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Thema: InterRail Aug' 12 | Tag 0, 1, 2 Anreise | 37 B. (1913-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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InterRail Aug' 12 | Tag 0, 1, 2 Anreise | 37 B.
Aus aktuellem Anlass, da ich ja als Belohung ein paar Fotos der Looe Valley Line versprochen habe, starte ich nun diesen neuen Reisebericht vom August 2012. Fotos sind alle schon ausgearbeitet, ich muss nur ein paar Zeilen Text schreiben, sodass ich hoffe, schneller voranzukommen, als mit dem noch offenen Bericht aus dem Februar - auf den ich aber nicht vergessen habe. Bis es aber soweit ist, und die Fotos aus Liskeard und Looe dran sind, darf ich euch mit ein paar Fotos der gesamten Reise zwangsbeglücken:

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Los geht's

Wenn man vorzeitig von einer Hochzeit am Georgischlössl aufbricht, muss man schon einen triftigen Grund haben. In meinem Fall befindet sich dieser Grund um die 2400 Kilometer entfernt, sodass ich zwei Nächte für die Anreise brauchen werde und ich deshalb gut daran tue, rechtzeitig loszufahren. Gut gelaunt (es ist schließlich eine gelungene Hochzeit) besteige ich Dienstag am Abend also in Ehrenhausen die S5, die mich nach Graz bringt. Zugunsten mehr Zeit auf der Hochzeit habe ich mich für die letztmögliche Verbindung entschieden, mit der ich den Nachtzug nach Zürich erreiche, dafür habe ich allerdings keine Gelegenheit mehr, die Lounge zu besuchen. Stattdessen entere ich gleich nach der Ankunft der S-Bahn meinen Schlafwagen im EN 464 und darf mich wieder einmal über mein Glück wundern: T3 gebucht, Single bekommen, es ist sogar nur mein Bett herunter geklappt.

Nachdem ich mich häuslich eingerichtet habe, bemerke ich im Nachbarabteil ein Pärchen aus der Weststeiermark, dass offenbar noch nie mit dem Schlafwagen unterwegs war und sich über eine kurze Einweisung meinerseits sehr freut. Die beiden fahren zusammen mit ihrem Auto bis Feldkirch, um anschließend Freunde am Bodensee zu besuchen. Flug haben sie keinen günstigen bekommen und die lange Strecke will auch keiner der beiden mit dem Auto fahren, weswegen sie sich für den Zug entschieden haben. Als ich ihnen von meiner Route erzähle schütteln sie aber dennoch ein wenig den Kopf und fragen sich, warum ich denn nicht einfach den Flieger nehme. Wir plaudern noch ein wenig, dann zieht sich jeder in sein Abteil zurück. Es dauert dann auch nicht mehr lange bis zur Abfahrt. Ich gebe meine Frühstücksbestellung ab und ordere zwecks Kopfwehprävention noch ein Mineral. Später stehe ich mit meinem Sekt, den es zusammen mit einem Minipackerl Mannerschnitten als Begrüßung gibt, im abgedunkelten und leeren Gang und genieße die Fahrt durch die Nacht bevor ich mich zu Bett begebe.



1116 051 bringt uns durch die Nacht.



Glanz einer vergangenen Epoche?



Der Zug füllt sich.



Schlummertrunk und Reisenotizen. Wer findet den Fehler?



So reist man gerne. Natürlich im WL AB30 ex P.

Nach einer, gemessen an der vorabendichen Party, recht angenehmen Nacht werde ich schon vor Feldkirch geweckt. Musste das sein? Bis Buchs SG bleibe ich noch liegen, dann wird das Frühstück serviert. Bei meiner letzten Fahrt im Februar waren im T3 nur vier Komponenten inklusive, mittlerweile wurde das Angebot wieder auf sechs aufgestockt. Das Joghurt kommt von einer anderen Firma und kann mich nur begrenzt überzeugen, auch der Orangensaft kommt jetzt nicht mehr aus der Glasflasche, aber ganz generell ist das schon ein sehr feines Frühstück. CNL, schaut euch das an! Die restliche Fahrt bis Zürich verläuft gemütlich entlang von Walensee und Zürichsee, diesmal ist das Abteilfenster nämlich auf der richtigen Seite. In Thalwil steht die 2143 012 der RTS, dann fahren wir auch schon pünktlich in Zürich HB ein. Somit geht sich mein Anschluss zum TGV Lyria nach Paris ohne Probleme aus, zum Glück, denn der nächste fährt erst zwei Stunden später, was dann in Paris dann unnötigen Stress bedeuten würde. Aber es läuft ja alles planmäßig.

Am Bahnsteig schaue ich dann ganz schön, als ein Doppelstock-TGV bereit steht. Daran hätte ich Dummerl wirklich denken können, jetzt gneiß ich auch endlich, warum auf meiner Reservierung ,,unten" drauf steht. Die TGV 2N2 Garnitur ist quasi brandneu, ich fühle mich in den Duplex wie immer sehr wohl. Allerdings sind die Sitze auf Dauer nicht vollkommen angenehm, aber es gibt Schlimmeres. Spezielles Merkmal der neuen Züge sind Infomonitore, die Fahrtverlauf sowie aktuelle Geschwindigkeit anzeigen, aber momentan nur im Probebetrieb laufen. Weiters gibt es digitale Reservierungsanzeigen dank derer ich gleich weiß, dass ab Dijon der Platz neben mir besetzt sein wird - was dann aber zu meiner Freude doch nicht eintritt. Die Fahrt verläuft unspektakulär, auf der LGV komme ich zwischen Belfort Montbéliard TGV und Besançon TGV auf handgestoppte 289 km/h Schnitt, was angesichts einer Höchstgeschwindigkeit von 319 km/h doch eher unspektakulär ist. Nach vier Stunden kommen wir schließlich pünktlich an der Gare de Lyon in Paris an.



Guten Morgen in Buchs SG!



Das gute EN-Frühstück darf natürlich nicht fehlen.



Re 4/4 II 11115 hat uns pünktlich nach Zürich HB gebracht.



Re 460 050 mit einer IC-Garnitur.



Wohin? Nach Paris, Gleis 13!



Die brandneue Garnitur 4715, gerade acht Tage ist sie im Einsatz, wird mich nach Paris bringen.



318 km/h, nicht schlecht...



Irgendwo auf der LGV Rhin-Rhône.



Innenansicht im Unterdeck 2. Klasse des TGV 2N2.

Mehr als drei Stunden Zeit habe ich nun bis zur Weiterfahrt und weiß nicht, was ich damit anstellen soll. Ich entscheide mich schließlich für eine kleine Stadtrundfahrt mit der Métro, großartige Motivation zum Hatschen mit zwei Rucksäcken verspüre ich nämlich nicht. Also rein in die 14, bis Bercy, dann mit der 6 bis Étoile und schließlich mit der 1 zurück in die Stadt, auf der Suche nach Essbarem. Ich bilde mir ein, unweit des Hôtel de Ville eine Filiale meiner favorisierten Fast-Food-Kette zu kennen, kann sie aber beim besten Willen nicht finden. Also wird umdisponiert und ich spaziere, mit der drückenden Schwüle kämpfend, zur Île Saint-Louis, wo ich es mir dann am Quai bequem mache und dem Treiben ringsum zuschauen kann. Zusätzlich belohne ich mich für die Schinderei mit einem Eis von Berthillon - das Stammhaus in der Rue Saint-Louis en l'Île hat zwar geschlossen, aber die Cafés ringsum springen dankenswerter Weise in die Bresche. Anschließend fahre ich mit der 4, wo schon zahlreiche MP 89CC im Einsatz sind, zur Gare du Nord und kehre beim dortigen Fast-Food-Tempel ein, der Tag ist gerettet. Dann wird es Zeit, mich zum Check-in des Eurostar zu begeben.

Also rein in den Bahnhof, rauf auf die Galerie, Ticket-Ausdruck rausgekramt und durch die Sperre. Alles verläuft sehr unspektakulär und routiniert, einzig der britische Beamte bei der Passkontrolle amüsiert sich ein wenig über mein Passfoto, aber es gibt keinerlei Probleme (immerhin zeigt es auch mein zehn Jahre jüngeres ich...). Nach Ticket-, Pass- und Gepäckkontrolle bleibt noch genug Zeit, den Wartebereich zu erkunden und ein klein wenig Proviant zu kaufen. Auffällig sind die viel zu kleinen und verlotterten Toilettenanlagen, immerhin passt die Sauberkeit. 25 Minuten vor der Abfahrt öffnen sich dann die Gates und man kann auf den Bahnsteig. Ich habe mich in Wagen 16 gebucht, der direkt neben dem Abgang steht und bei der Buchung noch angenehm leer war. In der Tat bleibt auch jetzt der Sitz neben mir frei, obwohl sich der Wagen bis zur Abfahrt locker zu gut drei Viertel füllt. Nach der Abfahrt hole ich mir im Barwagen passend zur Uhrzeit einen großen Tee, der Preis ist mit 2,50€ durchaus moderat. Die Fahrt verläuft ruhig und unspektakulär, bevor es in den Chunnel geht, erfolgt eine kurze Durchsage des Lokführers, der eine Durchfahrtsdauer von knapp 21 Minuten ankündigt. Ich stoppe 20 Minuten, 18 Sekunden.



Überblick über eine Hälfte der Hall 1 der Gare de Lyon.



Hat das Warten ein Ende?



MP 73 n° 6525 Richtung Nation in der Station Bercy.



An der Ecke Rue Grenier sur l'Eau und Rue des Barres.



Blick über die Place Louis Aragon an der Westspitze der Île Saint-Louis hinüber auf die Île de la Cité



Die belebte Hauptstraße der Île Saint-Louis.



MP 89CC n° 13 Richtung Porte d'Orléans in der Station Cité.



Blick von der Eurostar-Galerie auf den ,,internationalen" Teil der Gare du Nord.



Schnell ein Foto ,,meines" Wagens bevor er sich füllt.



Tea Time!

Pünktlich erreichen wir nach nur zwei Stunden und 17 Minuten St Pancras International, 40 Minuten Zeit habe ich also für den nächsten Bahnhofswechsel. Zuerst muss ich mich aber noch den langen Bahnsteig entlang kämpfen, immerhin steht Wagen 16 ziemlich weit hinten. Schnell noch ein paar Fotos vom Zug, dann werde ich noch um ein Familienfoto gebeten, ein Wunsch, dem ich natürlich nachkomme, schließlich scheint der kleine Knirps genauso begeistert von der Fahrt wie ich. Die Security scheint allerdings unsere Begeisterung nicht ganz zu teilen und deutet uns, das Fotografieren dann auch mal sein zu lassen und vom Bahnsteig zu gehen. Dem Wunsch komme ich gerne nach, langsam muss ich mich ohnehin beeilen, schließlich möchte ich ja auch noch frischen Proviant bunkern. Ich hirsche also den knappen Kilometer oder so die Euston Road hinauf zur Euston Station, wo ich den 1910 Euston - Holyhead erwischen möchte. Ein schneller Blick auf die Anzeigetafel, der Zug ist noch nicht angeschrieben, passt, also schnell zu M&S um eine schöne englische Jause mit Sandwich, Salt&Vinegar Chips und Shortbread zu kaufen. Kaum bin ich dann zurück in der Halle setzt sich auch schon eine ganze Meute in Bewegung: Mein Zug wurde gerade angeschrieben und fährt im hintersten Winkel auf platform 18 ab. Wie sollen alle diese Leute in diese Super Voyager-Doppelgarnitur passen? Obendrein fährt auch nur der vordere Teil durch bis Holyhead, na super. Trotz schweren Gepäcks kann ich einige Meter gutmachen und erreiche den vorderen Triebwagen recht früh. Aber fast alle Sitzplätze sind reserviert, na herrlich! Schließlich findet sich doch noch ein freier Fensterplatz an einem Vierer und zufrieden sinke ich in meinen Sitz. Angenehm ist aber anders. Bis zur Abfahrt füllt sich der Zug bis auf den letzten Platz, dann geht es los auf die vorletzte Etappe. In Crewe steigen dann viele Leute aus, entlang der North Wales Line leert sich der Zug dann weiter. Nur mein Vierer bleibt voll, na herrlich.



Willkommen in St Pancras International!



Garnitur 3232 als Eurostar 9047 hat uns pünktlich auf die Insel gebracht.



"The Meeting Place" von Paul Day.



Nicht so gemütlich. Super Voyager.

Gegen elf Uhr am Abend erreichen wir dann endlich Holyhead, wo doch einige Leute aussteigen, wovon die meisten wohl so wie ich eine Nachtfähre nach Dublin nehmen wollen. Es nieselt ein wenig und ein kräftiger, kalter Wind bläst. Zum Glück ist das Fährterminal direkt an den Bahnhof angeschlossen. Ich kaufe mir eine Karte bei Stena Line, hier ist das Prozedere, um die InterRail-Ermäßigung zu bekommen viel einfacher als bei der Konurrenz, Irish Ferries. Dann baue ich mein Lager aus und warte auf die Abfahrt um 0230 und versuche ein wenig zu schlafen. Das klappt so leidlich, so gegen zwei kommt dann wieder Leben in die Wartenden, denn eigentlich wäre jetzt Zeit für den Check-in. Schnell bilden sich zwei Schlangen, denn Stena Line und Irish Ferries bieten quasi zur selben Zeit diese Nachtüberfahrt an. Während es aber drüben bei Irish Ferries schnell und planmäßig abläuft, passiert bei uns - nichts. Man wartet, wird ungeduldig, aber der Schalter bleibt verwaist. Schließlich wird durchgesagt, unsere Abfahrt wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern. Vielleicht liegt das ja an den sea conditions: ,,rough" wird da auf den Monitoren angezeigt, na, das kann ja noch heiter werden.

Dann endlich, mit einer guten halben Stunde Verzögerung geht es endlich weiter. Check-in und Gepäckaufgabe (große Gepäckstücke dürfen nicht an Bord mitgenommen werden, sondern müssen separat eingecheckt werden), dann dürfen wir in den nächsten Wartesaal. Eigentlich sollten wir um diese Zeit gerade ablegen. Nach fortgesetzter Warterei ist es schließlich soweit und um drei Uhr bin ich auf der Fähre und mit etwa einer dreiviertel Stunde Verspätung legen wir schließlich ab. Draußen ist das Wetter nicht freundlicher geworden und so wundere ich mich nicht, als uns der Kapitän per Lautsprecherdurchsage begrüßt und und sich für die durch die raue See entstandene Verspätung entschuldigt: ,,Leider muss die Bar auf dieser Überfahrt geschlossen bleiben, da es zu einigen Schäden gekommen ist". Auf offener See geht es dann los, wir schaukeln auf und ab, die Wellen knallen gegen das Schiff, das unter der Belastung schön gespenstisch knarzt. Trotz allem kann ich auf meiner Matte, die ich einfach in einem Eck des Passagierdecks ausgerollt habe, gut schlafen, bis wir morgens gegen sieben Uhr mit etwa einer Stunde Verspätung in Dublin ankommen. Nachdem wir in der kleinen Ankunftshalle unser Gepäck wieder bekommen haben, bringt uns ein Shuttlebus direkt ins Stadtzentrum in die Westmoreland Street. Alternativ könnte man sich das Geld auch sparen und zu Fuß in die Stadt marschieren, allerdings wäre mir das heute ein wenig zu ambitioniert. Nach gut 35 Stunden und etwas über 2400 Kilometern habe ich also Dublin erreicht. Eine sehr schöne und absolut problemlos zu befahrende Strecke muss ich sagen.



Ankunft Holyhead. Kalt, nass, windig.



ATW 175 110 in der Bahnhofshalle von Holyhead.



]Direkter Zugang zum Fährterminal im Bahnhof von Holyhead.



Willkommen in Holyhead Terminal! Hier darf ich es mir die nächsten Stunden gemütlich machen.



Warten aufs Boarding um drei Uhr am Morgen.



Endlich auf der Fähre.



Ruhesessel. Knarzen ziemlich. Am Boden schläft es sich besser, vorausgesetzt man hat eine gute Matte dabei.

Die letzte und vielleicht sogar schwierigste Aufgabe steht mir allerdings noch bevor: Ich muss auf den Campus der DCU, der Dublin City University. Prinzipiell ja kein Problem, wenn es aber keinerlei Netzplan, geschweige denn Linienpläne der tausend Buslinien gibt, die kreuz und quer durch Dublin fahren, wird das doch zu einer gewissen Aufgabe. Ich entscheide mich dafür, die O'Connell Street entlang zu gehen und mich bei vorbeikommenden Bussen durchzufragen. Dabei komme ich auch am Informationsbüro von Dublinbus vorbei, aber das hat natürlich noch geschlossen. Trotzdem finde ich schließlich die richtige Haltestelle (es gibt auf der ganzen Länge der O'Connell Street geschätzte 20 Bushaltestellen) und bin wenig später tatsächlich am Gelände der DCU. Hier finden vom 12. bis 18. August die WJUC statt, wo ich ein wenig schlachtenbummeln werde.



Welcome at WJUC/EUC 2012!

Ich hoffe, es hat bis hierhin gefallen, es wird bald weiter gehen, versprochen.


Morteratsch - fermeda sün dumanda

  • Ch. Wagner
  • Member*
Re: InterRail Aug' 12 | Tag 0, 1, 2 Anreise | 37 B.
Antwort #1
Das verdient natürlich eine schriftliches "Danke"!
LG! Christian
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"