Home HGL Type 600er

 

Type 600er

608 als Linie 7 in der Endstation St.Leonhard

Foto: Martin Wolf, 14.03.1999

603 als Linie 6 an der Ausfahrt Hauptbahnhof

Foto: Michael Pfundner, April 2008

Weitere Bilder finden sie hier.

Durch die Außerdienststellung von Zweiachsern Ende der 70er, benötigte man neue Fahrzeuge, um den Straßenbahnbetrieb aufrecht zu erhalten. Nachdem bereits 1978/79 10 Wagen der EGTW 500 geliefert wurden, konnte man Anfang der 80er aufgrund der finanziellen Lage keine weiteren Neuwagen beschaffen. Es war geplant, mindestens 30 500er anzuschaffen, stattdessen wurden 21 Fahrzeuge von der in Einstellung befindlichen Wuppertaler Straßenbahn gekauft (Übergangslösung). Erst im Jahre 1984 wurden dann bei SGP (Simmering-Graz-Pauker AG heute Siemens) 12 Wagen der Type EGTW 600 bestellt (601-612), welche Anfangs aber nur als 6Achser unterwegs waren. Diese wurden ab dem Spätsommer 1986 ausgeliefert.

Das äußere Erscheinungsbild ähnelt dem deutschen Stadtbahnwagen M/N (M für Meterspur, N für Normalspur).
Die Fenster wurden wie schon bei der Reihe 500 nach oben hin vergrößert. Dadurch ist der Fahrgastraum heller. Hinter der schräg angestellten Front,  befanden sich die Brosebandkästen für die Zielanzeige, die allerdings (im Vergleich zu den elektrisch verstellbaren Brosebändern der Serie 500) nur mehr mechanisch zum Verstellen waren.

Zur Erleichterung des Einsteigens, wurden wie schon bei der Reihe 500, ausfahrbare Schwenkstufen eingebaut. Insgesamt gibt es 4 Doppelfalttüren, welche mittels Druckknöpfen geöffnet werden können. Die Wagen hatten ursprünglich 27 Sitz- und 90 Stehplätze und boten eine Gesamtkapazität von 117 Plätzen.

Länge: 19,454 m, in
Leergewicht: 26,072 t.
Vollbesetzt: 34,26 t.

Weitere technische Daten finden sie hier.


Der wagenbauliche Teil wurde von Simmering-Graz-Pauker Graz (in Lizenz nach Konstruktion DÜWAG) gebaut. Die elektrische Ausführung wurde von Siemens Österreich geliefert. Das 1. und das 3. Drehgestell waren angetrieben, das mittlere war ein reines Laufdrehgestell. Beide Fahrmotoren (WD785) verfügen über eine Leistung von je 150kW bei 600V Gleichstrom.

Die Spannung der Motoren wird durch eine Thyristor-Gleichstromsteller-Steuerung stufenlos und verlustarm geregelt. Die Stromabnahme erfolgt durch einen Halbscherenstromabnehmer Bauart Siemens 8WL0264-0YG10. Als Neuerung bei der Grazer Straßenbahn wurden damals erstmals GTO-Thyristoren verwendet, die erst ab Mitte der 80er für den Einsatz im Ankerkreis von Bahnmotoren verwendet werden.

Wie damals üblich, wurde auch die Reihe 600 mit Pedalsteuerung (Fahr-, Brems- und Totmannpedal) geliefert. Für ein neues Fahrgefühl sorgte ein neuartiges Mikroprozessor-Wagensteuergerät von Siemens AG Österreich. Der Vorteil dieses Gerätes liegt im Fehlererfassungssystem, wobei der Rechner die definierten Größen überwacht. Ein zusätzlicher Speicher erfasste die fahrtechnische Auswertung der letzten gefahren 4000m.

Folgende Daten werden erfasst:

  • Geschwindigkeit
  • Motorstrom A- und B-Wagen
  • Fahrtrichtungsanzeigen
  • Brems-, Totmann- und Notbremsbefehl
  • Sandung
  • Fahrbefehl und Ansteuerung der Haltebremse

Diese Daten konnten durch Betätigen eines Tasters (Datenspeichersperre) in der Elektronik gespeichert und später in der Werkstätte abgefragt werden. Mit dem Einbau der Niederflurmittelteile im Jahre 1999 wurden diese Geräte jedoch durch einen Fahrdatenspeicher ersetzt.

Drei voneinander unabhängige Bremssysteme gewährleisten die optimale Bremswirkung: Die Magnetschienenbremse, die Federspeicherbremse und die primäre generatorische Bremse. Diese setzt beim Bremsvorgang ca. 20 - 25% Energie frei, welche ins Netz zurückgespeist wird. Die nicht vom Netz aufgenommene Energie wird in Wärme umgewandelt.

Auf den Schallschutz wurde großen Wert gelegt. Um die Lärmbelästigung innen als auch außen so gering wie möglich zu halten, wurden Fußboden, Fahrgestelle und Verkleidungen mit schallschluckenden Materialien ausgelegt.
Um Zugluft zu vermeiden, sind nur auf der türlosen Seite am oberen Rand Fensterklappen zum Öffnen der Fenster eingebaut.

In der Nacht vom 17. auf 18.09.1986 wurde der erste EGTW 601 vom SGP Werk an die GVB übergeben. 602 folgte am 13.10.1986. In einer umfangreichen Eprobungs- und Testphase erfolgten dann Probefahrten in den Remisen und im Netz. Nach den Bremsprobefahrten und behördlichen Genehmigungen, wurden EGTW 601 und 602 am 13.12.1986 der Presse und der Öffentlichkeit am Hauptbahnhof vorgestellt. Nach der Vorstellung wurde EGTW 601 auf der Linie 6 (Hauptbahnhof - St.Peter) eingesetzt.

Einsatzgebiete: Anfang 1987 wurden die EGTW auf der Linie 6 eingesetzt. Danach bis März 1987 auch auf der Straßenbahnlinie 3 (Hauptbahnhof - Krenngasse). Nach der Einschulung weiterer FahrerInnen wurden die EGTW auf dem gesamten Streckennetz eingesetzt. An Wochenenden sogar auf der Straßenbahnlinie 7. Mit Einführung der  Abendlinie 14, ab 14.9.1987 bekamen die EGTW der Reihe 600 auf der Linie 3 ihr neues Haupteinsatzgebiet, da 3 Wagen abends am Hauptbahnhof zur Linie 14 wechselten.


Wagen Nr. Lieferdatum Freigeben Im Verkehr seit
601

17.09.86

22.11.86

03.12.86

602

13.10.86

27.01.87

27.01.87

603

06.11.86

27.01.87

06.02.87

604

11.12.86

20.02.87

28.02.87

605

23.01.87

10.03.87

27.03.87

606

23.02.87

29.04.87

30.04.87

607

20.03.87

29.04.87

01.05.87

608

06.04.87

22.05.87

26.05.87

609

08.05.87

07.08.87

10.08.87

610

25.05.87

02.09.87

12.09.87

611

26.06.87

15.10.87

16.10.87

612

21.08.87

23.10.87

29.10.87

Quelle: 100 Jahre elektrische Straßenbahnen in Graz