderen die Stadt mit Schadstoffen vollpulvert?
Autoindustrie, Kostenfrage, politische Ansichten hin oder her: Woher kommt dieses Recht und wieso wird es so wehement verteidigt?
Und jetzt denk nochmal in Ruhe über die Zahl nach, rechne alle Kinder raus, dann noch einen gewissen Anteil für die Studenten die kein Auto haben, dann auch noch einen Faktor für Familien die nur ein Auto für zwei Erwachsene verfügen und nicht zwei, etc., dann bleiben nicht viele berufstätige Leute ohne Auto übrig. Bei 472PKW/1000EW hat quasi jeder Grazer im Führerscheinalter ein Auto zur Verfügung.

Am Land bin ich bei dir, in der Stadt ist das etwas anders (Autobesitz eher rückläufig).

Am Land ist es ja oft zwangsweise, aber es gibt da zumindest in Teilbereichen Verbesserung: https://steiermark.orf.at/news/stories/2946259/

W.
"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
(Carlo Schmid, SPD, 1948)

  • 4020er
  • Styria Mobile Team
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #258
Und jetzt denk nochmal in Ruhe über die Zahl nach, rechne alle Kinder raus, dann noch einen gewissen Anteil für die Studenten die kein Auto haben, dann auch noch einen Faktor für Familien die nur ein Auto für zwei Erwachsene verfügen und nicht zwei, etc., dann bleiben nicht viele berufstätige Leute ohne Auto übrig. Bei 472PKW/1000EW hat quasi jeder Grazer im Führerscheinalter ein Auto zur Verfügung.
Was ändert das an der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Grazer kein Auto hat?
Und hast du auch Antworten auf meine (relevanten) Fragen, vielleicht übersehe ich ja etwas in meiner Denkweise?
A developed country is not a place where the poor have cars. It's where the rich use public transport.
-Gustavo Petro

Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #259
Und jetzt denk nochmal in Ruhe über die Zahl nach, rechne alle Kinder raus, dann noch einen gewissen Anteil für die Studenten die kein Auto haben, dann auch noch einen Faktor für Familien die nur ein Auto für zwei Erwachsene verfügen und nicht zwei, etc., dann bleiben nicht viele berufstätige Leute ohne Auto übrig. Bei 472PKW/1000EW hat quasi jeder Grazer im Führerscheinalter ein Auto zur Verfügung.
Was ändert das an der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Grazer kein Auto hat?
Und hast du auch Antworten auf meine (relevanten) Fragen, vielleicht übersehe ich ja etwas in meiner Denkweise?

Des sinnerfassenden Lesens bist du nicht mächtig. Da steht nämlich deine Antwort.

  • 4020er
  • Styria Mobile Team
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #260
Persönliche Angriffe ändern nichts an meinen offenen Fragen. Nocheinmal zusammengefasst:

-Wie kommt die eine Hälfte dazu (unbeachtet dessen, warum sie kein Auto besitzt) den Dreck anderer einzuatmen?
-Woher kommt dieses Recht, überall mit dem Auto zu fahren?
-Viel wichtiger noch: Worauf beruft es sich?
-Welcher Willen der demokratischen Mehrheit zählt mehr: Den, nicht an den Abgasen zu erkranken oder jener, uneingeschränkt mit dem Auto zu fahren?
-Wieso sollte schon wieder gepullt werden, anstatt zu gepusht?

Ich lasse mich gerne gegen eine Umweltzone umstimmen, wenn alle meine fachlichen Argumente/Fragen sinnvoll beantwortet werden. Ohne sehe ich keinen weiteren Sinn in Diskussion, da eben fundierte Gegenargumente fehlen.
A developed country is not a place where the poor have cars. It's where the rich use public transport.
-Gustavo Petro

  • Torx
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #261
Was ändert das an der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Grazer kein Auto hat?

Es ist aber nicht so, dass nur mit dem Auto fährt, wer eines besitzt.
Die Leute fahren mit dem Auto der Eltern, der Partners usw., und andere wollen geführt und abgeholt werden.

Aber das hat just4fun eigentlich schon gesagt, du willst offenbar die Antworten manchmal nicht hören.

Wer kein Auto hat, ist also nicht gleich dagegen, umgekehrt fahrt so manch gelegentlicher Autofahrer vielleicht sonst auch öfter mit dem Fahrrad.


Zitat
Ich lasse mich gerne gegen eine Umweltzone umstimmen, wenn alle meine fachlichen Argumente/Fragen sinnvoll beantwortet werden.

Mir sind deine Beiträge eher emotional und polemisch vorgekommen, als fachlich, und Antworten wurden auch schon geliefert.

Wenn eine Umweltzone wirklich etwas mit Umwelt zu tun hätte und nicht nur den sozial schwächeren sondern allen etwas abverlangt, dann würde ich die Sache vielleicht anders sehen. Aber die Politik sollte nicht einfach ein Produkt unter falschem Namen verkaufen, nur weil sie zu feig ist sich eine treffsichere Umweltzone auszudenken.

  • Torx
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #262
So, ich habe mal mit jemandem aus der Branche geredet, der sich mit den Normen usw. auskennt. Die ganze Lage ist recht komplex, ich hoffe ein paar wesentliche Punkte wiedergeben zu können.

Vorweg: Auf die Frage ob ein Euro-5 Cayenne wirklich umweltfreundlicher ist als ein Euro-3 Lupo war die Antwort "Natürlich nicht!".

Schauen wir uns mal die bekanntesten Faktoren an:

CO² war vor dem Feinstaub der böse Wert. Ein Benziner produziert keinen Feinstaub, dafür aber ~25% mehr CO² als ein Diesel. Dann gibt es NOx (Stickoxide), sind beim Diesel das Thema, nicht aber beim Beziner.

Und letzendlich, der Grund für die meisten Umweltzonen: der Feinstaub
Der entsteht was den Motor angeht vom Hochdrucksystem neuerer Dieselfahrzeuge.
Wesentlich bei der Vermeidung ist dabei der Partikelfilter, weniger dieverse Kriterien der Euro-Abgasnorm an der man sich bei den Zonen orientiert. Interessant ist auch, dass ganz alte Dieselfahrzeuge (zB mit Euro 1) theoretisch noch gar keinen Feinstaub, sondern Ruß machen.

Folgende Punkte sind interessant:
  • Ein wesentlicher Anteil des Feinstaubs kommt bei einem Auto nicht vom Motor, sondern vom Abrieb der Reifen und Bremsen. Ein größeres und schweres Auto produziert also dort mehr Feinstaub - der Abrieb ist aber kein Bestandteil der Abgasnorm.
  • Bei SUVs wird es für die Hersteller schwer die NOx-Werte einzuhalten, daher produzieren einige nur mehr Benziner. Die haben dann wiederum wesentlich höhere CO² Werte als so manch 20 Jahre altes Auto.
  • Für die Überprüfung und Zulassung nach der Euro-Abgasnorm ist die Behörde im jeweiligen Land verantwortlich. Während deutsche Autohersteller die Behörde beschissen haben, wird in anderen Ländern gar nicht erst so genau geprüft. So manches Auto, das unter der Euro-5-Norm verkauft wird überschreitet die Höchstwerte um ein Vielfaches.
  • Bei Bussen und LKWs werden die Abgaswerte auf die kWh gerechnet. D.h. ein 500 PS Gefährt kann dann gleich umweltfreundlich wie eines mit 100 PS sein.

Man sieht: Die Rechnung neuer = umweltfreundlicher kann man also nicht so leicht machen, vor allem nicht wenn man den Trend zu größeren, schwereren, PS-stärkeren Autos beachtet.

  • FlipsP
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #263
Man sieht: Die Rechnung neuer = umweltfreundlicher kann man also nicht so leicht machen, vor allem nicht wenn man den Trend zu größeren, schwereren, PS-stärkeren Autos beachtet.

Natürlich ist die Rechnung weit komplexer. Auch stimmt es natürlich, dass der Trend hin zu größeren Fahrzeugen geht. Trotzdem ist es aber nicht so, dass man als Beispiel von einem Euro 3 Lupo auf einen Euro 6 Cayenne umsteigt. Als Milchmädchen könnte man sagen man steigt von kleinerem PKW mit alter Technik um auf einen etwas größeren PKW mit moderner Technik. Bleibt also ungefähr gleich bzw so wie es eben derzeit ist steigt es leicht. Als Beispiel aber eben nicht Lupo zu Cayenne, sondern eher Lupo zu Polo oder Macan (Tiguan) zu Cayenne (Tuareg).

Also sehe ich die Umweltzone schon als ersten guten Schritt (so die Grenzwerte eingehalten werden und nicht umgangen werden von den Herstellern!) in die richtige Richtung. Der Weg muss aber weiter gegangen werden, also hin zu Citymaut, autofreie (Innen-)Städte oder Ähnlichem.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!  ;)

  • Torx
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #264
Also sehe ich die Umweltzone schon als ersten guten Schritt

Geplante Obsoleszenz geht meiner Meinung nach klar die falsche Richtung. Besser wäre es Anreize zu setzen, so wie man es damals beim Katalysator geschafft hat. Zusätzlich war der auch nachrüstbar und bringt auch außerhalb der Umweltzonen etwas (vor denen die Luft ohnehin nicht halt macht).


Zitat von: FlipsP
Trotzdem ist es aber nicht so, dass man als Beispiel von einem Euro 3 Lupo auf einen Euro 6 Cayenne umsteigt. Als Milchmädchen könnte man sagen man steigt von kleinerem PKW mit alter Technik um auf einen etwas größeren PKW mit moderner Technik.

Da werden halt wieder die vollkommen falschen Anreize gesetzt. Warum sollte jemand mit einem Lupo zum Tausch genötigt werden, wenn er eh in weiten Bereichen umweltfreundlicher unterwegs ist, als viele Neuzulassungen?
Da muss es auch kein Cayenne sein, es reicht wenn der nur eine Kategorie upgradet, und der Umweltvorteil ist so gut wie dahin - unter zusätzlicher Berücksichtigung des Abriebs und der Erzeugung sowieso.


Hier soll man auch ansetzen, zB einen Zeit-, Dritt- und Viertwagen dem entsprechend hoch besteuern.

Kommt drauf an, wie er das macht. Wenn er sie mit Wechselkennzeichen fährt, dann kann er auf öffentlichem Grund eh nur eine Parkfläche wegnehmen und gleichzeitig Dreck machen können die Autos dann auch nicht.

  • 4020er
  • Styria Mobile Team
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #265
Lieber Torx,

selbstverständlich werde ich emotional, wenn jemand meint mein Recht auf möglichst saubere Luft einschränken möchte. Das ist bei der Debatte über den Nichraucherschutz genau gleich. Die Emotionen beruhen trotzdem auf fundierten Argumenten, die du übrigens nicht wiederlegt hast, sondern immer wieder nur neue Argumente einbringst, die man allerdings schnell wieder entkräften könnte. Dafür stört mich aber die Diskussionskultur zu sehr, da du ja auf meine auch nicht eingehst.
Eines sei nur gesagt: Die Kennzahl Kfz/1000 EW trifft ganz selbstverständlich eine Aussage über die Verfügbarkeit eines Autos. Dazu ein kurzes Gedankenexperiment: In Ort X gibt es 50 Kfz/1000 EW, in Ort Y 950 Kfz/1000 EW. Wo werden jene ohne Kfz schneller eines zur Verfügung haben?
Du kannst von mir aus auch gerne den Modal Split, die Personenkilometer die mit dem Auto zurückgelegt werden oder eben die Kfz/1000 EW hernehmen, aber die Frage bleibt: Wieso müssen die anderen die lokalen Schadstoffe erdulden? Ich kann die Frage selbst leider nicht beantworten, deshalb hoffe ich ja seit drei Beiträgen auf eine Antwort von dir oder einem anderen Gegner der Umweltzone.

Wenn es dir aber um die "Ungerechtigkeit" der Umweltzone geht (wobei du ja selbst geschrieben hast, Verursacher von NOx: Diesel, Verursacher von Feinstaub: Diesel, um CO2 geht es bei einer Umweltzone nicht), dann könnten wir uns doch sicher auf eine Congestion Charge einigen? Wie wär's: Ein fixer Anteil pro Kfz bei  Einfahrt in die Stadt (da wäre dann auch der Reifenabrieb drinnen), plus ein variabler Anteil in Abhängigkeit der Größe und des Schadstoffausstoßes? Da wären wir deiner Argumentation zur Folge beide glücklich damit.
A developed country is not a place where the poor have cars. It's where the rich use public transport.
-Gustavo Petro

Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #266
Und ich prophezeie auch in Österreich in Bälde eine ähnliche Situation. Es kann ja nicht sein, dass es Grenzwerte gibt, die dauernd überschritten werden und nix passiert bzw.  duldend weggeschaut wird.

Bei so manchen anderen Werten werden einfach die Grenzwerte erhöht - das wird hier nicht funktionieren.
Aber man kann ja die Luftgütemessstationen speziell Don Bosco und Petersgasse z.B. auf Messendorfberg und Fürstenstand verlagern.  Das Ganze mit der Seilbahn kombiniert und schwupp hätte schwarzblau 2 Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Feinstaubproblem gelöst und die Seilbahn ist die Lösung.

In Zukunft dürften Versuche Luftgüteprobleme, durch einen anderen Aufstellungsort der (stationären) Messtellen, zu verschleiern auch nicht mehr klappen. Schließlich wird gerade an einer stärkeren satellitengestützen Beobachtung der Luftgüte geforscht. News-Artikel der ZAMG: https://www.zamg.ac.at/cms/de/umwelt/news/nutzung-von-satellitendaten-zur-besseren-ueberwachung-der-luftguete

  • Torx
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #267
selbstverständlich werde ich emotional, wenn jemand meint mein Recht auf möglichst saubere Luft einschränken möchte. Das ist bei der Debatte über den Nichraucherschutz genau gleich.

Da gibt es nur einen wesentlichen Unterschied: Auto = Verkehrsmittel, Rauchen = Suchtmittel. Verkehrsmittel sind bis zu einem gewissen Grad notwendig, Suchtmittel nicht.

Zitat
Wieso müssen die anderen die lokalen Schadstoffe erdulden? Ich kann die Frage selbst leider nicht beantworten, deshalb hoffe ich ja seit drei Beiträgen auf eine Antwort von dir oder einem anderen Gegner der Umweltzone.

Ich habe nicht gesagt, dass mir Schadstoffe egal sind. Aber mir es nicht egal wenn man uns etwas als Umweltzone verkauft, was die Schadstoffe laut vielen Studien nicht oder kaum beeinflusst und dabei gleichzeitig Anreize in die komplett falsche Richtung setzt.

Und die Frage zu den Schadstoffen anderer wurde ja auch schon beantwortet: Das ist eben das demokratische Ergebnis. Leute wollen halt mit dem Auto mobil sein, und nehmen dafür andere Dinge in Kauf. Wenn man ihnen brauchbare Alternativen schafft, dann werden sie die auch annehmen.

Abgesehen von anderen Faktoren, die es noch gibt: Wenn jemand zwar eine moderne Heizung im Haus hat, aber trotzdem zusätzlich sein Holzfeuer im Kamin macht, damit es nett ausschaut, dann ist das ganze eigentlich noch sinnloser als ein Verkehrs- oder Genussmittel. (Ist mir nur gerade eingefallen weil ich so jemanden kenne...).

Zitat
Wie wär's: Ein fixer Anteil pro Kfz bei  Einfahrt in die Stadt (da wäre dann auch der Reifenabrieb drinnen), plus ein variabler Anteil in Abhängigkeit der Größe und des Schadstoffausstoßes? Da wären wir deiner Argumentation zur Folge beide glücklich damit.

Ja, ich würde die Sache anders sehen, wenn es um eine Umweltzone ginge, die auch wirklich der Umwelt zugute kommt, und die Wohlhabende, die sich alle 5 Jahre ein fettes Auto kaufen, genau so trifft. Oder wenn es um Maßnahmen ginge, die den Autoverkehr in der Stadt auch wirklich verringern. Aber hätte die Autoindustrie einiges dagegen.

  • 4020er
  • Styria Mobile Team
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #268
Zitat
Da gibt es nur einen wesentlichen Unterschied: Auto = Verkehrsmittel, Rauchen = Suchtmittel. Verkehrsmittel sind bis zu einem gewissen Grad notwendig, Suchtmittel nicht.
Wie du bereits geschrieben hast: Bis zu einem gewissen Grad. Wenn ich Lebensmittel im zweistelligen Tonnenbereich zu einem Geschäft bringen muss, ist ein LKW natürlich sinnvoll. Wenn ich siedle, ist ein PKW natürlich sinnvoll und sogar notwendig. Wenn ich Fahrgemeinschaften bilde, ist ein PKW sinnvoll. Nicht sinnvoll ist ein PKW, der gut 6-10 m² an Platz verbraucht und eine Tonne wiegt, um einen Menschen von A nach B zu bringen. Vor allem in der Stadt. Und das ist nun einmal der Großteil der Fahrten.
Ein PKW ist außerdem in unseren Breitengraden mehr als ein Verkehrsmittel. Es ist ein Statussymbol (das zum Glück mehr und mehr durch andere Dinge wie Smartphones etc. abgelöst wird), etwas das man gerne hegt und pflegt. Autofahren macht außerdem Spaß (sogar mir). Die große Szene an "Autobastlern" zeigt, dass viele Menschen mehr als ein Verkehrsmittel im Auto sehen.

Zitat
Ich habe nicht gesagt, dass mir Schadstoffe egal sind. Aber mir es nicht egal wenn man uns etwas als Umweltzone verkauft, was die Schadstoffe laut vielen Studien nicht oder kaum beeinflusst und dabei gleichzeitig Anreize in die komplett falsche Richtung setzt.
Naja.
"Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich die Umweltzonen als erfolgreiche Maßnahme für die Luftreinhaltung erweisen, wenn sie groß genug sind und möglichst wenige Ausnahmen zulassen (wie in Berlin und München). Sie senken nicht nur PM10-Konzentration, sondern in einem viel größeren Ausmaß auch die gesundheitlich relevanten Komponenten (wie zum Beispiel Dieselruß), die im PM10 enthalten sind. Folglich kann der Nutzen der Umweltzonen viel besser abgeschätzt werden, wenn neben PM10 weitere Messparameter, wie Ruß (BC) und elementarer Kohlenstoff (EC), gemessen werden."

Zitat
Und die Frage zu den Schadstoffen anderer wurde ja auch schon beantwortet: Das ist eben das demokratische Ergebnis. Leute wollen halt mit dem Auto mobil sein, und nehmen dafür andere Dinge in Kauf. Wenn man ihnen brauchbare Alternativen schafft, dann werden sie die auch annehmen.
Wie bereits geschrieben: Es ist auch das demokratische Ergebnis, dass die Leute nicht früher an Atemwegserkrankungen sterben wollen. Noch nicht geschrieben: Auch wenn ich etwas ganz sehr will, darf ich deswegen keine anderen Leute damit schaden.

Zitat
Abgesehen von anderen Faktoren, die es noch gibt: Wenn jemand zwar eine moderne Heizung im Haus hat, aber trotzdem zusätzlich sein Holzfeuer im Kamin macht, damit es nett ausschaut, dann ist das ganze eigentlich noch sinnloser als ein Verkehrs- oder Genussmittel. (Ist mir nur gerade eingefallen weil ich so jemanden kenne...).
Da bin ich ganz bei dir, entsprechende Maßnahmen dürfen nicht nur im Verkehr gesetzt werden.

A developed country is not a place where the poor have cars. It's where the rich use public transport.
-Gustavo Petro

  • LS64
Re: Der FEINSTAUB - Thread
Antwort #269
Interessante Diskussion hier. Ich wollte mich eigentlich nicht einmischen, aber einen Teil finde fundamental falsch dargestellt:

Und die Frage zu den Schadstoffen anderer wurde ja auch schon beantwortet: Das ist eben das demokratische Ergebnis. Leute wollen halt mit dem Auto mobil sein, und nehmen dafür andere Dinge in Kauf. Wenn man ihnen brauchbare Alternativen schafft, dann werden sie die auch annehmen.

Dies wäre nur das "demokratische Ergebnis" der Bevölkerung auf dem Land, die in die Stadt muss; viele Leute ziehen in die Stadt um keine Wege mit dem Auto zurücklegen zu müssen und das basiert oft auch auf dem Gedanken andere nicht zu belasten. Auch ziehen viele Leute weiter raus, um bessere Luft zu haben - und dieser Teil ist ein bekannter Teufelskreis, der eher auf Opportunismus, als auf Nachhaltigkeit beruht; geschweige denn auf irgendetwas Demokratischem (woher soll das kommen? Persönliche Wahlfreiheit, die hier nicht für jeden gleich existiert, ist nicht gleichbedeutend mit Demokratie).

Zweitens ist die Liebe zur Mobilität eine Liebe zum Freiheitsgefühl, das ich auch kenne. Die aktuelle Liebe zum Auto ist dennoch eine ganz gehörige Portion Statussymbolik und das beweist, dass ein großer Anteil daran sozialisiert ist. Man muss manchmal die Leute auch dazu bringen, umzudenken, und das schließt zur Zeit vor allem den Energieverbrauch (generell) ein (Schule, Bildung, Anreize und das Gegenteil). Die Unterschiede in der Denkweise kann man gut zwischen den Ländern sehen (Beispiele bzgl. Mobilität wären USA<->Österreich<->Japan). "Leute wollen halt mit dem Auto mobil sein" ist noch nicht einmal momentan richtig und hoffentlich in der Zukunft überholt. Das klingt fast dogmatisch und trifft überhaupt nicht auf alle zu. Um ein Beispiel zu nennen: Es beginnt ja, dass die junge Generation Carsharing nutzt und keinen eigenen Wagen mit 18 möchte (natürlich nicht an Orten, wo es kein Carsharing gibt).