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Thema: Sommertour | Teil 4, 19 B.  (6494-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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  • flow
Sommertour | Teil 4, 19 B.
...und weiter im Programm. :)



Warten auf den Zug in La Spezia Centrale.

Heute fahren wir also zu den Cinque Terre. Der Plan sieht vor, von La Spezia aus in die am weitesten entfernte Ortschaft, Monterosso, zu fahren und von dort aus so weit wie möglich zurück zu wandern. Unser Gastgeber wollte uns auch noch von einer Bootsfahrt über Porto Venere zu den Cinque Terre überzeugen, das schien uns aber für einen Tag etwa zu viel des Guten. Nachdem die Nächtigungsmöglichkeiten vor Ort beschränkt sind, sind die Dörfer der Cinque Terre von unzähligen Tagesbesuchern bevölkert, die wohl großteils mit dem Zug an- und abreisen, der meist direkt in den Ortszentren hält, ganz im Gegenteil zur weit im Hinterland verlaufenden Straße. So herrscht auch am Bahnhof in La Spezia reger Betrieb und es dauert eine Weile bis wir unsere Fahrkarte haben. Empfehlenswert ist dabei der Tagespass für den Nationalpark, der unlimitierte Fahrten mit dem Zug zwischen La Spezia und Levanto (der nächsten größeren Stadt im Norden) sowie die Eintrittsgebühr für die Wanderwege im Nationalpark beinhaltet. Das Zugangebot ist halbwegs dicht, es fahren etwa ein bis zwei Regionalzüge pro Stunde und zusätzlich etwa zweistündliche Intercity. Unser Zug ist auch schon gut voll, was aber von allen Beteiligten hingenommen wird, die Fahrzeit ist ja nicht lang, nach Riomaggiore braucht man nicht einmal zehn Minuten. Bis Monterosso dauert es zwar immerhin eine halbe Stunde, was sich aber auch ertragen lässt, vor allem da sich der Zug nach und nach leert - Sitzplatz bekommen wir trotzdem keinen.



Auch in Monterosso verlassen zahlreiche Tagesausflügler den Zug.



Aus Richtung Levanto kommend erreicht eine Vivalto-Garnitur den Bahnhof.

Nun müssen wir uns erstmal orientieren, Richtung Süden ist klar, also marschieren wir einmal an der Promenade entlang los. Monterosso ist zweigeteilt, der Bahnhof mit dem größeren Strand und der Promenade ist durch einen kleinen Felsen vom ursprünglicheren Ortszentrum getrennt. Dort durch führt ein kleiner Tunnel ins Zentrum, es führt aber auch ein Weg auf den Felsen hinauf und diesen kleinen Abstecher bauen wir natürlich auch ein. Anschließend erkunden wir noch die Gässchen der kleinen Altstadt, aber erst einmal muss eine Pause in einem Café eingelegt werden...zwar sind wir noch keinen Schritt gewandert, aber man ist ja im Urlaub. Dann decken wir uns bei einem Greißler noch mit Proviant und vor allem Wasser für die nächsten Etappen ein und machen uns dann auf zum Wanderweg entlang der Küste.



Blick über den großen Strand von Monterosso. Durch den Berg im Hintergrund führt ein langer Tunnel nach Levanto.



Ausblick vom Felsen über Monterosso. Wer der Herr ist, und warum er sich so verrenkt, weiß ich nicht.



Etwas überraschend kam ein Frecciabianca auf dem Weg von Roma nach Torino vorbei.



In der Gegenrichtung sieht das dann in etwa so aus. Ist natürlich kein Frecciabianca.

Etwas außerhalb des Ortes steht dann quasi ein Kontrollposten, wo die Eintrittskarte für den Park vorgewiesen werden muss, samt Hinweisschildern "Stöckelschuhe verboten". Am Schuhwerk konnte man auch schon im Zug abschätzen, wer den Wanderweg begehen möchte und wer sich eher fürs Strandliegen interessiert. Tatsächlich ist der Flipflopanteil bei den entgegenkommenden und überholten Wanderen sehr gering und auf Teilstücken des unbefestigten Weges wäre es sicher auch keine rechte Freude, mit solchen Dingern marschieren zu müssen. Der Weg führt dann steil rasch bergan ins terrassierte Hinterland, bevor er dann relativ eben hoch über dem Meer Richtung Vernazza verläuft. Unterwegs kann man immer wieder einmal kurze Ausblicke aufs darunterliegende Meer erhaschen, aber am beeindruckendsten ist es, als sich der Blick auf das nächste Dorf, Vernazza, eröffnet, dass in etwa so ausschaut, wie ich es mir von den Cinque Terre erwartet habe: Kleine bunte Häuschen zusammengepfercht auf einem Felsen zwischen Meer und Berg.



In den Terrassen hinter Monterosso.



Fast ein bisserl kitschig: Vernazza.



Erneuter Zuallstreffer beim Abstieg ins Dorf.

Unten in Vernazza herrscht dann großer Trubel, Massen an Touristen wälzen sich hauptsächlich die große Hauptstraße vom Bahnhof hinunter zum kleinen geschützten Hafen. Biegt man aber in die verwinkelten Seitengassen ab, findet man aber auch hier absolut ruhige und heimelige Ecken. Besonderes Highlight ist ein Felsdurchbruch, durch den man zu einem kleinen, von Klippen umgebenen Strand gelangt. Leider entspricht dessen Zustand überhaupt nicht dem, was man sich von so einem touristischen Brennpunkt erwartet, vor allem der Gestank ist es, der uns schnell wieder das Weite suchen lässt. Da die Mittagssonne mittlerweile erbarmungslos herunterbrennt, hätten wir es hier ohnehin nicht lange ausgehalten und suchen uns stattdessen ein ruhiges Platzerl für eine Jause.
Nachdem wir unser Wasser an einem kleinen Brunnen aufgefüllt haben, brechen wir zur nächsten Etappe nach Corniglia auf. Wieder führt der Weg direkt außerhalb des Ortes steil bergan und führt dann mehr oder weniger eben am Hang entlang weiter. Teilweise geht es durch dichten Wald, wo sogar ein fliegender Händler seine Waren anbietet, dann öffnen sich wieder wunderbare Blicke über die Küste. Schließlich erreichen wir Corniglia, das anders als die restlichen Dörfer nicht direkt am Meer liegt, sondern auf einem großen Felsen etwa 100 Meter darüber. Hier ist es merklich ruhiger als vorher in Monterosso und Vernazza, was wohl auch an der Lage des Ortes und dem damit verbundenen Aufsteig über eine eindrucksvolle Freitreppe vom Bahnhof herauf liegen mag. Weil noch theoretisch zwei Etappen vor uns liegen und der Ort selbst nun auch nicht viel Neues bietet, belassen wir es bei einer kurzen Runde samt Aufstieg auf den höchsten erreichbaren Aussichtspunkt und marschieren dann weiter hinunter zum Bahnhof, um den weiteren Weg zu erkunden.



Nordfahrer können hier einen kurzen Blick auf den geschützten kleinen Hafen von Vernazza erhaschen.



Blick zurück Richtung Hauptstraße und Bahnhof.



Der Bahnhof von Vernazza liegt eingezwängt zwischen zwei Tunneln, der Bahnsteig befindet sich ebenfalls großteils in den nördlichen Tunneln.



Blick auf Vernazza mit dem kleinen Strand, ganz hinten noch zu erkennen ist Monterosso.



Blick auf Corniglia, im Dunst erkennt man noch Manarola.



Im Wald irgendwo zwischen Corniglia und Manarola.

Eigentlich wäre unsere Wanderung an dieser Stelle ja beendet, die Abschnitte Corniglia - Manarola - Riomaggiore sind momentan und wohl noch bis 2015 wegen Instandsetzungsarbeiten aufgrund Unwetterschäden gesperrt. So ganz wollen wir das aber nicht auf uns sitzen lassen, man kann ja zumindest einmal schauen, wie weit man kommt...so folgen wir dem Weg hinter dem Bahnhof Corniglia weiter, bis wir an einem verschlossenen Eisentor ankommen. Was nun? Als wir so überlegen, kommen zwei Leute aus Richtung Manarola und bestätigen uns, dass der Weg durchaus begehbar sei und man nur auf einem kurzen Stück aufpassen müsse - hier wurde der Weg durch einen Erdrutsch verschüttet und noch nicht wieder hergestellt. Also klettern wir schnell über den uralten maroden Zaun neben dem Tor und bahnen uns den Weg durch hüfthohes Gestrüpp. Nach einer Weile erreichen wir dann auch die beschriebene Schlüsselstelle, die sich aber problemlos überwinden lässt. Zwar liegt das Geröll recht lose, aber es hat sich über die Zeit schon eine Art Trampelpfad gebildet, den man mit entsprechender Vorsicht gut begehen kann. Ein zweiter Erdrutsch wurde bereits mit einer neuen Hängebrücke überbrückt. Etwas anspruchsvoller ist dann das gut mit Eisendornen gegen unerlaubte Besucher abgesicherte Tor am Ende des Weges vor Manarola, aber auch dieses Hinderniss können wir passieren und sind schließlich froh, dass wir diesen Weg genommen haben.



Bahnhof Corniglia. Am Hang kann man den Weg nach Manarola erkennen, der an mehrern Stellen durch Erdrutsche verschüttet wurde.



Glückstreffer in Corniglia.

Nach all der Anstrengung genehmigen wir uns in Manarola erst einmal ein Hopfengetränk in einer schönen Freiluftbar mit wunderbarem Blick über das Städtchen. Als man uns dann noch einen kleinen Teller mit Bruschette, Oliven und Nüssen bringt, schwant mir schon Übles, aber am Ende zahlen wir tatsächlich nur das Bier und kein Coperto - aber gut, das Bier war ohnehin schon in oberen Preisspähren unterwegs. Mittlerweile schwingt das Wetter um, Wind und Wolken verdrängen nach und nach die Sonne und es schaut langsam nach Regen aus. Bevor es richtig losregnen sollte, wollen wir aber noch überprüfen, ob die letzte Etappe, die "Via dell' Amore" nach Riomaggiore, trotz Sperre eventuell ebenfalls begehbar ist, aber der einzige Zugang direkt hinter dem Bahnhof scheint unüberwindbar - na gut, so hat man dann noch einen Grund, einmal wiederzukommen. Also verbringen wir noch ein wenig Zeit im Ort am Hafen, bevor wir dann abends zurück nach La Spezia fahren. Heute brauchen wir ja zum Glück nicht lange suchen, sondern kehren wieder im gleichen Ristorante wie gestern ein, wo wir uns mit Pizza und Bier für die Strapazen des Tages belohnen.



Die Sonne blinzelt noch einmal durch die aufkommenden Wolken auf Manarola.
Morteratsch - fermada sin damonda

  • 4010
Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #1
Großartig - genau dort war ich erst vor zwei Wochen.... :)

Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #2
Traumhafte Aufnahmen, danke!  :one:

  • Tom
Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #3
Wunderschön, vielen Dank!

Cinque Terre steht schon länger am Plan, vielleicht passt's 2015  ;)

  • flow
Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #4
Merci, freut mich, wenn's auch ohne Fokus auf die Bahn gefällt!


Großartig - genau dort war ich erst vor zwei Wochen.... :)


Hmm...da ging sich aber keine Fahrt mit dem AB30 von/nach Livorno bzw Pisa mehr aus?!  :'(


Cinque Terre steht schon länger am Plan, vielleicht passt's 2015  ;)


Auf jeden Fall empfehlenswert, ich würde ja auch gerne noch mal hinfahren mit mehr Fokus aufs Fotografieren - das ging ja im Sommer eher so nebenbei.
Morteratsch - fermada sin damonda

Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #5
Servus!
Danke für die Fotos mit guter Qualität!
Hast Du Dich entlang der Bahnlinie auf Schusters Rappen begeben, bzw. Dich in die Fluten stürzen können??
leonhard

  • flow
Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #6
Merci!
Wie meinst du jetzt? Wir sind ja den gesamten Wanderweg von Monterosso bis Manarola gegangen; die Bahnstrecke liegt zwischen La Spezia und Levanto quasi nur in den einzelnen Bahnhofsbereichen an der Oberfläche und verläuft sonst vollständig in Tunnels, fotografieren ist also bis auf einen kurzen Abschnitt zwischen Vernazza und Corniglia, der aber schwer erreichbar sein dürfte, nur in den Bahnhöfen möglich.
Mein Kumpel hat sich in Manarola am Hafen in die Fluten gestürzt, ich selbst bin nicht so die Wasserratte. ;)
Morteratsch - fermada sin damonda

  • 4010
Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #7


Großartig - genau dort war ich erst vor zwei Wochen.... :)


Hmm...da ging sich aber keine Fahrt mit dem AB30 von/nach Livorno bzw Pisa mehr aus?!  :'(


Nein, leider, war aber eh ein Wochenendausflug aus Milano ;)

  • Ch. Wagner
Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #8

in die Fluten stürzen können?


Ich glaube nicht, daß Flow suicidgefährdet ist.

LG! Christian
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

Re: Sommertour | Teil 4, 19 B.
Antwort #9
Gerade entdeckt: Dazu gibt es nächste Woche eine Eisenbahnromantik im SWR:

Link zur Sendungsbeschreibung: "Mit dem Zug zwischen Fels und Meer - Eisenbahn an der Ligurischen Küste"- Montag 23.2., 14:15 bzw. Dienstag, 24.2., 8:20