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Thema: InterRail Feb' 12 | Tag 3 Paris | 48 B. (1375-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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InterRail Feb' 12 | Tag 3 Paris | 48 B.
Heute scheint sich die Sonne heraus zu trauen, kaum zu glauben. Früh aufstehen, packen und pünktlich um halb Acht zum Frühstück. Auf eine spontane Bahnhofsaktion, um ein paar ex Lunéa zu erwischen, verzichte ich, das scheint mir zu aufwändig und verrückt. Stattdessen checke ich aus und will anschließend mein Gepäck aufgeben. Das Hightech-Schließfachsystem kann mich aber nicht überzeugen, für viel Geld gibt es minimalen Stauraum. Der Rezeptionist hat auch keinen guten Tag erwischt, also deponiere ich meinen Rucksack einfach irgendwo im Keller. Jetzt aber los, ich habe noch genug vor und nicht viel Zeit.  Nur ein paar hundert Meter weiter entlang des Canal de l'Ourcq quert der Petit Ceinture den Kanal. Diese Ringlinie verbindet die von den großen Bahnhöfen ausgehenden Strecken innerhalb der Pariser Stadtgrenze. Während im Westen die Infrastruktur großteils abgebaut ist (nur entlang der alten Ligne d'Auteuil fährt heute die RER C), liegen im Osten heute noch die Gleise und zumindest in Abschnitten ist die Trasse noch befahrbar. Über mögliche Nachnutzungen wird immer wieder diskutiert, konkrete Pläne sind mir dazu aber nicht zu Ohren gekommen. Von der Brücke ist es nur ein Sprung zur Abzweigung des Canal Saint-Denis, dahinter befindet sich schon die Cité des sciences et de l'industrie. Entlang des Canal Saint-Denis will ich nun zurück Richtung Métro. An der Avenue Corentin Cariou stolpere ich dann über die Gleise für die Verlängerung der T3. Typisch französisch verläuft die Strecke in der Mitte der breiten Straße auf eigenem Gleiskörper, wofür sicherlich mehrere Fahrspuren dran glauben mussten. Herrlich! Von so einer konsequenten Bevorzugung kann man hierorts nur träumen. Eine Brücke weiter queren die auf die Gare de l'Est zulaufenden Strecken den Kanal. Nur zu gut kenne ich den Blick aus dem Zug, aber dass ich mal ein Zugfoto mache, hätte ich mir auch nie gedacht. Ein paar Minuten warte ich, um einen zweiten Zug zu erwischen, dann mache ich mich auf den Weg zur Métro.  Dass dann auf dem Weg zur Station ein TGV POS und eine CC 72100 mit Corail-Wagen über die Brücke fahren und ich natürlich nicht schnell genug reagiere, naja, wer hat so etwas noch nicht erlebt...



Namenlose Brücke des Petit Ceinture über den Canal de l'Ourcq.



Blick nach Norden Richtung La Chapelle.



Blick nach Süden Richtung Belleville.



Hier zweigt der Canal Saint-Denis ab, der den Canal de l'Ourcq mit der Seine verbindet.



Dieser alte Kahn wurde zu einem Jazzclub, ,,l' Improviste", umgewandelt.



"Alt-Paris" im Morgenlicht. ,,Serrurerie" (Schlosserei) und ,,Bains-Douches" (Tröpferlbad).



Canal Saint-Denis, im Hintergrund ein Z 22500 der RER E.



Die erste von sieben Schleusen des Canal Saint-Denis.



In Frankreich quasi selbstverständlich: Eigene Trasse für die Verlängerung der Linie T3 in der Avenue Corentin Cariou.



Z 20500 quert den Canal Saint-Denis. Entlang des Kanals Bauarbeiten für die Verlängerung der T3, die im Laufe des Jahres ihren Betrieb aufnehmen soll.



Am Bogen von der Avenue Corentin Cariou zum Quai de la Gironde sind die Arbeiten schon recht weit fortgeschritten.

Wieder habe ich ein Billet Mobilis gekauft, damit sich das auszahlt, muss ich mindestens vier Einzelstrecken fahren, das sollte sich schon ausgehen. Als erstes mache ich mich auf zur Butte Bergeyre, einer beschaulichen Wohnsiedlung auf einem kleinen Hügel westlich des Parc des Buttes-Chaumont. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über die Häuser der Stadt nach Montmartre. Von der Butte gibt es eine Treppe direkt zum benachbarten Parc des Buttes-Chaumont, meinem nächsten Ziel. Es ist eiskalt und große Teile des Parks liegen noch im Schatten, dennoch drehen zahlreiche Jogger ihre Runden und Hunde werden zum Äußerln geführt und auf den wenigen sonnigen Flecken wird Tai Chi praktiziert. In einer Grube des alten Steinbruchs, auf dessen Gelände der Park angelegt wurde, befindet sich heute ein See in dessen Mitte ein 50 Meter hoher Felsen emporragt. Vom Pavillon auf seiner Spitze hat man einen weiteren schönen Rundblick über die Stadt. Am westlichsten Zipfel verlasse ich den Park und marschiere ein paar hundert Meter ins Quartier d'Amérique, ein beschauliches Wohnviertel, geprägt von kleinen Häuschen und viel Grün. Ein paar Fotos in den großteils noch schattigen Gässchen, viel mehr Zeit habe ich nicht. Noch einmal muss ich nämlich zurück in den Park, da ich vorhin vergessen habe, zum Petit Ceinture zu schauen, der den Park auf einem kurzen Stück quert. Also schnell durchs Gebüsch runter zur Strecke und dann ab in die Métro um zum nächsten Ziel zu gelangen. Eine Station mit der 7bis, an der Place des Fêtes umsteigen in die 11. Dort habe ich großes Glück und erwische die einzige Garnitur der MP73, die auf dieser Linie eingesetzt wird.



Blick von der Butte Bergeyre hinüber zur Sacré-Cœur.



In der Rue Georges Lardennois, ein weiteres ruhiges Fleckerl abseits vom üblichen städtischen Trubel. Bis in die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts stand hier noch ein Fußball- und Rugbystadion.



Treppenaufgang zur Butte Bergeyre.



Wohnblöcke in der Rue Manin an der Ostflanke der Butte Bergeyre.



Der Temple de la Sibylle ganz oben auf der Felsinsel im Parc des Buttes-Chaumont...



...und Blick von ebendort Richtung Montmartre.



Der Pont des Suicidés verbindet den Park mit der Île du Belvédère.



Métrostation Botzaris am Westeingang des Parks. Im Hintergrund die Rue de Crimée, die schnurstracks zu meiner Unterkunft führt.



Typische Szene in der Mouzaïa.







Und einige weitere Eindrücke aus den großteils noch im Schatten liegenden Gässchen des Viertels.



Für ein kurzes Stück verläuft der Petit Ceinture durch den Park, verschwindet aber dann aufgrund des Reliefs wieder im Untergrund und wird erst über einen Kilometer entfernt in Ménilmontant ans Tageslicht kommen.



MF 88 n° 09 in der Station Botzaris.



MP 73 n° 6544, der einzige MP 73, der auf der Linie 11 eingesetzt wird.

In Belleville raus aus der Métro. Hier sorgen Einwanderer aus allen möglichen Ländern für Vielfalt, es ist bunt und laut auf den Straßen. Wieder geht es hinauf auf einen Hügel, die Butte de Belleville soll laut Reiseführer sogar eine der höchsten Erhebungen von Paris sein. Ziel ist die Maison de l'Air, von wo aus man einen weiteren herrlichen Blick auf die Stadt haben soll. Und in der Tat liegt einem hier die Stadt zu Füßen. Auch die umliegenden Straßen sind nicht unnett, nur Touristen gibt's keine. Klass. Weiter geht es zum Petit Ceinture, die am Fuße des Hügels den Tunnel von Buttes-Chaumont kommend verlässt. Hier befand sich früher die Haltestelle Ménilmontant, heute führt ein Fußgängersteg im Verlauf der Rue de la Mare über die Strecke. Im Anschluss nehme ich mir noch die Zeit, einen kleinen Abstecher über die Rue de Savies und die Rue des Cascades, bevor ich mich zur nächsten Station der Métro, Ménilmontant, aufmache. Mittlerweile ist es halb Zwölf, Zeit genug, noch schnell in die Stadt zu düsen, um ein Foto von Nôtre-Dame zu machen, das sonnige Wetter will ausgenutzt werden.



Seitenstraße der Rue de Belleville auf dem Weg zum gleichnamigen Park.



Dieses Foto über die Rue Ramponeau hinüber zur Tour Eiffel hat's eigentlich nur in den Bericht geschafft, weil ich beim Recherchieren über ein ähnliches Foto in Wikipedia gestolpert bin...



Im Parc de Belleville.



Panoramablick von der Maison de l'Air.



Einzig der Fußgängersteg zeugt hier noch von der ehemaligen Gare de Ménilmontant.



Unterhalb der Rue de Couronnes verlässt der Petit Ceinture den Tunnel...



...um nur wenige Meter weiter wieder im Tunnel Sorbier Richtung Charonne zu verschwinden.



Einmal mehr dörfliches Paris in der Rue des Cascades.



Reges Treiben bei der Station Ménilmontant.



MF 01 n° 001 Richtung Nation unten in der Station.



Im Inneren einer MF 01. Gefällt mir ausgesprochen gut.



Auch ein schöner Rücken kann entzücken. Oder so. Ein sonniges Foto von Notre-Dame muss einfach sein.

Gegen eins schließlich bin ich wieder zurück im Hostel. Der gekaufte Proviant für den doch recht langen Trip nach Lissabon wird verstaut. Für den gelungenen Vormittag gibt es eine kleine Belohnung in Form ein Éclair au café, dass am Ufer des Bassin de la Villette verspeist wird. Dann, in voller Montur, quer durch die Stadt zur Gare Montparnasse. Auf der Anzeigentafel dann eine kleine Enttäuschung, den mein TGV nach Irún ist ,,complet". Eigentlich wollte ich ja eine Reservierung zum Tarif Abo forfait besorgen, die mich von meinem Gangplatz befreien hätte sollen. Aber gut, dann nicht. Voll bepackt fotografiert es sich nicht so gut, deswegen beschränke ich mich auf ein paar wenige Fotos und warte darauf, dass der Bahnsteig für meinen TGV angekündigt wird. Inzwischen wird traditionsbewusst noch die örtliche Filiale meiner bevorzugten Fast-Food-Kette aufgesucht, und dann kann ich mich auch schon auf den langen Weg entlang des Bahnsteigs zu meinem Wagen machen.



MP 59 n° 033 in der Station Cité.



Das Gebäude am Bassin de la Villette, in dem unter anderem mein Hostel untergebracht ist.



Das eisige Bassin de la Villette, im Hintergrund die Rotonde.



Der Querbahnsteig in der Gare de Montparnasse.



TGV Atlantique 367 ganz hinten am Voie 24.



TGV A 369 fährt als TGV 8546 nach Bordeaux. Die vordere Garnitur wird über Bordeaux hinaus als TGV 8543 bis nach Irún fahren.



Auf geht's Richtung Süden. Ins Warme.

Pünktlich fahren wir ab und schon nach wenigen Minuten beschleunigen wir auf der LGV. Mein Gangplatz ist gar nicht so übel, auf jeden Fall besser als ein Fensterplatz an der Wand, ein Übel, welches heutzutage in Mode zu sein scheint. Von der Fahrt selbst gibt es wenig zu berichten. Die obligatorische Völkerwanderung zur Bar gehört ebenso dazu wie das blaue Klowasser. Irgendwo zwischen Angoulême und Bordeaux gibt es zwei Langsamfahrstellen und so erreichen wir Bordeaux mit zehn Minuten Verspätung. Spätestens nach Biarritz leert sich der Zug und bald haben wir den Grenzfluss passiert und erreichen Irún. Früher betrug die Umsteigezeit zum Surex eine knappe Stunde, seit dem letzten Fahrplanwechsel wird man nun mit zwei Stunden Nichtstun gestraft. Neben mir steigen rund 30 andere Reisende aus, die Großteils Anschlussreisende weiter Richtung Lissabon zu sein scheinen. Nach einer knappen Stunde Warterei kommt dann endlich die Talgogaritur an den Bahnsteig, Einlass mitsamt Sicherheitskontrolle wird uns aber erst gegen zehn Uhr gewährt. Nachdem ich mich in meinem voll belegten 4er-Abteil eingerichtet habe, drehe ich eine Runde durch den Zug. Beim Knipsen scheint sich in jedem Wagen jemand anderes der Zugmannschaft aufzuregen, aber ein paar Fotos gelingen dennoch. Dann noch schnell ein Foto vom ganzen Zug und ich gehe mit dem guten Gefühl schlafen, am nächsten Morgen in Portugal aufzuwachen.



252 029 mit dem Arco 280 A Coruña - Hendaye in Irún.



253 023 mit einem Güterzug. Im Vordergrund die zwei Normalspurbahnsteige.



252 021 mit meinem Surex 313 nach Lisboa Santa Apolonia.

Danke für die Aufmerksamkeit, ich hoffe, es war trotz des recht geringen Schienenanteils interessant genug. Beim nächsten Teil gibt's dann aber garantiert wieder das volle Programm.
Morteratsch - fermeda sün dumanda

  • Martin
  • Global Moderator
  • Styria Mobile Team
Re: InterRail Feb' 12 | Tag 3 Paris | 48 B.
Antwort #1
Bravo!  :one:
GLG
Martin

  • Ch. Wagner
  • Member*
Re: InterRail Feb' 12 | Tag 3 Paris | 48 B.
Antwort #2
Sehr schön! Als kleine Belohnung gibt's den Eiffelturm:
LG! Christian
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"