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Thema: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick (5228-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
http://derstandard.at/2000002814013/Forscher-Pendler-brechen-uns-das-Genick


Forscher: Pendler brechen uns das Genick

Regina Bruckner
8. Juli 2014, 15:23

Warum Vignetten wie Schwarz-Weiß-Fernsehen sind und Pendeln ein Modell mit Ablaufdatum ist, erklärt Andreas Knie

derStandard.at: Deutschland will nun eine Pkw-Maut per Vignette einführen. Ist das Vignettenmodell nicht grundsätzlich überholt? Wer viel fährt, zahlt genauso viel wie der, der wenig fährt?

Andreas Knie: Da haben Sie recht. Das Wort Maut sagt es ja schon:  Das ist aus der Steinzeit. Vignettenkleben ist genauso, als ob man heute noch einmal Schwarz-Weiß-Fernsehen einführen würde. Wenn man schon die Chance hat, ein völlig neues System zu kreieren, sollte das auch technisch auf der Höhe der Zeit sein. Eine guter Ansatz ist: Wer viel fährt, muss viel bezahlen, und wer Autos fährt, die viel C02 ausstoßen, muss sehr viel bezahlen, und wer weniger oder gar kein C02 ausstößt, sollte weniger bezahlen. Wer vielleicht gar kein Auto hat und Carsharing nutzt, sollte gar nichts mehr bezahlen.

derStandard.at: Damit würde man auch die von vielen Experten gewünschten Lenkungseffekte erzielen. Würde das aber nicht andererseits gerade jene, die über wenig Einkommen verfügen, treffen, weil vorwiegend sie alte CO2-Schleudern benützen?

Knie: Einerseits kann man sich nicht mehr hinter der alten - sehr sozialdemokratischen - Formel verstecken, dass wir die Armen unterstützen, weil die nicht anders können als dicke, alte Autos fahren. Man kann heute auch ohne Auto prosperierenden Wirtschaftstätigkeiten nachgehen.

Andererseits können wir auch empirisch nachweisen, dass die CO2-Schleudern vor allem im hochvolumigen und hochpreisigen Segment unterwegs sind.  Es ist ja nicht so, dass wir überall schon Hybridlösungen oder E-Autos hätten, sondern natürlich sind es die dicken, vorwiegend deutschen Autos der Marken Daimler, BWM, Audi, die auch die hohen CO2-Werte haben. Da trifft es also schon Menschen, die das notwendige Vermögen dazu haben.

derStandard.at: Eine kilometerabhängige Maut ist in Österreich ein rotes Tuch. Es geht bekanntlich um die Pendler, die eine solche Abgabe besonders betreffen würde.  Wie wäre eine solche Abgabe argumentierbar? Pendler können ja nichts dafür, dass in manchen Gegenden der öffentliche Verkehr ziemlich ausgedünnt wurde?

Knie: Da habe ich eine ganz andere Meinung. Die Mehrzahl der Pendler optimieren derzeit ihr Lebensmodell. Gewohnt wird dort, wo es günstig ist, und gearbeitet dort, wo die Löhne hoch sind. Machen wir uns nichts vor. Das bekommen Pendler sogar noch von der Steuer gutgeschrieben. Das Modell kann nicht mehr laufen. Deswegen ist das Pendlerthema das große verkehrspolitische Thema Nummer eins. Man muss den Menschen klar sagen: Entweder wohnst du in der Stadt, oder du wohnst am Land.

In Österreich, Deutschland und in der Schweiz tun wir so, als ob wir gleichwertige Lebensverhältnisse hätten. Es herrscht die Vorstellung vor, jeder soll an jeder Stelle in jedem Land alles möglich machen. Aber das gehört der Vergangenheit an. Wer am Land wohnt, hat ländliche Bedingungen, wer in der Stadt wohnt, hat städtische Bedingungen. Die Kombination von Stadt und Land bricht uns genau das Genick. Das werden wir in Zukunft nicht mehr haben können, und das wird auf jeden Fall teurer. Pendler müssen wissen: Wenn sie dieses Lebensmodell fortsetzen, werden sie enormes Geld dafür aufwenden müssen.

derStandard.at: Zurück zu den technischen Möglichkeiten. Was würde sich für ein zeitgemäßes System aufdrängen?

Knie: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie fest verbaute Geräte. Wir haben aber auch alle möglichen Geräte in den Taschen, da könnte man etwa eine Pflicht-App festschreiben. Es gibt da viele Optionen, die man auch sehr schnell nützen könnte und die durchaus Möglichkeiten einer flexiblen und kundenorientierten Abrechnung ermöglichen würden. Vermutlich kann man da auf eine Infrastruktur setzen, die längst schon da ist, und man muss nicht eine eigene bauen, so wie das jetzt in Deutschland möglicherweise der Fall ist. Aber die Ideen in Deutschland sind ohnedies noch nicht in Stein gemeißelt.

derStandard.at:
Würde sich das in der jetzt geplanten Form überhaupt rechnen? Die erwarteten Einnahmen sind ja kaum höher, als sie im vergleichsweise kleinen Österreich sind.

Knie: Bei der Kalkulation dieser Einnahmen hat man zwei Unbekannte:  Man weiß nicht, wie viel dieses neue System kostet. Zweitens kann man als Grundlage nur die Fahrleistung messen, die wir jetzt haben. Aber man weiß natürlich nicht, wie sich die Menschen verhalten, wenn das alles jetzt kostet. Vielleicht sagen sich dann manche auch: Dann pendle ich jetzt nicht. Deswegen sind alle Zahlen rein wissenschaftlich gesehen pure Spekulation.

derStandard.at: Die Österreicher regen sich ob der geplanten Abgabe ebenso mächtig auf wie die Niederländer. Wird das bei Ihnen in Deutschland wahrgenommen?

Knie: Man ist in Deutschland gut beraten, diese warnenden Stimmen auch wahrzunehmen. Und das wird auch so angemessen zur Kenntnis genommen, wie es sein soll. Wir leben mittlerweile in einem europäischen Verbundsystem, und gerade für die deutschen Autofahrer ist Österreich ja ein wichtiges Land.

derStandard.at: Ein Zurück gibt es da allerdings vermutlich nicht. Außer der Europäische Gerichtshof entscheidet anders, sollte es so weit kommen. EU-Kommissar Günther Oettinger schwebt ohnehin eine europäische Straßenverkehrsabgabe vor. Wie chancenreich ist das?

Knie: Die Idee muss realistisch sein, weil wir einen europäischen Markt haben und eine gemeinsame Nutzung dieser Straßen, so wie wir das bei Internet und Telefon, Strom- und Gasnetzen haben. In diesen Bereichen wird auch nach einheitlichen Preisen geregelt, mit einem europaweiten Rechtsrahmen. Das sollte für Straßen auch gelten.

Die Ausgestaltung wird im Moment noch schwierig sein, aber die Digitalisierung macht auch da nicht halt. In den nächsten Jahren werden wir dort eine Vereinheitlichung haben. Da kann man sicherlich mit unterschiedlichen Preismodellen arbeiten. Aber die Vereinheitlich dieser Straßenbenutzungsgebühr wird sicherlich kommen. (rebu, derStandard.at, 8.7.2014)


Mobilitätsforscher Andreas Knie ist Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) in Berlin und Professor an der dortigen Technischen Universität.
GLG
Martin

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #1
Das Wort Maut sagt es ja schon:  Das ist aus der Steinzeit. Vignettenkleben ist genauso, als ob man heute noch einmal Schwarz-Weiß-Fernsehen einführen würde.


Wir werden bald Untersuchungen lesen können, wie groß denn die Windschutzscheibe eines Autos in sagen wir mal 10 Jahren sein wird müssen, damit man all die Pickerl draufbekommt und trotzdem noch irgendwie durchschauen kann: Autobahnmaut hier, Gesamtmaut dort, Parken in der einen Stadt, Einfahrtgenehmigung in der anderen Stadt ...

Wenn man schon die Chance hat, ein völlig neues System zu kreieren, sollte das auch technisch auf der Höhe der Zeit sein. Eine guter Ansatz ist: Wer viel fährt, muss viel bezahlen, und wer Autos fährt, die viel C02 ausstoßen, muss sehr viel bezahlen, und wer weniger oder gar kein C02 ausstößt, sollte weniger bezahlen. Wer vielleicht gar kein Auto hat und Carsharing nutzt, sollte gar nichts mehr bezahlen.
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie fest verbaute Geräte. Wir haben aber auch alle möglichen Geräte in den Taschen, da könnte man etwa eine Pflicht-App festschreiben. Es gibt da viele Optionen, die man auch sehr schnell nützen könnte und die durchaus Möglichkeiten einer flexiblen und kundenorientierten Abrechnung ermöglichen würden.


Pflicht-App am (Pflicht?-)-Mobiltelefon? Gehts noch?

Warum denkt der gute Mann nicht einfach an die Besteuerung des Treibstoffs? Damit hätte er alle Punkte abgedeckt, die er erwähnt: Wer mehr fährt, zahlt mehr. Wer mehr auf der gleichen Strecke verbraucht, zahlt mehr. Es benötigt nur eine Vereinheitlichung der Steuersätze, um den Tanktourismus zu stoppen. Aber die EU kümmert sich anscheinend lieber um andere Sachen ...

  • ptg
Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #2

Warum denkt der gute Mann nicht einfach an die Besteuerung des Treibstoffpreises? Damit hätte er alle Punkte abgedeckt, die er erwähnt: Wer mehr fährt, zahlt mehr. Wer mehr auf der gleichen Strecke verbraucht, zahlt mehr. Es benötigt nur eine Vereinheitlichung der Steuersätze, um den Tanktourismus zu stoppen. Aber die EU kümmert sich anscheinend lieber um andere Sachen ...


Das wäre ja viel zu einfach. Vor allem wäre es ja sozial zu gerecht. Es gibt genug die ein größeres/stärkeres Auto (Familien mit Van) oder stärkeren/älteren Allrad/Geländewagen haben, weil sie ihn auch brauchen (am Berg wohnen) und nur selten irgendwo hinfahren.
Bei der ganzen Geschichte darf man natürlich nicht vergessen, dass durch die nötige Verwaltung entsprechende Versorgungsposten geschaffen werden können (müssen). Der administrative Mehraufwand der bei den Deutschen geplant ist, ist ja ein Wahnsinn.


  • Stipe
Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #3

Warum denkt der gute Mann nicht einfach an die Besteuerung des Treibstoffs? Damit hätte er alle Punkte abgedeckt, die er erwähnt: Wer mehr fährt, zahlt mehr. Wer mehr auf der gleichen Strecke verbraucht, zahlt mehr. Es benötigt nur eine Vereinheitlichung der Steuersätze, um den Tanktourismus zu stoppen. Aber die EU kümmert sich anscheinend lieber um andere Sachen ...


Bei zu rasch steigenden Spritpreisen wird ein spürbarer Schwarzmarkteffekt auftreten. Da ist dann die kilometer- und/oder CO2-abhängige Mautvariante besser.

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #4

http://derstandard.at/2000002814013/Forscher-Pendler-brechen-uns-das-Genick


Forscher: Pendler brechen uns das Genick

...
Knie: Da habe ich eine ganz andere Meinung. Die Mehrzahl der Pendler optimieren derzeit ihr Lebensmodell. Gewohnt wird dort, wo es günstig ist, und gearbeitet dort, wo die Löhne hoch sind. Machen wir uns nichts vor. Das bekommen Pendler sogar noch von der Steuer gutgeschrieben. Das Modell kann nicht mehr laufen. Deswegen ist das Pendlerthema das große verkehrspolitische Thema Nummer eins. Man muss den Menschen klar sagen: Entweder wohnst du in der Stadt, oder du wohnst am Land.

In Österreich, Deutschland und in der Schweiz tun wir so, als ob wir gleichwertige Lebensverhältnisse hätten. Es herrscht die Vorstellung vor, jeder soll an jeder Stelle in jedem Land alles möglich machen. Aber das gehört der Vergangenheit an. Wer am Land wohnt, hat ländliche Bedingungen, wer in der Stadt wohnt, hat städtische Bedingungen. Die Kombination von Stadt und Land bricht uns genau das Genick. Das werden wir in Zukunft nicht mehr haben können, und das wird auf jeden Fall teurer. Pendler müssen wissen: Wenn sie dieses Lebensmodell fortsetzen, werden sie enormes Geld dafür aufwenden müssen.
...


Der Typ hart echt keine Ahnung. Auf dem Land gibt es keine Arbeitsplätze und in der Stadt gibt es keine bezahlbaren Wohnungen. Der Arbeiter, welcher ein Großteil der Pendler stellt, wird doch heutzutage mit Hungerlöhnen abgespeißt, womit man nach Abzug der Wohnlosten das Konto leer ist, da hat man noch nichts gegessen und getrunken. Also bleibt doch nichts anderes übrig als zu pendeln.

  • Ch. Wagner
  • Member*
Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #5

Der Typ hart echt keine Ahnung. Auf dem Land gibt es keine Arbeitsplätze und in der Stadt gibt es keine bezahlbaren Wohnungen.


Also, wenn ich mich so am Land umschaue: Hart, Raaba, Grambach, Unterpremstätten, Seiersberg, Frohnleiten ... Es sind halt Arbeitsplätze für Qualifizierte. Bezahlbare Wohnungen gibt es in Graz auch, aber es wollen ja alle ein Häuserl am Ruckerlberg oder in Geidorf.

Aber Hauptsache, du hast echt Ahnung.
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #6


Also, wenn ich mich so am Land umschaue: Hart, Raaba, Grambach, Unterpremstätten, Seiersberg, ...



Man sollte hier nicht zwei verschiedene Dinge über einen Leisten scheren. Ich denke, dieser "Speckgürtel"  um Graz ist ein ganz eigenes Problem, der sicher auch durch die langjährige Baugenehmigungs-Praxis seitens der Stadt Graz mitzuverantworten ist. Diese Gebiete sind inzwischen dicht genug besiedelt, um dort gut ausgelasteten öffentl. Verkehr betreiben zu können. Das sollte auch in Angriff genommen werden.

Bei den Pendlerinnen und Pendlern denke ich beispielsweise an Menschen aus den verstreuten Lagen des Sausals, Mettersdorf am Saßbach, Auersbach bei Feldbach, Rabenwald bei Pöllau (und das sind noch lange keine Extrembeispiele). Regelmäßigen Busverkehr gibt es dort nicht und die qualifizierten Arbeitsplätze sind auch nicht gerade dicht gesät.
Wenn man das Land mit Gewalt entvölkern will, denn das wäre die unausweichliche Folge, dann muss man es den "Pendlern" nur schwer machen und oben genannte Ideen konsequent umsetzen. Ein solches "Ziel" sollte die Politik dann aber auch glasklar aussprechen.

  • kroko
Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #7
Die allermeisten Menschen, die in Österreich Pendlerpauschale verdienen, sind Mittel- bis Gutverdiener, die in den Speckgürtel gezogen sind. Die "klassischen" Pendler, wie man sie sich im Klischee vorstellt, gibt es vergleichsweise sehr wenige.

Klar ist Wohnen auf dem Land viel billiger - da ist es natürlich legitim, am Land wohnen zu wollen. Nur: warum soll die Allgemeinheit dafür zahlen?

Wer am Land billig wohnen will bekommt Pendlerpauschale dafür bezahlt (und Wohnbauförderung etc.).
Wer hingegen eine teurere Wohnung in der Stadt nimmt bekommt nichts.

Das soll fair sein?

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #8

Das wäre ja viel zu einfach. Vor allem wäre es ja sozial zu gerecht. Es gibt genug die ein größeres/stärkeres Auto (Familien mit Van) oder stärkeren/älteren Allrad/Geländewagen haben, weil sie ihn auch brauchen (am Berg wohnen) und nur selten irgendwo hinfahren.


Familien: Ich halte es nicht für sinnvoll, das Auto zu fördern, sondern die Familie selbst. Mein bevorzugtes Modell wäre das Familiensplitting, aber es gibt auch andere Modelle. Und so gefördert kann die Familie entscheiden, ob sie ein Auto braucht (wahrscheinlich ja), und wenn ja, dann welches.

Berg: Wenn ich nur selten wo hin fahre, ist der verteuerte Sprit sowieso kein großer Kostenfaktor. Wenn ich dort wohne, weil ich Bergbauer bin, dann gilt das gleiche wie für die Familie, die für den Staat anscheinend wichtig ist: Wenn dem Staat meine Tätigkeit (Landschaftspflege) wichtig ist, dann wird er mich (oder sollte mich) fördern.


Erstellt am: Juli 10, 2014, 09:30:29

Bei zu rasch steigenden Spritpreisen wird ein spürbarer Schwarzmarkteffekt auftreten. Da ist dann die kilometer- und/oder CO2-abhängige Mautvariante besser.

Schwarzmarkteffekt bei Sprit - das verstehe ich nicht. Unversteuerten Sprit unter der Hand kaufen wirst Du ja wohl nicht meinen, weil das geht wohl nicht.

  • Stipe
Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #9


Erstellt am: Juli 10, 2014, 09:30:29

Bei zu rasch steigenden Spritpreisen wird ein spürbarer Schwarzmarkteffekt auftreten. Da ist dann die kilometer- und/oder CO2-abhängige Mautvariante besser.

Schwarzmarkteffekt bei Sprit - das verstehe ich nicht. Unversteuerten Sprit unter der Hand kaufen wirst Du ja wohl nicht meinen, weil das geht wohl nicht.


Genau das meine ich. Deshalb wird ja heute schon das Heizöl eingefärbt, damit man bei Kontrollen feststellen kann, ob ein Dieselfahrzeug mit korrekt versteuertem Treibstoff betankt wurde. Ein anderes Beispiel sind Zigaretten: Seit die Preise da immer mehr steigen steigt der Schwarzmarktanteil konstant. In Deutschland sind geschätzt 20% der gerauchten Zigaretten geschmuggelt oder gefälscht.

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #10


Warum denkt der gute Mann nicht einfach an die Besteuerung des Treibstoffs? Damit hätte er alle Punkte abgedeckt, die er erwähnt: Wer mehr fährt, zahlt mehr. Wer mehr auf der gleichen Strecke verbraucht, zahlt mehr. Es benötigt nur eine Vereinheitlichung der Steuersätze, um den Tanktourismus zu stoppen. Aber die EU kümmert sich anscheinend lieber um andere Sachen ...



Der Vorteil eines elektronischen Mautsystems (im Gegensatz zu einer Besteuerung von Treibstoff) wäre jedoch die zusätzliche Möglichkeit zeit- oder ortsabhängig unterschiedliche Mauttarife zu verrechnen, um so die knappen Infrastrukturressourcen besser auszulasten. Z.B. höhere Maut in Ballungszentren mit gut ausgebauten öffentlichen Verkehrssystem und zu Stoßzeiten. Weniger oder überhaupt keine Bemautung in infrastrukturschwachen Regionen mit einem schlechtem Öffiangebot.

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #11


Der Typ hart echt keine Ahnung. Auf dem Land gibt es keine Arbeitsplätze und in der Stadt gibt es keine bezahlbaren Wohnungen.


Also, wenn ich mich so am Land umschaue: Hart, Raaba, Grambach, Unterpremstätten, Seiersberg, Frohnleiten ... Es sind halt Arbeitsplätze für Qualifizierte. Bezahlbare Wohnungen gibt es in Graz auch, aber es wollen ja alle ein Häuserl am Ruckerlberg oder in Geidorf.

Aber Hauptsache, du hast echt Ahnung.


Habe ich etwas übersehen? Der Typ kommt doch aus Deutschland. Also spricht er für ganz andere Ballungsräume als Graz. Wenn ein Handwerker rund 1500€ Netto durch seine Hände Arbeit erwirtschaftet, aber die Wohnung in den Ballungsräumen rund 900€ kalt kostet (wohlgemerkt Ballungsräume wie München, Köln, Berlin, vielleicht kann Wien hier noch mithalten), zu was wird er dann?
Also, soviel Ahnung habe ich. Nur der Typ hat, wie so mancher der Entscheidungsträger, wohl keine Ahnung von Einkommensverhältnisen eines Handwerkers.

  • Ch. Wagner
  • Member*
Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #12

Der Typ kommt doch aus Deutschland. Also spricht er für ganz andere Ballungsräume als Graz.


Der "Typ", wie du Andreas Knie zu bezeichnen pflegst, ist Geburtsjahrgang 1960. Seine Dissertation schrieb er zum Thema "Diesel - Karriere einer Technik", seine Habilitation "Wnkel-Mut in der Autoindustrie". Neben der Lehre und Forschung an der TU Berlin ist er Bereichsleiter der DBRent GmbH, Mitglied der Nationalen Plattform für Elektromobilität sowie Beirat zur nachhaltigen Entwicklung des Bundeslandes Brandenburg.
Man darf ihm also getrost Wissen in Ballungsräumen von der Größe Graz unterstellen. Zum anderen ist A.Knie nicht ein Autoverächter wie Knoflacher, er sucht nur eine sinnvolle Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr, dem er allerdings eine Vorrangstellung einräumt.
Ich kann allerdings auch keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Ballungsräumen erkennen, die grundsätzlichen Probleme sind doch die selben. Es kommen halt andere Beförderungsmittel dazu, wie U-Bahn oder S-Bahn. Und wie du zu der Behauptung kommst, er habe keine Ahnung über Einkommensverhältnisse von Handwerkern, ist mir völlig unklar. Gerade im Land von Hartz IV und Pfandflaschensammlern sind wohl die sozialen Probleme bekannt.
Aber eben: Hauptsache, du hast Ahnung. Bist halt ein echter Typ.
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

Re: Vignetten nicht zeitgemäß - Pendler brechen uns das Genick
Antwort #13

Man sollte hier nicht zwei verschiedene Dinge über einen Leisten scheren. Ich denke, dieser "Speckgürtel"  um Graz ist ein ganz eigenes Problem, der sicher auch durch die langjährige Baugenehmigungs-Praxis seitens der Stadt Graz mitzuverantworten ist. Diese Gebiete sind inzwischen dicht genug besiedelt, um dort gut ausgelasteten öffentl. Verkehr betreiben zu können. Das sollte auch in Angriff genommen werden.


Im Speckgürtel wohnen weniger Menschen pro Quadratmeter. Ich glaube schon, dass es (egal wo) teilweise auch problematisch sein kann, gut ausgelasteten ÖV betreiben zu können und vor allem damit einen Großteil der Bewohner zu erreichen. Ich bringe nur ein mich betreffendes Beispiel: Sooß im Süden von Wien zwischen Baden und Bad Vöslau:

Die Gemeinde hat vor Jahren probiert, eine ÖBB-Bahnstation an der direkt am Ort vorbeiführenden Südbahn zu erreichen. Keine Chance.

Mein Haus ist 800m vom großen Supermarkt entfernt, also durchaus Fahrraddistanz. Ich habe auch kein Problem, auf der Landesstraße zu fahren. Doch für eine Familie mit Kindern bleibt nur das Auto, die Einkäufe passen nicht aufs Fahrrad. Und für einen Anhänger habe ich nicht die Infrastruktur (wohin damit?).

Genau in den 800m Distanz beim Supermarkt ist auch noch eine Bushaltestelle mit brauchbarem Verkehr - so ungefähr 20 bis 30 Minuten Intervall am Werktag. Der Ort jedoch erstreckt sich jedoch auch in die andere Richtung weg von der Busroute, so zirka 1,5km. Da ist ein Bus schlicht und einfach nicht sinnvoll, noch dazu, wo er den Ort rauf und nahezu auf der gleichen Strecke wieder runterfahren müsste.