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Thema: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28 (1728-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

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  • Martin
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  • Styria Mobile Team
Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Das Geburtshaus von Alexander Girardi in der Grazer Leonhardstraße wurde heute von Aktivisten besetzt. - Sie fordern Maßnahmen gegen den Verfall des Hauses und möchten darin ein Begegnungszentrum für Künstler haben.
Auch die Verkehrswende scheint den Aktivisten wichtig.
Der Straßenbahnverkehr war nicht von der Aktion betroffen.

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/5847455/Graz_Girardihaus-in-der-Leonhardstrasse-besetzt

https://www.krone.at/2203222
GLG
Martin

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #1
Welcher Eigentümer lässt sein besetztes Haus nicht räumen? Wer von uns würde so etwas tatenlos dulden?

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #2
Welcher Eigentümer lässt sein besetztes Haus nicht räumen? Wer von uns würde so etwas tatenlos dulden?

Gegenfrage. welcher Haubesitzer lässt sein Haus, dass noch dazu unter Denkmalschutz steht, mutwillig verfallen? Hier geht es doch nur um reine Immobilienspekulation und nichts anderes.

Meine Sympathien haben die Hausbesetzer jedenfalls, ebenso wie die Aktivisten mit den Flugzetteln/der Internetseite gegen den überbordenden Kfz-Verkehr.

Wer nicht hören will, muss halt manchmal fühlen!

W.
"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
(Carlo Schmid, SPD, 1948)

  • FlipsP
Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #3
Die Flugzettelaktion empfand ich auch als eine willkommene Abwechslung und auch die Hausbesetzung ohne Blockierung des ÖV sehe ich positiv. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man nicht ständig um irgendwelche Häuser nachtrauern muss, nur weil darin zB irgendjemand vor 170 Jahren geboren wurde. Es gibt sicher schützenswerte Objekte, sogar sehr viele, aber das Leben ist Veränderung und das heißt, dass Altes für Neues weicht.

Gleiches gilt für mich zB bei den Häusern am Dietrichsteinplatz (die ja für die neue Feuerwache geschleift werden sollen). Nur weil das Gebäude alt (ein Geburtshaus oder sonst etwas) ist, ist es nicht automatisch schützenswert.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!  ;)

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #4
Was kulturhistorisch schützenswert ist, darüber gibt es Fachmeinungen seitens des Bundesdenkmalamtes und der Altstadtschutzkommission und da geht es eigentlich nicht darum, wer da drinnen geboren wurde, sondern welche städtebaulichen, architektonischen und kulturhistorischen Wert ein solches Gebäude hat. Und gerade dafür ist eigentlich Graz weltberühmt, nämlich eine baulich intakte Innenstadt zu haben, die in der Vergangenheit (!) durch architektonisch wertvolle Gebäude ergänzt wurde (u. a. Kunsthaus, Zaha Hadid), z. T. auch unter Einbeziehung des Alt-Bestandes.

Allerdings wird und wurde in der jüngsten Vergangenheit sehr viel (v. a. in Villenvierteln) zugunsten von gesichtsloser Architektur abgerissen. Das kann aber nicht das Ziel sein.. Man kann nicht alles erhalten, aber gerade ein typisches Vorstadthaus, wie in der Leonhardstraße, zumal nicht umsonst unter Denkmalschutz, wäre es wert. Das einfach abzutun, geht bitte nicht!

Es ist ja nicht so, dass z. B. in der Gründerzeit nicht Ähnliches passiert ist (z. T. Teile der Burg, Trompetergang etc.. - darüber gibt es eh einschlägige Architektur), aber retrospektiv gesehen war z. B. der Abriss der alten Hauptbrücke und der Kaibebauung in Richtung Süden eher ein städtebaulicher Rückschritt und ein Fehler.

Ich weiß nicht, ob man durch bloßen Augenschein und - Entschuldigung! - Halbwissen eine Expertise abgeben kann, ob ein Gebäudekomplex schützenswert ist oder nicht. Dafür gibt es doch berufenere Stellen. Seine Meinung dazu darf man freilich haben.

W.


"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
(Carlo Schmid, SPD, 1948)

  • Vitus
Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #5
Die Flugzettelaktion empfand ich auch als eine willkommene Abwechslung und auch die Hausbesetzung ohne Blockierung des ÖV sehe ich positiv,



Du siehst also diese kriminellen Aktionen positiv. 
Hmm, Rechtschreibfehler gefunden? Kein Problem. Schenke ich Dir!!

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #6
Du siehst also diese kriminellen Aktionen positiv. 

Wahnsinnig kriminell. Muss ich mich jetzt fürchten? Klar, wird das rechtliche Folgen haben, aber man soll das jetzt bitte nicht zu sehr aufbauschen. Da passieren in der Stadt ganz andere Dinge, die weder verfolgt werden, noch irgendeinen öffentlichen Aufschrei nach sich ziehen (z. B. beim Abriss von denkmalgeschützten Häusern oder der immer noch fehlenden Dacheindeckung eines innerstädtischen Großkaufhauses).

Wenn, da soll man bitte Gleiches mit Gleichem bewerten!

W.
  • Zuletzt geändert: August 02, 2020, 16:29:21 von Sanfte Mobilität
"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
(Carlo Schmid, SPD, 1948)

  • FlipsP
Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #7
Was kulturhistorisch schützenswert ist, darüber gibt es Fachmeinungen seitens des Bundesdenkmalamtes und der Altstadtschutzkommission und da geht es eigentlich nicht darum, wer da drinnen geboren wurde, sondern welche städtebaulichen, architektonischen und kulturhistorischen Wert ein solches Gebäude hat. Und gerade dafür ist eigentlich Graz weltberühmt, nämlich eine baulich intakte Innenstadt zu haben, die in der Vergangenheit (!) durch architektonisch wertvolle Gebäude ergänzt wurde (u. a. Kunsthaus, Zaha Hadid), z. T. auch unter Einbeziehung des Alt-Bestandes.

Allerdings wird und wurde in der jüngsten Vergangenheit sehr viel (v. a. in Villenvierteln) zugunsten von gesichtsloser Architektur abgerissen. Das kann aber nicht das Ziel sein.. Man kann nicht alles erhalten, aber gerade ein typisches Vorstadthaus, wie in der Leonhardstraße, zumal nicht umsonst unter Denkmalschutz, wäre es wert. Das einfach abzutun, geht bitte nicht!

Es ist ja nicht so, dass z. B. in der Gründerzeit nicht Ähnliches passiert ist (z. T. Teile der Burg, Trompetergang etc.. - darüber gibt es eh einschlägige Architektur), aber retrospektiv gesehen war z. B. der Abriss der alten Hauptbrücke und der Kaibebauung in Richtung Süden eher ein städtebaulicher Rückschritt und ein Fehler.

Ich weiß nicht, ob man durch bloßen Augenschein und - Entschuldigung! - Halbwissen eine Expertise abgeben kann, ob ein Gebäudekomplex schützenswert ist oder nicht. Dafür gibt es doch berufenere Stellen. Seine Meinung dazu darf man freilich haben.

W.

Natürlich habe ich dazu kein fundiertes Fachwissen. Es ist meine einfache Meinung, die sagt, dass ich den Denkmalschutz teilweise übertrieben finde. Das beste Beispiel ist hier, für mich, eben das Girardihaus.

@Vitus: Nein, Illegales befürworte ich nicht. Aber das ,,in die offene Wunde greifen" schadet nicht.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!  ;)

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #8
Natürlich habe ich dazu kein fundiertes Fachwissen. Es ist meine einfache Meinung, die sagt, dass ich den Denkmalschutz teilweise übertrieben finde. Das beste Beispiel ist hier, für mich, eben das Girardihaus.

Bei der Erhaltung von Bausubstanz geht es halt auch um Geschichte und das Gesicht einer Stadt. Man kann, wird und muss nicht alles erhalten, beim Girardihaus gibt es gute Gründe dafür: https://www.initiative-denkmalschutz.at/berichte/girardihaus-graz-trotz-denkmalschutz-nicht-schuetzenswert/

Man kann es im dem Fall auch anders sehen, muss man aber nicht. Nicht nur ich, würde es auf jeden Fall bedauern, unabhängig von Alexander Girardi oder Lore Krainer ...

W.
"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
(Carlo Schmid, SPD, 1948)

  • FlipsP
Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #9
Wie gesagt es ist nur meine Meinung. Ich denke halt, auch eine 1000 Jahre alte Eiche hat viel Geschichte zu erzählen, ist aber nur ein Baum, wie viele andere und wird irgendwann umfallen und Platz für einen neuen Baum schaffen.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!  ;)

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #10
Der Mensch ist ja ansich auch nur eine Episode auf der Erde ...

Wie sagte Humboldt so schön: "Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft!"

W.
  • Zuletzt geändert: August 02, 2020, 23:11:47 von Sanfte Mobilität
"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
(Carlo Schmid, SPD, 1948)

  • Ch. Wagner
  • Member*
Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #11
Im DEHIO ist das Haus einen kurzen Satz wert: "im östl. Hausteil profilierte Holzbalkendecke, 17. Jhdt".
Viel wichtiger wäre der Erhalt und die Renovierung des Hauses Kaiser-Franz-Josef-Kai 50. Das aus dem 16./17. Jhdt. alte Haus wurde 1858 vom katholischen Gesellenverein übernommen und unter anderem mit einem Theatersaal ausgestaltet, in dem auch Girardi spielte. In unserer Zeit wurde er als Tanzschule genutzt.
Nachdem das Theater der KiStL demnächst aberissen wird, wäre der Girardi Theatersaal eine ideale neue Spielstätte für dies überaus engagierte Truppe und natürlich auch für andere.
"Girardihäuser" gibt es noch viele, einen solchen Theatersaal in Zentrum keinen.
Weil ich angeblich unhöflich bin:
"Denkt daran, das Schwein von heute ist der Schinken von morgen"
(Mathias Beltz)

"pungitius pungitius"

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #12
Ich denke, die Gebäude sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es wurden und werden immer noch viel zu viele erhaltenswerte Altbauten durch Neubauten in zweifelhafter Qualität ersetzt, die weder nachhaltig, noch optisch ansprechend sind. Das nicht nur in Graz, sondern quer durchs Land.
Verdichtung soll meiner Meinung nicht auf Kosten alter erhaltenswerter Bauten erfolgen.

Wie gesagt es ist nur meine Meinung. Ich denke halt, auch eine 1000 Jahre alte Eiche hat viel Geschichte zu erzählen, ist aber nur ein Baum, wie viele andere und wird irgendwann umfallen und Platz für einen neuen Baum schaffen.
Und wie lange braucht ein neu gepflanzter Baum, um wieder die gleiche Qualität für Mensch, Natur und Umgebung zu bieten?

  • FlipsP
Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #13
Ich denke, die Gebäude sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es wurden und werden immer noch viel zu viele erhaltenswerte Altbauten durch Neubauten in zweifelhafter Qualität ersetzt, die weder nachhaltig, noch optisch ansprechend sind. Das nicht nur in Graz, sondern quer durchs Land.
Verdichtung soll meiner Meinung nicht auf Kosten alter erhaltenswerter Bauten erfolgen.

Dieser Meinung bin ich auch! Nur sehe ich wahrscheinlich viel weniger Gebäude als erhaltenswert an, als zB du. Viel mehr bin ich der Meinung, dass ein überbordender Denkmalschutz (den wir oft haben und andererseits ich selbst auch des Öfteren bei ,,wichtigen" Objekten vermisse) dem Fortschritt im Weg steht.

Zitat

Wie gesagt es ist nur meine Meinung. Ich denke halt, auch eine 1000 Jahre alte Eiche hat viel Geschichte zu erzählen, ist aber nur ein Baum, wie viele andere und wird irgendwann umfallen und Platz für einen neuen Baum schaffen.
Und wie lange braucht ein neu gepflanzter Baum, um wieder die gleiche Qualität für Mensch, Natur und Umgebung zu bieten?

Welche Qualität bietet ein heruntergekommenes Haus, die ein neues nicht liefern könnte?
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!  ;)

Re: Hausbesetzung Girardihaus - Leonhardstraße 28
Antwort #14
Denkmalschutz ist im Prinzip ein schwerwiegender Eingriff in das Eigentumsrecht. Er muss daher sorgfältig abgewogen werden.

Ich besitze ein Einfamilienhaus im Speckgürtel von Wien, dass ich demnächst wegreißen werde, weil es baufällig ist und nicht zeitgemäß sanierbar ist. Es sieht "typisch" für das ehemalige Ortsbild aus. Nun gut, so ein Juwel ist es nicht, dass ich damit rechnen muss, dass es unter Denkmalschutz kommt.

Aber wenn ja (rein theoretisch), wäre das eine schöne Scheiße für mich, und im Prinzip eine totale Entwertung der Gesamtliegenschaft.

Vor diesem Dilemma steht vielleicht auch der Besitzer des Girardihauses.

Aber Denkmalschutz ist wenigstens rechtlich gedeckt. Hausbesetzungen sind es nicht. Und wohin der achtlose Umgang mit Recht führen kann, versuchten wir hier schon 2015 zu erörtern (die Diskussion ist beendet), und im Prinzip kann sich jeder heute ein Bild machen, wo wir stehen (aktuell: Schuldenaufnahme durch die EU selbst).

Und abgesehen vom Recht: Dem Denkmalschutz wird sicher immer noch besser gedient, wenn das Haus leer steht, als wenn es von Leuten illegal bewohnt wird, denen unsere gesellschaftliche Ordnung vorsichtig ausgedrückt nicht ganz so wichtig ist.