Am 28. März 2011 starteten die Arbeiten am größten Baulos der Koralmbahnstrecke.
Die Arbeiten am 20-Kilometer-Hauptabschnitt des Koralmtunnels sind gestartet Bundesministerin Doris Bures, EU-Vertreterin Désirée Oen vom Kabinett des EU-Verkehrskommissars Siim Kallas, die Landeshauptmänner Gerhard Dörfler und Franz Voves, STRABAG-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Haselsteiner und ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern nahmen am Montag eigenhändig die Schaufel in die Hand – gleichsam also mit einem gemeinsamen „Handgriff“ von der EU, Österreich, der Steiermark und Kärnten, sowie der bauausführenden Arbeitsgemeinschaft und den ÖBB wurde heute der 20 Kilometer lange Hauptabschnitt des Koralmtunnels im Rahmen eines großen Festaktes im Leibenfeld bei Deutschlandsberg gestartet. Ein historischer Spatenstich, dem mehr als 500 Gäste – darunter auch weitere wichtige Vertreter der EU sowie der Regionen entlang der Baltisch-Adriatischen Achse – beiwohnten. Die Segnung der Arbeitsstätte nahm der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari im Anschluss höchstpersönlich vor. Die beiden Tunnelröhren werden weitgehend mit Tunnelbohrmaschinen in bis zu 1200 Meter Tiefe Richtung Kärnten vorangetrieben. Der Tunneldurchschlag soll 2017 erfolgen.
Die Festveranstaltung fand am Baugelände Leibenfeld bei Deutschlandsberg statt.
Der Spatenstich fand im Festzelt statt. Hier der Sandhaufen mit den Spaten.
Nach den Ansprachen, die in Form eines Interviews geführt wurden, ergriffen die Politiker und Vorstandsvorsitzenden, sowie der Diözesanbischof die Spaten.
Spatenstich - Links im Bild: STRABAG-Vorsitzender Hans-Peter Haselsteiner
Vorrang für „neue Südbahn“
ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern legte am Montag ein Bekenntnis zur
neuen Südbahn ab: „Die Koralmbahn ist ein wesentlicher Schritt zur neuen Südbahn.
Gemeinsam mit der Pottendorfer Linie und dem Semmeringbasistunnel betrachtet,
bekommen vier Millionen Kunden eine Zugverbindung mit Hochgeschwindigkeit.
Dadurch verringert sich die Reisezeit von Wien nach Klagenfurt von vier Stunden auf
zwei Stunden dreißig Minuten – also ein enormer Zeitgewinn.“ Den wirtschaftlichen
Gewinn der Investitionen unterstrich in Folge Bundesministerin Doris Bures: „Die
Südstrecke ist eine der wichtigsten Verbindungen in Österreich und eine wichtige
europäische Achse. Hier haben wir ein enormes Potenzial sowohl für den
Personenverkehr als auch für den Güterverkehr. Die Koralmbahn mit dem
Koralmtunnel ist ein Herzstück für die neue Südbahn.“
Am Ausbau der Schiene ist natürlich auch die EU interessiert. „Investitionen in
Infrastruktur allgemein verbinden Regionen, und Investitionen in die Schiene im
Besonderen sind angesichts der erzielbaren CO2-Reduktion ja im Sinne unserer
Umwelt“, betonte Désirée Oen, Kabinetsmitglied von EU-Verkehrskommissar Siim
Kallas.
Streckenführung der Koralmbahn
Sowohl der steirische Landeshauptmann Franz Voves als auch der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler nahmen in ihren Statements auf die „verkehrspolitische und wirtschaftliche Verbesserung der Standortqualität“ der beiden Bundesländer Bezug. „Ich freue mich über den Spatenstich zum Schlüsselabschnitt der Koralmbahn. Damit steht endgültig fest, dass dieses für den Wirtschaftsstandort Steiermark, aber auch für die europäische Verkehrsachsen so wichtige Projekt unumstößlich gebaut wird.“ Dörfler: „Mit dem Bau der Koralmbahn wird die Infrastruktur der Zukunft realisiert und der Wirtschafts- und Wohnstandort Kärnten wesentlich aufgewertet." Und Strabag- Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Haselsteiner: „Wir sind ja im Tunnelbau weltweit bei Großprojekten tätig. Es ist erfreulich, dass wir unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet nun auch in Österreich – noch dazu beim größten Tunnelbauauftrag der Republik – einsetzen können.“
Versorgung über 60 Meter tiefen Bauschacht
Die Vortriebe dieses Bauloses KAT 2 werden dabei über einen 60 Meter tiefen, in
Brillenform errichteten Bauschacht und den bestehenden Lüftungsschacht im
Leibenfeld versorgt. Über diesen werden alle Geräte und Einrichtungen angeliefert
und unter Tage in Montagekavernen montiert. Der Vortrieb erfolgt nach modernstem
Standard hauptsächlich durch kristallines Festgestein wie Glimmerschiefer, Gneise
und Marmore. Ein Großteil des herausgebrochenen Materials wird dabei entweder für den Tunnelbau selbst beziehungsweise als Schüttmaterial entlang der Strecke wieder verwendet. Mit der Realisierung dieses Bauloses sind baustellenseitig etwa 500 hochqualifizierte Fachkräfte beschäftigt.
Die bisherigen Meilensteine bei der Koralmbahn in der Steiermark:
Der Bau des Koralmtunnels
Der Rohbau des Haupttunnels erfolgt in drei Hauptbaulosen:
Der insgesamt 32,9 Kilometer lange Tunnel durchquert das Gebirgsmassiv der Koralm mit einer maximalen Überdeckung von etwa 1200 Metern. Die beiden Tunnelröhren verlaufen in einem Achsabstand von ca. 40 Metern und sind alle 500 Meter durch so genannte Querschläge miteinander verbunden. In diesen Querschlägen sind bahntechnische Einrichtungen enthalten, sie dienen im Gefahrenfall aber auch als Fluchtwege in die jeweils andere Röhre. In der Tunnelmitte wird sich eine Nothaltestelle befinden.
Die Koralmbahn im Überblick
Mit der Koralmbahn als Teil der Neuen Südbahn und der Baltisch-Adriatischen Achse
entsteht eine neue 130 Kilometer lange, zweigleisige Hochleistungstrecke zwischen
Graz und Klagenfurt. Reisezüge werden künftig deutlich unter einer Stunde Reisezeit
benötigen, aktuell dauert die Fahrt drei Stunden. Das Herzstück der in sieben
Abschnitte unterteilten Koralmbahn bildet der 32,9 Kilometer lange Koralmtunnel. Die
Gesamtkosten der 130 km langen Koralmbahn belaufen sich auf etwa 5,3 Milliarden
Euro. Rund 80 km der Koralmbahn sind in Bau bzw. in Teilen fertig gestellt. Darüber
hinaus wurden seit 2001 zehn Bahnhöfe und Haltestellen, 101 Eisenbahnbrücken
bzw. Straßenunter- /Überführungen umgebaut bzw. neu errichtet und insgesamt
34,7km Tunnel vorangetrieben bzw. sind in Bau.
Die Baltisch-Adriatische Achse im Überblick
Die Koralmbahn ist Teil der Baltisch-Adriatischen Achse, die von Danzig über
Warschau und Wien/Bratislava nach Triest, Venedig und Bologna führt und somit die
Ostsee mit dem Mittelmeer verbindet. Wesentlicher Teil dieser Verkehrsachse ist die
neue Südbahn mit den vier zentralen Großprojekten Hauptbahnhof Graz und Wien,
Semmeringbasistunnel neu und der Koralmbahn. Die Verkehrsachse verbindet über
einen Weg von 1700 Kilometern die Ostsee- und Mittelmeerhäfen, wodurch eine sinnvolle Verknüpfung von Wasser und Schienen ermöglicht wird. In den Regionen entlang der Baltisch-Adriatischen-Achse leben etwa 40 Millionen Menschen.
Keine Rolle beim Spatenstich für das Herzstück des Koralmtunnels spielte die Anschlussbahn Leibenfeld.
Etwaige Bahnreisende wurden mit dem Bus von und zum Bahnhof Deutschlandsberg gebracht.