Zum Hauptinhalt springen
  • Hallo und herzlich Willkommen im neuen Styria-Mobile-Forum!
    Melde Dich an bzw. registriere Dich um alle Bilder sowie Themen sehen zu können! 

Thema: InterRail Feb' 12 | Tag 4 Lisboa | 47 B. (1717-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Benutzer und 1 Gast betrachten dieses Thema.
  • flow
InterRail Feb' 12 | Tag 4 Lisboa | 47 B.
Am nächsten Morgen wache ich knapp hinter Guarda auf, es ist kurz nach sechs Uhr portugiesischer Zeit. Mittlerweile habe ich mich auch entschieden, nicht zur Linha da Vouga zu fahren, zu umständlich wäre das, mit einer Ankunft erst spät am Abend in Lissabon. Ich hoffe einfach darauf, dass bei den Einstellungsplänen mit Umstellung auf Busbetrieb doch noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, und wie man sieht, fährt sie ja noch immer. Mittlerweile geht die Sonne auf und ich stehe draußen am Gang und genieße die Fahrt. Im Barwagen gibt es dann um wenig Geld einen hervorragenden Café com leite und Bolo de Arroz. Bis Fátima hat sich mein Abteil geleert, ich breite mich noch einmal aus und lasse die portugiesische Landschaft draußen vorm Fenster an mir vorbeiziehen. Nicht lange, und wir erreichen Lisboa Oriente. Ich packe mein Zeug zusammen, suche noch zwei original verpackte Toilettebeutel als Mitbringsel für meine InterRail-Kumpanen zu Hause und nur wenige Minuten später stehe ich schon in Lisboa Santa Apolonia am Bahnsteig. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, wo noch der ,,alte" Surex mit Lok+Klassen fuhr, unter anderem mit WL UH, ist dieses Mal nicht einmal Platz in der Halle, stattdessen kommen wir auf der Nordseite auf Linha 2 an. Schnell ein paar Fotos vom anwesenden Rollmaterial geknipst, was mit zwei Rucksäcken nur der halbe Spaß ist, dann zur Metro. Am Automaten gibt's um 50 Cent eine Magnetkarte ,,Viva Viagem", auf die ich eine Einzelfahrt um 1,25€ lade. Mit der Linha Azul geht es drei Stationen bis Restauradores, mittlerweile weiß ich, dass das die bessere Variante ist, als zur Station Rossio zu fahren, was trotz des Namens länger dauern würde, um zu meinem Hostel Rossio zu kommen. Zum dritten Mal steige ich hier ab, sofort fühle ich mich wie zu Hause. Zu meiner Freude bekomme ich das gleiche Bett im gleichen Zimmer zugewiesen wie vor zwei Jahren. Schnell aus- und umgepackt und dann marschiere ich los Richtung Cais do Sodré. Meinen angebrochen ,,Fahrtag" meines InterRail-Tickets will ich noch ausnutzen und raus nach Cascais ans Meer fahren. Am Bahnhof komme ich dank anwesendem Personal problemlos an den Bahnsteigsperren vorbei, beim Fotografieren werde ich dann unmotiviert quer über zwei Gleise angewiesen, das sein zu lassen. So habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt, aber gut, viel steht eh nicht herum, ein Foto mache ich noch schnell geschützt hinter einem Triebwagen, dann mache ich es mir bequem in meiner Garnitur und warte auf die Abfahrt. Im Inneren sind die Züge samt Klimaanlage voll modernisiert und halbwegs bequem. Eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt, nachdem Lissabon verlassen ist, geht es durchwegs entlang der Küste entlang Richtung Westen.



5610 hat den Surex 313 von Vilar Formoso nach Lisboa Santa Apolonia gebracht.



5604 steht mit der Garnitur des IC 525 nach Porto Campanhã in der Halle.



2280 als Regional 4413 nach Tomar.



TW 580, Linie 15E zur Praça Figueira vor der Estação Cais do Sodré.



Auf der Linha de Cascais verkehren Doppelgarnituren aus den dreiteiligen 3150 und den vierteiligen 3250.



Ein weitere Doppelgarnitur, 3265 und 31xx.

Cascais ist ein nettes kleines Stadterl am westlichen Zipfel der Costa do Estoril. Früher Sommerfrische des portugiesischen Königshauses ist es heute eine der teuersten Adressen Portugals. Der alte Stadtkern ist gut erhalten und fein herausgeputzt, man flaniert, Touristen meine ich wenige zu erkennen. Mein erstes Ziel ist die Boca do Inferno etwas außerhalb an der Felsküste westlich der Stadt. Auf dem Weg komme ich am Museu Condes de Castro Guimarães  vorbei, einem Märchenschloss eines irischstämmigen Adeligen, das gerade mal ein knappes Jahrhundert alt ist. Danach geht es direkt an der schroffen Felsküste entlang. Viel weiter westlich kann man am europäischen Festland gar nicht kommen, der Cabo de Roca liegt nur knapp 15 Kilometer entfernt. An der Boca hat sich ein bescheidenes Besucherzentrum etabliert, welches jetzt außerhalb der Saison einen verschlafenen Eindruck macht, was mich aber nicht im Geringsten stört. Vielmehr suche ich mir ein ruhiges Platzerl auf den Felsen und mache es mir bequem. Das Rauschen des Meeres, ein leichtes Lüfterl, die Sonne heizt, traumhaft!



Die Praia da Rainha in Cascais...



... und der Fischereihafen.



Das Museu Condes de Castro Guimarães liegt in einer kleinen Bucht kurz bevor die Felsküste beginnt.



Finally...die Boca do Inferno.



Knapp zwei Kilometer weiter weist der Farol da Guia den Seefahrern seit 1761 den Weg.



Die zerklüftete Felsküste scheint ein beliebtes Angelrevier zu sein.



Eigentlich recht zahm, der Höllenmund.



Angler. Sag ich ja.



Noch ein Foto.



Das ist jetzt aber das letzte Büdl.

Irgendwann muss ich leider wieder aufbrechen und stakse über die zerklüfteten Felsen zurück Richtung Cascais. Auf einen Sprung ins Museu Condes de Castro Guimarães, dann durch den weitläufigen Park der Anlage und verwinkelte Gässchen wieder zurück in die Stadt. Dort mache ich mich auf die Suche nach Santinis, einem Eisgeschäft, dem von meinem Reiseführer geradezu wunderbare Fähigkeiten in der Herstellung der kalten Köstlichkeiten nachgesagt werden. Und so unrecht hat das Büchl in der Tat nicht. Mittlerweile gibt es auch eine Filiale in Lissabon und wer lieb fragt, dem sag ich auch, wo diese ist (wobei sie so schwer zu finden nicht ist). Mit dem nächsten Zug geht es dann wieder zurück nach Lissabon. Glücklicherweise muss ich nicht allzu lange warten, bis mir jemand den Zugang zum Bahnsteig durch die Sperren ermöglicht.



Der Kreuzgang mit Löwenbrunnen des Museu Condes de Castro Guimarães.



Im Parque Municipal da Gandarinha.



In den kleinen Gässchen von Cascais.



Flohmarkt im Jardim Visconde da Luz.



Der Eingang zum Stammhaus von Santinis versteckt sich gekonnt. Einmal gefunden, darf man sich dann aber mit einem unschlagbar guten Eis belohnen.



Mein Zug zurück nach Lissabon am Prellbock im Bahnhof von Cascais.

Zurück in der Stadt will ich mich jetzt endlich um die Straßenbahnen kümmern, auch ihretwegen bin ich doch hergekommen. In der Rua do Arsenal zwischen der Praça do Comércio und dem Largo do Corpo Santo fahren die Linien 15E, 18E und 25E, sie weist also für heutige Lissaboner Verhältnisse einen äußerst starken Verkehr auf. Kein Wunder also, dass auf den paar hundert Metern gleich einige Fotos im Kasten sind. Die Stadt, die alten ratternden Straßenbahnen, die Architektur, die Atmosphäre, alles ist derartig genial und ich bin dankbar, dass ich mittendrin sein darf.  



TW 576, Linie 18E nach Ajuda in der Rua do Arsenal. Aktuell fährt die 18E nicht mehr ab der Rua Alfândega sonder nur mehr ab Cais do Sodré.



Die Linie 25E hingegen darf weiterhin die paar hundert Meter bis zur Schleife in der Rua Alfândega fahren. TW 559 unterwegs Richtung Prazeres.



Das Lissaboner Rathaus, die Câmara Municipal de Lisboa, an der Praça do Municipio.



Großteils abgeschlossen sind die Renovierungsarbeiten auf der Praça do Comércio.



TW 506, Linie 15E nach Algés auf der Praça do Comércio.



TW 544, Linie 25E hat bis zur Endstation in der Rua Alfândega nur mehr ein kurzes Stückerl vor sich.

Von der Praça do Comércio sind es nur ein paar Schritte in die Baixa, das nach dem großen Erdbeben von 1755 planmäßig angelegte Zentrum der Altstadt. An dessen anderem, nördlichen Ende liegt der Rossio, quasi der Hauptplatz der Stadt, wo sich auch mein Hostel befindet. Eigentlich will ich ja nun dorthin, auf halben Weg durch die Baixa entscheide ich mich aber um, und will schauen, ob über der Alfama die Sonne schon untergegangen ist. Also umdrehen und den Gleisen der Linien 12E und 28E entlang auf den Hügel östlich der Baixa. Insgeheim hoffe ich, dass auch die Lissaboner Kathedrale, Sé, noch gut im Licht liegt, um diese klassische Motiv samt Straßenbahn abzuhaken, aber leider bin ich zu spät dran. Nur ein kurzes Stück oberhalb von Sé bekommt die volle Dröhnung Abendlicht ab, aber es will keine Elétrico vorbeikommen. Die trauen sich nämlich erst wieder hervor, nachdem die Sonne weg ist. Bis zur Verzweigung der zwei Linien hinter dem Largo das Portas do Sol traue ich mich vor, danach kehre ich um und gehe zurück in die Baixa, wo zum Glück kurz darauf die Straßenbeleuchtung eingeschaltet wird.



Rua de Vitória in der Baixa.



TW 548, Linie 28E nach Prazeres in der Rua da Conceição, im Hintergrund die Igreja da Madalena.



Genau vor dieser Kirche erwische ich TW 562 auf der Ringlinie 12E.



In der Gegenrichtung ist TW 561 als 28E unterwegs Richtung Martim Moniz.



In der Rua de Augusto Rosa, die Sonne brennt genau durch den Nordturm von Sé, nur leider weit und breit keine Bim.



TW 565, Linie 28E nach Prazeres, Rua da Limoeiro.



Aus den Gässchen der Alfama kommt TW 572, Linie 28E nach Prazeres, Rua das Escolas Gerais.



TW 543, Linie 28E nach Martim Moniz, Rua de Augusto Rosa.



TW 575, Linie 28E nach Martim Moniz, Rua de Augusto Rosa.



Kurz bevor die Lichter angehen: TW 577, Linie 28E nach Martim Moniz, Rua da Conceição.

Von der Rua da Conceição schaue ich gleich noch einen Sprung rüber zur Praça do Comércio, wo ich jetzt ein Motiv umsetzen will, das ich mir schon am Nachmittag überlegt habe. Die Umsetzung ist dann aber nicht ganz unproblematisch, da auch Taxis und Stadtbusse über den Platz wollen und auf einen dahergelaufenen Fotografen natürlich wenig Rücksicht nehmen. Die gefinkelte Ampelschaltung sorgt natürlich auch dafür, dass die Straßenbahnen zuerst alleine ums Eck rumpeln, dann aber an der Ampel warten müssen. Währenddessen drängelt sich mit schöner Regelmäßigkeit ein anderes Gefährt ins Motiv, sodass ich auf die Spurtstärke der alten Rumpelkisten hoffen muss. Das 85mm-Objektiv macht die Sache natürlich auch nicht viel einfacher. Nach vier halbgaren Versuchen binnen einer Viertelstunde reicht es mir dann, ich habe ja noch ein paar Tage Zeit, hier ein einwandfreies Foto zu machen.



Gummiradlerschaden: TW 566, Linie 25E nach Prazeres, Praça do Comércio.



Siemensschaden: TW 507, Linie 15E nach Belém, Praça do Comércio.



Scheinwerferschaden: TW 579, Linie 25E nach Prazeres, Praça do Comércio.



Noch das beste Büdl: TW 567, Linie 18E nach Ajuda, Praça do Comércio.

Weiter geht es in die Rua da Conceição, die die Hauptverkehrsachse der Baixa in Ost-West-Richtung darstellt. An ihrem westlichen Ende geht es dann steil bergan Richtung Chiado. Die Straßenzüge sind hier weitläufiger als drüben in der Alfama, die Häuser repräsentativer. Das Fotografieren geht recht gut von der Hand, der abendliche Hauptverkehr ist abgeklungen und die Straßenbahnen kommen in einer angenehmen Regelmäßigkeit. Ich folge den Gleisen bis zum Chiado, von wo nur ein paar Schritte zurück zum Hostel sind. Es ist zwar noch nicht spät, aber für heute will ich es gut sein lassen. Im Supermarkt um die Ecke decke ich mich dann noch mit diversen einheimischen Spezialitäten ein, nutze das Gratisinternet im Hostel und gehe dann recht früh schlafen.



TW 549, Linie 28E nach Martim Moniz, kommt die steile Calçada de São Francisco herunter.



Blick durch die Baixa in der Gegenrichtung. TW 560, Linie 28E nach Prazeres, Rua da Conceição.



Einzelne Autoscheinwerfer können dem Fotografen ganz schön Kopfzerbrechen bereiten.  TW 572, Linie 28E nach Martim Moniz, Rua Vitor Cordon.



Manchmal passt aber auch alles. TW 543, Linie 28E nach Prazeres, Rua Vitor Cordon.



Dank der Einparkkünste des BMW-Fahrers geht sich noch ein Foto vom TW 543 am Lago do Picadeiro aus.

Ich hoffe, der erste Tag in Lissabon war interessant mitzuverfolgen, morgen es geht dann unter anderem weiter mit einem Spaziergang entlang der 28E.
Morteratsch - fermeda sün dumanda

  • Ch. Wagner
  • Member*
Re: InterRail Feb' 12 | Tag 4 Lisboa | 47 B.
Antwort #1
Das ist genau die Art von Reportagen, die ich schätze: Fotos auch abseits der Strecken und ansprechende Kommentare. Und dafür gibt's natürlich ein Danke.
Interessant ist der Vergleich zu den Bildern von A. Pfeifers VEF Vortrag: er mußte immer gegen die Touristenmassen kämpfen und wich in den frühen Morgen aus. Allerdings war er auch nur ganz kurz in Lissabon.
LG! Christian
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

  • Martin
  • Global Moderator
  • Styria Mobile Team
Re: InterRail Feb' 12 | Tag 4 Lisboa | 47 B.
Antwort #2
Wie immer geniale Bilder in "flow-Qualität"!  :one: :one: :one:

Die Lust auf mehr wird ja bald gestillt  ;D
GLG
Martin

  • flow
Re: InterRail Feb' 12 | Tag 4 Lisboa | 47 B.
Antwort #3

Das ist genau die Art von Reportagen, die ich schätze: Fotos auch abseits der Strecken und ansprechende Kommentare. Und dafür gibt's natürlich ein Danke.
Interessant ist der Vergleich zu den Bildern von A. Pfeifers VEF Vortrag: er mußte immer gegen die Touristenmassen kämpfen und wich in den frühen Morgen aus. Allerdings war er auch nur ganz kurz in Lissabon.


Merci!
Leider gehen sich die Abende des VEF für mich nie aus, da ich mittwochs anderweitig verpflichtet bin - der Vortrag hätte mich natürlich interessiert. Nach eigener Erfahrung kann ich aber natürlich den Feber als Reisemonat empfehlen. Es kommen ja noch einige Fotos vom Tage.


Sehe ich auch so. Ich hab die Texte jetzt nur überflogen, um einen Hinweis zu finden, wie die NAchtaufnahmen gemacht wurden, habe aber nichts gefunden. Ich nehme einmal an, nicht mit Stativ, aber z.B. hier würden mir die Einstellungen interessieren.


Danke auch dir!
Das konkrete Büdl: 85mm, f/2,8, 1/125, ISO 3200, die restlichen Fotos der Serie weisen ähnliche Einstellungen auf. Die Serie an der Praça do Comércio sind noch mit 1600 ASA, für den Rest hat es dann 3200 gebraucht, teilweise auch Blende 2. An dem Abend hab ich mit dem 85er gearbeitet, sonst auch mit den anderen Scherben.
Morteratsch - fermeda sün dumanda