Nachdem mir der gestrige Morgenspaziergang so gut gefallen hat läutet auch heute der Wecker ungewohnt früh. Auch in Rom ist am Sonntag in der Früh nix los, nur gelegentlich knattert eine Vespa über die Straßen und hier und da sind Frühaufsteher zu sehen, die das schöne Wetter für einen Morgenlauf nutzen. Mich zieht es zum Hauptbahnhof Roma Termini, genauer gesagt zum etwas seitlich abseits gelegenen Bahnhof Termini Laziali, wo die Vorortbahn nach Centocelle abfährt. Während die Schmalspurbahn einst bis weit vor die Tore der Stadt führte bleibt nach dem Bau der Metro C, die ab Giardinetti die Trasse der Bahn nutzt nur mehr das kurze Stück bis Centocelle. Es gibt aktuell Pläne, die Linie umzuspuren und über Termini hinaus ins Zentrum der Stadt zu verlängern. Höchste Zeit also für einen möglicherweise letzten Besuch bevor die betagten Garnituren, die teilweise bereits seit hundert Jahren dort im Einsatz sind, verschwinden.
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Vespas in allen Farben und Formen gehören zum Inventar der Stadt.
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Zum Zeitpunkt meines Besuchs gab es leider auch hier, bei der Blockschleife der Linie 5 und 14 bei Termini, keinen Verkehr.
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Blick die Via Napoleone Terzo hinunter ohne Tram.
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Während die stadteinwärtige Haltestelle nach der Straße "Napoleone III" bezeichnet wird, heißt die Haltestelle der Gegenrichtung "Farini" - nur konsequent, weil auf der Kreuzung auch der Straßenname wechselt...
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Annäherung an Roma Termini.
Ums Eck von Roma Termini kümmere ich mich einmal um ein kleines Frühstück, danach treibe ich mich ein wenig in den öffentlichen zugänglichen Bereichen herum - auf die Bahnsteige kommt man offiziell ja nur mit einem gültigen Ticket. Anschließend mache ich mich auf den Weg den gefühlt ewig langen Südflügel entlang bis ich zum Bahnhof Termini Laziali gelange. Ich entscheide mich vorest gegen eine Mitfahrt, sondern spaziere weiter neben der großteils auf eigener Trasse verlaufender Strecke in Richtung Porta Maggiore, in der Hoffnung, dass einige Altfahrzeuge auch am Sonntag Auslauf bekommen.
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Die monumentalen Seitenflügel sind eindrucksvolles Denkmal des Rationalismus während der faschistischen Diktatur in Italien.
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Auf der Nordseite blinzelt die Sonne schon herein.
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Zu den hier angeführten Bahnsteigen 1 und 2 Ost ist noch ein längerer Fußweg zurückzulegen.
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Langsam füllt sich auch die Bahnhofshalle mit Leben.
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Der Südflügel wurde in den letzten Jahren renoviert und auch Innen umgestaltet.
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Kein Vergleich zu einem langweiligen Bahnhof wie zB Wien Hauptbahnhof.
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Hier findet man nun Geschäfte, Schalter, Gepäckaufbewahrung und den unvermeidlichen Food Court.
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Über eine kleine Geländestufe erreicht man dann den Bahnhofsteil Laziali.
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Hier sonnt sich gerade die Garnitur 832 von Firema aus dem Jahre 1999. Von diesen Zügen gibt es auch dreiteilige Varianten.
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Aber eigentlich bin ich ja für diese Garnituren da: 425 (das ist der Triebwagen in der Mitte) mit den Beiwagen 066 und 069, jeweils mittlerweile in ihrer Basis über 100 Jahre alt, erreichen den Bahnhof.
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Einer der zwei großen Wassertürme neben dem ehemaligen Stellwerk.
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Das bahnhofseigene Kraftwerk schließt nach einem guten Kilometer den südlichen Bahnhofsflügel ab. Im Hintergrund der Tempel der Minerva Medica aus der Antike.
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Die nur zweiteilige Garnitur 110 mit Motorwagen 110 und Beiwagen 109 aus den 1940er Jahren an der Station Santa Bibiana.
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Etwas später macht sich die Garnitur 425 auf den Weg nach Centocelle.
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Garnitur 834 hat gerade den zentralen Umsteigeknoten Porta Maggiore verlassen und ist in der Via Giovanni Giolitti unterwegs nach Termini Laziali.
Der Platz rund um die Porta Maggiore ist eigentlich der größte Umsteigeknoten im Straßenbahnnetz Roms, hier treffen die Linien 3, 5, 14 und 19 sowie eben die Vorortbahn nach Centocelle aufeinander. Kulisse dafür ist die alte Aurelianische Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert, in welche die schon längere als Teil eines Aquädukts bestehende Porta Maggiore nun als Stadttor integriert wurde. Hier sind nun auch tatsächlich auch einzelne Bahnen im Betrieb zu erleben, nachdem das ja gestern und vorhin am Termini nicht der Fall war. Leider sind keine der alten 7000er aus dem 50ern unterwegs sondern nur die mittelmäßig hübschen 9100 und 9200 aus den späten 90ern.
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Garnitur 110 kehrt zurück, für die Lokalbahn wurden zusätzliche Bögen in der alten Stadtmauer geschaffen.
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Hier befindet sich auch der Haltestellenbereich.
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Aus der anderen Richtung kommend hat Triebwagen 835 gerade die Piazzale Labicano auf der Südseite des Platzes erreicht, nachdem die Strecke die Gleise der alten Hauptstrecke von Neapel unterquert hat.
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Alt und nicht ganz so alt treffen sich an der Porta Maggiore.
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Früher Aquädukt, dann Stadttor, jetzt Sehenswürdigkeit - die Porta Maggiore.
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Auch für die Straßenbahn und den Autoverkehr wurden mehrere Torbögen in der Stadtmauer ergänzt.
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Wagen 9224 fährt als kombinierte Linie 3/19 in Richtung Valle Giulia.
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Der Fahrer des hinteren Wagens möchte in die Haltestelle einfahren, der Fahrer von Wagen 9119 hat das aber noch nicht bemerkt. Die Infrastruktur dieses Knotens ist leider nicht sehr gut ausgebaut, sodass die Betriebsführung leicht chaotisch anmutet.
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Alles hat sich geklärt, 9119 ist nun auch als Linie 3_19 nach Valle Giulia unterwegs...
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...und verlässt den Platz nach zweimaligem Durchfahren der Aurelianischen Mauer.
Anschließend wird mich mein Spaziergang zurück in die Stadt führen bevor es dann noch einmal zur Lokalbahn nach Centocelle gehen wird. Das dann alles im nächsten Teil.
Danke für die Bilder.
Gleichzeitig ist es auch eine Erinnerung daran, wie bedauerlich es ist, dass der Nightjet nicht mehr im Bahnhof Roma Termini endet. Gerade Kopfbahnhöfe vermitteln mir immer dieses schöne Gefühl des wirklichen Ankommens. Außerdem schätze ich die schlichte Sachlichkeit seiner Architektur.
Tiburtina ist ein ebenso gewaltiger Bahnhof und Umsteigeknoten. Und Termini konnte wohl den gestiegenen Bahnverkehr nicht mehr alleine schaffen.
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Herrlich!
Die Ablöse der Altwagen rückt zumindest bei der Straßenbahn auch näher, der erste neue ist schon da.
https://www.ferrovie.info/tram/roma-arrivato-il-primo-dei-nuovi-tram-caf-urbos-investimento-da-457-milioni.html