An die Adria ohne Adria (2/4)

Begonnen von 5047er, Heute um 13:49

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5047er

Wir waren am kroatischen Grenzbahnhof Beli Manastir angekommen und hatten nun 55 Minuten Umsteigezeit. 
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Die Motivation, in dieser Zeit die vermutlich wenig sehenswerte Kleinstadt an einem Feiertag zu erkunden war relativ gering. 
Immerhin den Busbahnhof und den Bahnhof selbst schauten wir uns an. Menschen sind wir dabei nicht begengnet. Einigen Bussen diverser Hersteller schon. 
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Immerhin hatte der Warteraum samt WC-Anlagen geöffnet. Auch einen funktionierenden Kaffeeautomaten gab es. Pünktlich trudelte der 7121 111 aus Osijek ein und sollte uns kurz darauf als Pu 6207 auch dorthin bringen. 
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Kurz vor der Abfahrt auch fanden sich dann sogar noch ein paar weitere Fahrgäste ein. 
Nach einer halben Stunde Fahrt kündigte sich mit dem überqueren der Drau bereits Osijek an. Osijek ist Hauptstadt der Gespannschaft Osiječko-baranjska županija, viertgrößte Stadt in Kroatien und neben Zagreb die einzige Stadt mit einem Straßenbahnbetrieb.

Um nicht den ganzen Tag mit zwei großen Koffern und einem Strandzelt durch die Stadt zu laufen, folgten wir dem Wegweiser zur Gepäckaufbewahrung. Der Raum war aber verschlossen und leer. Daher fragte ich am geöffneten Fahrkarteschalter nach, ob es möglich wäre das Gepäck anzugeben und am Abend wieder zu bekommen. Der Herr am Schalter war zwar freundlich, sagte aber dass er das nicht machen würde. 
Ich schaute deshalb kurz zum nahegelegenen Busbahnhof, ob es dort vielleicht Gepäckschließfächer gäbe. Dort war zwar mehr los als am Bahnhof und es gab einen trotz Feiertag geöffneten kleinen Supermarkt, allerdings auch keine Gepäckaufbewahrung. 

Wieder draußen, wartete ich noch kurz auf die nächste Straßenbahn der Linie 2, die kurz darauf kommen sollte. Der T3PV.O 0713 mit bunter Vollwerbung für den Zoo war auf der Schleifenfahrt in Richtung Stadtzentrum. 
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Wieder zurück am Bahnhofsvorplatz fanden wir uns damit ab, den Tag mit dem ganzen Gepäck zu verbringen. Als wir gerade aufbrechen wollten, kam der Fahrkartenverkäufer vom Schalter auf uns zu. Er habe mit dem Kollegen telefoniert, der die Nachmittagsschicht übernimmt. Wir können das Gepäck da lassen, der Kollege würde sich vielleicht über ein kleines Trinkgeld freuen. Im wahrsten Sinn des Wortes waren wir erleichtert.

An der Straßenbahnhaltestelle waren für kroatien keinesfalls selbstverständliche Dinge vorzufinden: Ein Wartehäuschen mit Fahrplanaushang. Und sogar noch mit Taktfahrplan.
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Man scheint mit den GPP Osijek einen ernstzunehmenden  Verkehrsbetrieb zu haben, was sich auch in einem für eine kleinere Stadt durchaus guten Angebot zeigt: Zwei meterspurige Straßenbahnlinien, die beide in den letzen beiden Jahrzehnten verlängert wurden. Die Hauptlinie 1, die die Stadt von West nach Ost durchquert fährt dabei von früh bis spät in einem dichten Takt. Die Linie 2, die im westentlichen erst 2009 eröffnet wurde, erschließt überwiegend eingleisig den Stadtteil Novi Grad sowie stadteinwärts auch den Bahnhof. Die restlichen Stadtteile werden von einigen Buslinien erschlossen.

Die Straßenbahn sollte als Verkehrsmittel nicht ungenutzt bleiben, so ging es ins Stadtzentrum. Die Einzelfahrt war für kroatische Verhältnisse mit € 1,46 pro Person gar nicht einmal so billig. Fahrkarten bekommt man beim Fahrer, als Fahrkarte bekommt man eine Art Kassenbon. Im Wagen war anstatt Durchsagen über die Beschallungsanlage Musik aus dem Radio zu hören. Da kommt man in Urlaubsstimmung. Trotzdem bin ich froh, zuhause nicht Radio in der Straßenbahn hören zu müssen. 
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Viel zu schnell war die Endstation am Trg Ante Starčevića, der mitten im Stadtzentrum liegt erreicht. 

Neben der Linie 2 endete zu diesem Zeitpunkt auch baustellenbedingt die Linie 1 von Zeleno Polje kommend am Trg Ante Starčevića . Der Abschnitt nach Višnjevac wurde hingegen im Schienernersatzverkehr geführt. Der erst wenige Monate zuvor ausgelieferte Končar TMK2500 mit der Wagennummer 2503 zeigt sich hier auf der normalerweise nicht im Linienverkehr bedienten Gleisverbindung. 
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Mittlerweile ist Stand 2026 die erste von zwei Serien zu je 10 Stück vollständig ausgeliefert, voraussichtlich 2027 folgt dann die zweite - die dann die Tatras vollständig ersetzen dürfte. 

Auch der Nachwuchsfotograf dokomentierte die Szenerie, wenn auch aus etwa anderer Perspektive. 
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Nachdem die Wende über das Gleisdreieck am Platz abgeschlossen war, fuhr der Wagen nach der Ausgleichszeit zur Abfahrtshaltestelle vor.  
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Dort gelang noch ein Foto, nachdem der Wagen ein paar Fahrgäste aufgesammelt hatte. 
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Auch am Folgekurs zeigte sich mit 2501 einer der neuen. Diesmal wählte ich bei der Wendefahrt einen anderen Blickwinkel mit dem Turm der neugotischen Konkatedrala Sv. Petra i Pavla (St.Peter und Paul Kirche) im Hintergrund. 
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 Am letzten ausständigen Kurs der Linie 2 wurde zeigte sich noch ein T3 im Originallack, somit wurde die Linie durchgehend hochflurig bedient. Es war T3PV.O 0602, den ich in der Županijska ulica beim Erreichen der gleichnamigen Haltestelle fotografieren konnte. 
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Einen kurzer Sprint später gelang noch ein Foto, im Hintergrund war inzwischen auf der Linie 1 ebenfalls ein T3 im Originallack angekommen und war gerade beim Wenden über das Gleisdreieck beschäftigt.
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Vom T3PV.O 0607 der Linie 1 gab es noch ein Foto am Trg Ante Starčevića. 
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Der letzte ausständige Kurs der Linie 1 wurde noch abgewartet, es zeigte sich T3PV.O 0608.
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Danach war es Zeit fürs Mittagessen. Nach einer köstlichen neapolitanschen Pizza ging es für mich noch einmal für ein paar Fotos hinaus, während sich die Mitreisenden im schattigen Gastgarten in der Nähe der leider am Feiertag geschlossenen Markthalle (Tržnica) blieben. 

In der Kapucinska ulica wurde der 0602 auf der Linie 2 erwartet. 
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Am Trg Ante Starčevića hielt der Wagen im Anschluss seine Ausgleichszeit ab. 
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Auch in der Županijska ulica gelang noch ein Foto. 
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Wenige Minuten danach ist auch 2503 als Linie 1 aus Zeleno Polje angekommen und ist hier bei der Wendefahrt zu sehen. 
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Es ging wieder zurück zu den anderen, die sich in der Zwischenzeit ein Eis gegönnt hatten. Den Nachmittag wollten wir bei einem Spaziergang der Drau entlang ausklingen lassen.
Unterwegs ergab sich noch ein paar Fotos. 0602 bei der nächsten Runde in der Kapucinska. 
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2501 an der Haltestelle Sakuntala Park.
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Die Europska avenija ist in diesem Abschnitt mit einigen Jugendstilbauten gesäumt. Als nächster Kurs der Linie 1 zeigte sich der 0607. 
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Ein Blick auf die Fußgängerbrücke Most mladosti (Brücke der Jugend). 
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Die Innenstadt von der Fußgängerbrücke aus gesehen. 
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An sich hätte man sich auch noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit anschauen können, z.B.: die Festungsanlage. Aber das wäre auch zeitlich etwas eng geworden, deshalb schlenderten wir wieder in Richtung Bahnhof. Dort sollte schon bald der Zug auf uns warten, auf den sich (nicht nur) die Kinder schon wochenlang gefreut haben.

Unterwegs kommt man an weiteren Jugendstilgebäuden vorbei, wie etwa dem Kino Urania. 
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Beim überqueren der Europska avenija war gerade der 0607 noch einmal im anrollen.
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Stellenweise findet man noch Spuren aus dem Jugoslawienkrieg. Osijek wurde dabei während des Kroatienkriegs in den Jahren 1991 und 1992 besonders hart getroffen, als die jugoslawische Volksarmee versuchte die Stadt zu erobern. 
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Neben restaurierten Altbauten findet man auch einige, die noch auf eine Auffrischung warten.
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Nun ging es aber wirklich zum Bahnhof, wo das Gepäck und vielleicht auch schon ein Zug auf uns warten sollte.