Styria-Mobile Forum

Foto & Video => Qualitätsbilder => Thema gestartet von: 5047er am 17 04, 2026, 11:41

Titel: An die Adria ohne Adria (1/4)
Beitrag von: 5047er am 17 04, 2026, 11:41
Im August 2025 sollte der Sommerurlaub an der kroatischen Adriaküste verbracht werden. Die Wunschdestination war klar, eine Unterkunft wurde gebucht und die An- und Abreise anschließend drum herum gebastelt. Die Reisetage wurden dabei so gestaltet, dass die Fahrt auch für die beiden mitreisenden Kinder und der nicht ganz bahnbegeisterten Frau möglichst angenehm ist. Nach der ursprünglichen Planung sollte dabei auch der Nachtzug "Adria" - der steht schon länger auf meiner Wunschliste, für die Anreise gewählt werden. Eine für mich unerwartete Änderung der Verkehrstage in der Saison 2025 führte dann aber dazu, dass daraus doch nichts wurde. Dennoch sollte die Reise spannend werden.
Viel Spaß beim "mitkommen"!

Dienstag, 12. August.

Auf der steirischen Ostbahn war zwischen Graz und Gleisdorf SEV. Nachdem wir darauf nicht besonders viel Lust hatten und sich eine spontane Mitfahrgelegenheit auftat, wurde der Weg bis Gleisdorf mit dem Auto bewältigt. Ein 5022er stand als S3 4708 in Richtung Szentgotthárd bereit und brachte uns bis zum Zugendbahnhof.

Mit dem Sz 9175, der bis Sopron fährt ging es nach Szombathely. Der Zug bestand aus einer GYSEV V43, einem ehemaligen CityShuttle-Steuerwagen sowie einem Großraumwagen der Raaberbahn. Seit der Übernahme mehrerer MÁV-Strecken kommt diese Garnitur hier planmäßig zum Einsatz.

Die Umsteigezeit in Szombathely wurde für eine Jause sowie einem Besuch im GYSEV-Reisezentrum genutzt, wo sich die Kinder über das eine oder andere Souvenir freuten. Zum Tagesziel war es dann nicht mehr weit. Ein Flirt brauchte uns als Sz 9045 nach Sárvár, wo dann nur noch einen Fußweg mit reichlich Gepäck zum gebuchten Appartment im Zentrum nahe vom Schloss Nádasdy anzutreten war.

Am Nachmittag gab es neben einem Spaziergang durch den Schlosspark noch eine Fahrt mit einem selbstgesteuerten Elektroboot am See csónakázó-tó.
001.jpg

Mittwoch, 13. August.

Am Vormitag besuchten wir das  Sárvári arborétum. Von außen ist das Gelände unscheinbar, aber die vielen verschiedenen Pflanzen und Bäume aus aller Welt machen den Park sehenswert. Das Arborétum wird vom Fluss Gyöngyös (Güns) durchquert, die im Burgenland entspringt.
002.jpg

Anschließend wurde noch das um 1560 errichtete Schloss Nádasdy besucht, um das sich viele Erzählungen ranken.
003.jpg

Am Nachmittag ging es noch in die Therme Sárvárfürdő, die sich besonders im Sommer großer Beliebtheit erfreut. Grund dafür ist unter anderem der große Außenbereich sowie die vielen und zum Teil recht spektakulären Wasserrutschen.

Donnerstag,  14. August.

Es stand ein recht langer Reisetag bevor, deshalb wurde gleich nach dem Aufstehen noch ausreichend Proviant besorgt. Der Weg zum Einkaufen führte direkt durch den Schlosspark.
004.jpg

Vom Vorgarten des Appartments durften auch ein paar herrlich reife Zwetschken mit in die Jausendose wandern, ehe es zum Bahnhof ging.

Wir waren recht früh dran und so erwischten wir problemlos den Sebensvonat 19607 "Tanúhegy" nach Keszthely. Bespannt war der Zug mit 628 310. Auch eine ÖBB 1116, die mit einem Güterzug auf die Weiterfahrt wartete war am Bahnhof anzutreffen.
005.jpg

Als der Zug zum stehen kam, stieg der Zugbegleiter aus und fragte wo wir hin möchten. Nachdem wir den Zielbahnhof nannten, aber zu verstehen gaben dass wir der Sprache nicht wirklich mächtig waren kam gleich die Frage: Deutsch? Im hinteren Zugteil wäre viel los - Wir sollen zum ersten Wagen vorgehen, dort wäre wenig los, der Zug würde natürlich warten bis wir eingestiegen sind. Das war ein netter Service. Im schwach besetzten y-Wagen quartieren wir uns für die nächsten zwei Stunden ein und auch der freundliche Zugbegleiter kam bald vorbei. Es ergab sich ein nettes Gespräch über das verreisen mit der Eisenbahn, den Balaton oder auch die Koralmbahn.

In Tapolca hatte der Zug einige Minuten Aufenthalt, der für für ein Foto reichen sollte. So zeigte sich neben unserem Zug die ME 1517 mit dem bereitgestellten IC 19705 "Kék Hullám " nach Budapest-Déli.
006.jpg

117 289 startete derweil mit dem Sz 19775 in Richtung Balatonfüred. Einen Bzmot in HÉV-Lackierung hatte ich bis dahin auch noch nicht gesehen.
007.jpg

Nachdem es weiter ging, war schon bald der Balaton in Sichtweite und die Kinder fragten: "Ist das schon das Meer?" "Nein, aber der Balaton ist sozusagen das Meer von Ungarn".
008.jpg

In Keszthely pünktlich angekommen, verstauten wir mit Hilfe sogut wie aller Forint-Münzen die wir hatten den schwersten Koffer in einem Schließfach am Bahnhof. Es ging zur Strandpromenade, die nur ein paar Minuten Fußweg entfernt ist. Dort wurde der Wasserspielplatz Vízi jatékpark besucht.
009.jpg

Die Temperaturen waren inzwischen auf über 30°C gestiegen, deshalb besuchten wir danach den Városi Strand (Stadtstrand) und kamen so noch zu einem Badevergnügen am Balaton.
010.jpg

Gut vom warmen und schlammigen Wasser "erfrischt" ging es wieder zum Bahnhof. Der Koffer wurde befreit, am Büfé ging sich noch ein Langos sowie ein Kaltgetränk aus und bald fuhr am gut gefüllten Bahnsteig der S 8895 "Fenyves" ein. Aufgrund der recht beengten Situation am Bahnsteig gibt es diesmal kein Foto des Zuges, als Lok war eine 418 am Zug. Ersatzweise sei 480 009 mit einem bereitgestelltem IC in Richtung Budapest gezeigt.
011.jpg

Noch war der Zug nicht besonders stark frequentiert, ein Viererplatz für die knapp vierstündige Fahrt war im meiner Ansicht nach recht komfortablen y-Wagen schnell gefunden. Bald war Balatonszentgyörgy erreicht, wo wir auf die Strecke Zagreb - Budapest stoßen, die man unter anderem mit dem "Adria" hätte befahren können. Ab dort führt die Strecke eingleisig entlang des Balaton-Südufers. An den Zwischenhalten füllte sich der Zug zunehmend, man fährt im Sommer jedenfalls nicht zum Spaß mit vier Wagen auf dieser Nebenverbindung. In Balatonfenyves trafen wir auf die Schmalspurbahn nach Somogyszentpál bzw. Csisztafürdő.
012.jpg

Hinter Fonyód zweigten wir von der Hauptstrecke ab und es ging über die nicht elektrifizierte Bahnstrecke in Richtung Kaposvár. Landschaftlich nicht spektakulär, aber durchaus reizvoll durchquerten wir den dünn besiedelten Teil des Komitats Somogy.
013.jpg

In Kaposvár, der Hautpstadt des Komitats enden die meisten Züge der Fenyves-Linie, für unseren Zug ging es aber noch weiter. Der bereitgestellten Gegenzug  war bereits mit einer der "neuen" ME, Lok 1524 unterwegs.
014.jpg

Auch wir hatten ein paar Minuten Aufenthalt und der Zug bekam eine V63 vorgespannt. Mit der 376.642 präsentiert sich eine Dampflok am Bahnhofsvorplatz.
015.jpg

In Kaposvár war ein Großteil der Fahrgäste ausgestiegen.
016.jpg

Über Dombóvár alsó, wo es für einige Kilometer durch das Komitat Tolna ging fuhren wir in Richtung Pécs. Am offenen Fenster lässt sich die Fahrt wunderbar genießen.
017.jpg

In Szentlőrinc trifft man auf die Strecke, über die man auch in knapp fünf Stunden mit einem Desiro von Szombately nach Pécs fahren hätte können. Das Mecsek-Gebirge kündigte dann bereits die Hauptstadt des Komitats Baranya an. In Pecs begrüßte uns die schöne Bahnhofshalle, in der unter anderem ein öffentlich zugängliches Klavier steht. Wir nahmen die Einladung, darauf zu spielen gerne an.

Danach ging es ins für eine Nacht gebuchte Appartment am Rand der Innenstadt. Nachdem es am nächsten Tag relativ früh weiter Richtung Kroatien gehen sollte und dort Mariä Himmelfahrt genauso wie in Österreich ein Feiertag ist, wurde noch ausreichend Proviant besorgt, um am nächsten Tag nicht hungrig bleiben zu müssen. Zeit, die mit Sicherheit sehenswerte Innenstadt noch zu besichtigen blieb leider keine mehr. Ein kurzer Blick in Richtung Stadtzentum durfte trotzdem noch sein.
018.jpg

Freitag, 15. August.

Nach dem Frühstück ging es schon wieder zum Bahnhof. Das Wetter versprach wie am Vortag einen heißen und wolkenlosen Tag. Noch ein paar Eindrücken vom schönen Bahnhofsgebäude, hier von der Straßenseite. 
019.jpg

Im Hauptgebäude. Neben dem bereits erwähnten Klavier findet man dort auch eine Modelleisenbahnanlage.
020.jpg

Die Schalterhalle, dort wurden auch die Fahrkarten für die Weiterfahrt besorgt.
021.jpg

Am Bahnsteig stand Bzmot 117 239 mit einem Beiwagen, das war bereits unser Zug für die Weiterfahrt.
022.jpg

Die Verschublok 478 208 wartete vermutlich darauf, dem nächsten IC nach Budapest einen Verstärkerwagen beizugeben. 
023.jpg

Wir nahmen auf der Rückbank des Bz-Beiwagens Platz, von der aus man einen hervorragenden Rundumblick "hinten raus" sowie zwei öffnebare Halbfenster hat. Deshalb gab es auch noch ein Foto auf den 15 Minuten verspäteten einfahrenden IC 800 "Mecsek" aus Budapest Keleti mit 490 009 an der Spitze. Der Anschluss wurde zum Turnschuhanschluss, gerade einmal eine Minute danach gab uns der Fahrdienstleiter mittels Befehlsstab den Auftrag zur Abfahrt als Sz 8122 in Richtung Beli Manastir.
024.jpg

Ein Blick zurück Richtung Pecs und dem Mecsek-Gebirge.
025.jpg

In recht flotter Fahrt geht es hinter Pécs durch das Komitat Baranya. Ab und zu hält der Zug an verträumten Bahnhöfen oder Haltestellen, wie hier in Áta. Trotzdem gibt es durchaus Fahrgastwechsel.
026.jpg

Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt.
027.jpg

In Villány zweigt die Strecke Richtung Mohacs sowie eine weitere nicht mehr im Personenverkehr bediente Strecke ab, dementsprechend gibt es ausgedehnte Gleisanlagen und ein stattliches Bahnhofsgebäude.
028.jpg

Danach teilte uns die Zugbegleiterin in deutscher Sprache mit, dass wir bitte in Magyarbóly in den Triebwagen wechseln mögen, weil der Beiwagen dort abgehängt wird. Wir hätten aber ein paar Minuten Zeit, weil man den Beiwagen zuvor eh noch abkuppen muss. Sie war uns dabei sogar beim Umladen des Gepäcks behilflich. So ging sich in Magyarbóly auch noch ein Foto von unserem Zug aus.
029.jpg

Unspektakulär überquerten wir die Grenze nach Kroatien, einzig die Landschaft änderte sich ein wenig. Brettleben mit gefühlt endlosen Ackerflächen, so wie man sich Slawonien bzw. die kroatische Baranja auch vorstellt. Während der Zug am ungarischen Streckenabschnitt recht gut frequentiert war, waren wir grenzüberschreitend die einzigen Fahrgäste im Zug. Am Grenzbahnhof Beli Manastir war dann Endstation für unsere Brotdose, die nach wenigen Minuten wieder in Richtung Pécs losdieselte, immerhin nun mit gut einer Hand voll Fahrgäste.
030.jpg

Weiter geht es im nächsten Teil.