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Thema: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug (6215-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
...auf dem Weg nach Granada bin ich kürzlich mit dem Nizza-Zug der RZD von Wien Hütteldorf bis Nice-Ville gefahren. Von Nizza ging es dann über Avignon, Barcelona nach Granada, wo ich eine Cousine von mir besuchte. Bis Avignon fuhr noch ein Freund aus der Schweiz mit, der wollte sich den Nizza-Zug natürlich auch nicht entgehen lassen.
Nach dem Treffen am Wiener Westbahnhof ging es mit der Elektritschka zum Vorortbahnhof Wien Hütteldorf, wo der RZD-Zug seit Fahrplanwechsel seinen einzigen Verkehrshalt in Wien hat.

Nachstehend ein paar Eindrücke von der Fahrt:

RZD Onlineticket:


Für Schlafwagenfreunde noch ein nettes Detail am Fahrkartenschalter in Hütteldorf:


Wien Hütteldorf, Bahnsteig 3 - Zug kam ca 10min zu früh an:










In Wien Hütteldorf steigen auch zahlreiche Fahrgäste aus; und ausser uns noch zwei Russinnen ein.


Abteil:




Erster Tagesordnungspunkt nach der Abfahrt war der Besuch des WARS-Speisewagens zwecks Mittagessen. Der Wagen ist weihnachtlich geschmückt, das Personal parliert russisch (englisch geht aber wohl auch) und die Speisekarte ist nicht die von WARS-Speisewagen gewohnte.
Während der Zug im Wienerwaldtunnel auf 200 beschleunigt, wird die russisch-/englischsprachige Karte inspiziert. Sowohl der Umfang als auch das Preisniveau liegen angepasst an die Zielgruppe deutlich über dem WARS-Standard. Aber egal, nach dem ersten Schock beschliessen wir, dass heute ordentlich auf den Putz gehauen wird. Man macht das ja nicht jedes Wochenende...

















Zum Mittagessen gibt es "kurinaja grudka po-franzuski":


Es ist irgendwie schon eine eigenartige Atmosphäre, der Zug ist eine richtige rollende russische Exklave in Mitteleuropa. Der Speisewagen wird mit Popmusik beschallt, die Fahrgäste tragen - wie es sich gehört - meist "Tapochki" und Jogginganzug. Sehr schön!
Natürlich fährt nicht jeder Russe an die Cote d'Azur, aber zumindest in den gewöhnlichen Schlafwagen macht das Publikum einen ganz normalen Eindruck. Auch Familien mit Kindern und Grossmüttern sind da dabei.
Der Zug besteht auf unserer Fahrt übrigens aus 8 normalen WL (davon nur einer mit Abteilen in 3er-Belegung, alle anderen als Double oder ggf Single), einem WR und 3 Luxusschlafwagen (mit je 4 grossen 2er-Abteilen mit eigenem Badezimmer). Auf der Hinfahrt ist der Zug nicht wirklich voll, aber auf der Rückfahrt war er an jenem Wochenende so gut wie ausgebucht (jedenfalls dann ab Wien, ab dort waren ca 30-40 zusteigende Fahrgäste gebucht, deren Plätze natürlich von Nizza bis Wien buchbar sind).

In Österreich hat der Zug nur in Wien Hütteldorf und Innsbruck Verkehrshalte; er fährt via Zell am See und hat unterwegs einige fahrplanmässige Betriebshalte. Die Fahrzeit ist sehr entspannt. Bis zur Vorbeifahrt an Salzburg (via Schleife direkt nach Gnigl, ohne Stürzen am Hbf) halten wir den Fahrplan sehr genau ein (es reicht dazu aber meist Vmax 160 auch auf den Schnellfahrabschnitten), ab dort kam es dann zu deutlichen Verfrühungen, da die geplanten Betriebshalte nicht stattfanden.

Irgendwo im Pinzgau beschliessen wir dann, dass es Zeit fürs Abendessen ist. Jetzt wird dann das volle Programm bestellt. Als Vorspeise gab es Bruscetta bzw die Hummersuppe, danach teilten wir uns eine Portion Wareniki und als Höhepunkt musste natürlich ein Känguruhsteak her. Es gab aber nur mehr ein "stejk iz kenguru", sodass wir uns je ein solches und ein "stejk 'kaen'" teilten. Beide - wie auch alles andere - haben vorzüglich geschmeckt und wurden natürlich frisch in der Küche zubereitet.
Und als Nachspeise gab es natürlich die auch aus dem normale WARS-WR bekannte Schokotorte.
Reichlich dekadent war das Mahl, aber was solls! Und immerhin haben wir ja auf die Froschschenkel und die Flasche Champagner um 120 EUR verzichtet...


Bruscetta:


Wareniki:


stejk iz kenguru:


stejk 'kaen':


Schokotorte:



Während wir schlemmen, zieht draussen Bahnhof um Bahnhof vorbei, ohne dass der Zug Anstalten macht die Betriebshalte einzuhalten. So sind wir dann schon um 20h30 in Wörgl, wo es einen kurzen Aufenthalt gibt, bevor wir via Neubaustrecke das Inntal der Länge nach unterqueren und dann mit -56 in Innsbruck ankommen...


In Innsbruck stehen wir nun ca 1,5 Stunden:










Bitte die Fahrzeugpapiere vorweisen - Einblick in das Dienstabteil des ÖBB-ZUBs:


DB meets RZD:




Ab Innsbruck brachte uns dann eine 1216er rauf auf den Brenner:


Da hat wohl eine Provdniza einen Verehrer:


In Innsbruck haben wir noch die Provodnizas eines der Luxuswagen dazu bewegen können uns eine "Vor-Ort-Anleitung" eines unbelegten Luxusabteiles zu ermöglichen:












Jeder dieser Wagen hat eine Bar, die sah aber zumindest zu dieser Tageszeit eher verwaist aus:




Pünktlich erfolgte dann die Abfahrt in Innsbruck. Am Brenner ist dann Zeit für die Nachtruhe, wir bekommen aber noch mit, dass sich die Abfahrt um 30min verzögert.


Die Nachruhe war nicht ganz optimal, und zwar aus folgenden Gründen:
- wie in Russland üblich ist der Zug überheizt. Warum scheint dort jeder Provodnik zu glauben, dass 25 Grad und mehr die ideale Schlaftemperatur ist? Bei einem nächtlichen WC-Besuch bin ich dann zufällig im Dienstabteil an einem Schalter angekommen, ab dann ging es besser... :-)
- weder in Brest noch in Warschau (wo der WR eingereiht wird) weiss man anscheinend, wie man Wagen richtig kuppelt, die Kupplungen haben extrem viel Spiel und es ruckelt ordentlich. Beim rasanten italienischen Fahrstil fürchte ich manchmal, dass es den Zug gleich zerreisst...

Wie auch immer. Trenitalia hat über Nacht die Verspätung ordentlich ausgebaut, sodass wir am nächsten Morgen wir dann mit ca +65 der italienischen Riviera entlang fahren.

Ich kaufe eine 'r':




Gefrühstückt wird natürlich auch bei WARS:


Bei der Ankunft am Grenzbahnhof Ventimiglia rechnen wir uns eigentlich Chancen auf Reduktion der Verspätung aus, was der Erreichung des gebuchten TGV um 10h57 (67' nach Planankunft des Zuges aus Moskau) in Nizza dienlich wäre:




Bei der Ankunft war die Abfahrtsverspätung noch mit +45 angekündigt, nun sind es +50 - aber auch daraus wird nichts:


Der Lokwechsel:
















Alles geht sehr gemütlich vor sich, da ist wohl eher nix mit Verspätung aufholen.




Fast das gesamte russische Zugspersonal ist übrigens ausgeschwärmt um einen Supermarkt in Bahnhofsnähe leerzukaufen. Währenddessen inspiziert die strenge SNCF-Zugchefin den Zug, v.a. die Türen haben es ihr angetan. Extra für vorschriftsliebende Zugchefs und Wagenmeister in Resteuropa hat die RZD für die in der Regel deaktivierten Türen am jeweils dienstabteilfernen Wagenende "Türstörungs"-Zettel angefertigt, die sind auch an den meisten betroffenen Türen angebracht. Denn wenn die Tür dort nicht auf Knopfdruck auf- oder zugeht und kein solcher Zettel an der Tür hängt, dann wird schonmal mit Wagenausreihung gedroht...


Die Russen kommen zurück von ihrer Einkaufstour:








Der SNCF-Fahrdienstleiter tritt in Aktion und irgendwann setzt sich der Zug dann in Bewegung - mit ca 70min Verspätung.


Fahrt entlang der Cote d'Azur:




Zwischenhalt in Monaco Monte-Carlo:




Weiter geht es:












Ankunft Nice-Ville:






Da an den Anschluss eh nicht mehr zu denken ist, haben wir noch Zeit für ein paar Fotos des schönen RZD-Zuges:

















Das war's von der Fahrt im RZD-Zug nach Nizza. Kann durchaus zur Nachahmung emfohlen werden, und eigentlich könnten RZD/WARS auch reine Gourmetfahrten im WR von Wien nach Innsbruck anbieten ;-)

Zu knapp geplante Reiseketten, die Anschlussversäumnisse nicht verzeihen, sollte man aber ab Nizza eher nicht einplanen. Zum Glück fährt der Nachtzug Barcelona - Granada nicht an Samstagen, denn wenn ich geplant hätte, den am selben Tag in Barcelona zu erreichen, dann hätte ich ein gröberes Problem gehabt.
So mussten wir nur eine neue TGV-Reservierung kaufen und die eigentlich geplante Fahrt mit dem Nahverkehr entlang der nicht elektrifizierten Küstenstrecke westlich von Marseille fiel tageslichtbedingt aus. Wir sind dann gleich auf direktem Weg nach Avignon gefahren.
Alles halb so schlimm, eine Woche später wären wir wohl in Italien gestrandet und hätten uns dann anschauen können, wie gut Trenitalia die Organisation eines Schienenersatzverkehres für den RZD-Zug hinbekommt: http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/intercity-in-italien-entgleist-und-fast-ins-meer-gestuerzt-1.18223863


Provodnik

  • flow
Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #1
Super danke!

Fahrt ist auch schon geplant für irgendwann heuer... ;D


- wie in Russland üblich ist der Zug überheizt. Warum scheint dort jeder Provodnik zu glauben, dass 25 Grad und mehr die ideale Schlaftemperatur ist? Bei einem nächtlichen WC-Besuch bin ich dann zufällig im Dienstabteil an einem Schalter angekommen, ab dann ging es besser... :-)


Wie kommt man ins Dienstabteil...?


In Innsbruck haben wir noch die Provodnizas eines der Luxuswagen dazu bewegen können uns eine "Vor-Ort-Anleitung" eines unbelegten Luxusabteiles zu ermöglichen:


Wie schätzt du da die Chancen ein, das ohne Russischkenntnisse zu bewerkstelligen?
Morteratsch - fermada sin damonda

Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #2

Super danke!

Fahrt ist auch schon geplant für irgendwann heuer... ;D


- wie in Russland üblich ist der Zug überheizt. Warum scheint dort jeder Provodnik zu glauben, dass 25 Grad und mehr die ideale Schlaftemperatur ist? Bei einem nächtlichen WC-Besuch bin ich dann zufällig im Dienstabteil an einem Schalter angekommen, ab dann ging es besser... :-)


Wie kommt man ins Dienstabteil...?


War wie immer offen. Im Dienstabteil befindet sich ja auch der Samowar, wo man sich als Fahrgast jederzeit selbst kochendes Wasser (zB für Tee) holen kann.
Daneben gibt es noch das Schaffnerruheabteil, in dem die Provodniks geschlafen haben. Ich hab ja eigentlich angeklopft udn wollte sie ersuchen, die Heizung auszuschalten, aber die haben wohl zu tief geschlafen. So musste ich halt selbst aktiv werden...

Zitat


In Innsbruck haben wir noch die Provodnizas eines der Luxuswagen dazu bewegen können uns eine "Vor-Ort-Anleitung" eines unbelegten Luxusabteiles zu ermöglichen:


Wie schätzt du da die Chancen ein, das ohne Russischkenntnisse zu bewerkstelligen?


Schwer zu sagen...

Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #3
Herzlichen Dank für den interessanten Bericht! :D


Fahrt ist auch schon geplant für irgendwann heuer... ;D



Da bist du nicht der einzige...  :pfeifend:

  • Ch. Wagner
Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #4

aber die haben wohl zu tief geschlafen. So musste ich halt selbst aktiv werden...


Ins Reisegepäck gehört natürlich nicht nur ein Vierkant, sondern auch der Dreikant!

LG!Christian
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #5


aber die haben wohl zu tief geschlafen. So musste ich halt selbst aktiv werden...


Ins Reisegepäck gehört natürlich nicht nur ein Vierkant, sondern auch der Dreikant!

LG!Christian


Kleine OT - Frage am Rande: Wer paßt eigentlich wo? 8)
Steirerbluat is koa Himbeersaft!

  • Ch. Wagner
Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #6
Rußland und die anderen Nachfolgstaaten benutzen zumeist den Dreikant, die meisten anderen den Vierkant. Einfach in den Baumarkt des Vertrauens gehen oder bei www.manufactum.at bestellen.
LG! Christian
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

  • kroko
Re: Wien - Nizza: Eine kulinarisch hochwertige Reise im RZD-Zug
Antwort #7
Schöne Bilder, danke. Anhand der Fahrkarte kommt's mir auch recht günstig vor - jedenfalls viel billiger als ich gedacht hätte.